Supernova Plasmajets (live beim Schlossgrabenfest 2012)

Supernova Plasmajets (live beim Schlossgrabenfest 2012) © Andreas Bradt

Sie sind die Supergroup des Rhein-Neckar-Gebiets: Markus und Boris von VP-1, Andy von Baxter und ein weiterer Andi von Soma haben sich nach Auflösung ihrer Bands zu einer neuen Formation zusammengeschlossen. Lediglich Sänger Till kommt aus unbekannten Gefilden. Der extravagante Name bedingt auch ein außergewöhnliches Konzept. Wir haben uns mit der Band in ihrem Proberaum getroffen, um hinter die Fassade des "Plasmarocks" zu schauen und sie zu ihrem ersten Jahr als Supernova Plasmajets befragt.

{image}regioactive.de: Ihr macht "Plasmarock" – erklärt das doch mal mit ein paar Worten, was man darunter verstehen kann.

Boris: Die Musikrichtung würde ich als eine Mischung aus Riffs der 70er und 80er Jahre beschreiben. Hauptsächlich orientieren wir uns an den Hardrock-Bands der 80er, wie zum Beispiel Van Halen, Mötley Crue oder Def Leppard.

Supernova Plasmajets, Plasmarock, der neonfarbene Pfeil auf euren Schweißbändern, einheitliche Outfits – das ist alles ziemlich durchkonzeptioniert.

Boris: Die ersten Überlegungen dahinter waren, dass wir einen langen Bandnamen haben wollten, eben nicht nur ein Wort. Und dann fanden wir das Konzept gut, das Science-Fiction-mäßige umzusetzen und auch aufs Bandoutfit zu übertragen.

Ihr bezeichnet euch selbst als "Die geilste Band unter der Sonne" – an Selbstbewusstsein mangelt es euch nicht, oder?

Boris: Ja, wir bringen auch viel Selbstironie mit und das ist auch Teil des gesamten Konzepts, von daher hat der Spruch ganz gut gepasst.

Es hat mich ziemlich stark an Die Ärzte und "Die beste Band der Welt erinnert"!

Markus: Aber wir sind pink.

Till: Ich weiß nicht von wem der Spruch kam. Von mir nicht.

Andi: Jetzt will es keiner gewesen sein!

Boris: Ich glaube ich weiß von wem der war!

Ihr stammt alle aus Bands, die sehr unterschiedliche Musik gemacht haben. Wie lief daher der Prozess einer neu gegründeten Band ab, wie habt ihr alles unter einen Hut gebracht?

Boris: Die Grundidee war, dass wir einfach Rock machen wollten.

Markus: Unsere Wurzeln liegen ja auch eigentlich im Rock, und darauf sind wir zurückgegangen und haben das einfach mit modernen Features gepaart.

Nur euer Sänger ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Wie habt ihr mit ihm zusammengefunden?

Boris: Er war eigentlich bisher immer nur Background-Sänger bei einer Coverband und wir haben über Kleinanzeigen einen Sänger gesucht.

Markus: Der Klassiker!

Boris: Er hat zwar gemeint, dass er noch nie als Hauptsänger in einer Band gesungen hat, aber er würde es gerne mal probieren. Dann hat er ein paar Songs, die wir schon aufgenommen hatten, eingesungen. Das hat sich gut angehört, das hat gepasst. Allerdings ist der Bruder vom Till, der Hagen Grohe, nicht so ein unbeschriebenes Blatt: Er war bei Joe Perry von Aerosmith Sänger. Es war gerade zu der Zeit, als Hagen bei Joe Perry eingestiegen ist, und wahrscheinlich hat Till dann auch mal Lust bekommen, richtig zu singen.

In euren vorigen Bands habt ihr englischsprachige Musik gemacht, wie kam es dazu, dass ihr euch jetzt auf Deutsch ausprobieren wollt?

Till: Das war ein Mehrheitsentscheid. Als ich die Probetracks aufgenommen habe, habe ich es automatisch auf Englisch gemacht. Dann hatte einer die Idee, einfach mal auf Deutsch zu singen, das haben wir dann beim dritten Song gemacht. Ich wusste gar nicht, ob ich dazu texten kann, aber danach waren wir uns einig, dass es cooler klingt und wir haben die ersten beiden Songs umgeschrieben.

Markus: Am Ende von VP-1 sind wir schon auf Deutsch umgeswitcht. Wenn du nicht unbedingt Native Speaker bist oder richtig gut Englisch kannst wird es schnell peinlich; und du verstehst deine Muttersprache einfach schneller. Wenn du Texte mit Inhalt hast, dann geht es schneller in den Kopf, dann musst du nicht erst übersetzen oder darüber nachdenken.

Boris: Ja, vor allen Dingen ist es dann auch so, dass man sich da aus der Masse heraushebt. Es machen in dieser Musikrichtung noch nicht so viele, auf Deutsch zu texten und zu singen.

Till: Denn ansonsten ist der Markt überschwemmt mit deutschsprachigen Bands. Aber die Hardrock-Sache, die wir machen, da kenn ich jetzt nicht so viele Bands.

{image}Ihr hattet schon recht früh einen Besetzungswechsel. Hat euch das zurückgeworfen oder ist man danach nur noch motivierter, dass beim nächsten Mann alles passt?

Markus: Es hat uns vorher zurückgeworfen, weil wir so lange damit herumgemacht haben. Eigentlich hat es uns einen ziemlichen Schub gegeben, als dann der Andi dazugekommen ist.

Boris: Er hat frischen Wind in die Band gebracht, kam auch aus einer bisschen anderen musikalischen Ecke, von Soma, deshalb hat das eigentlich eher einiges gebracht.

Wie ist es in eine Band einzusteigen, in der alles schon vorhanden ist?

Andi: Ich konnte mich ja quasi ins gemachte Nest setzen. Es war alles schon da, die meisten Sachen waren schon aufgenommen, die Sachen, die noch nicht aufgenommen waren, waren ja eh so roh und unfertig, dass ich sowieso machen konnte was ich für richtig hielt. Der Einstieg war eigentlich ganz locker; erstmal waren wir Grillen, um zu sehen, ob das alles passt, dann hatten wir ein oder zwei Proben um zu schauen, was dabei rauskommt. Für mich war es auch gut, da das mit Soma gerade so am Abebben war und ich eh was Neues gesucht habe. Da konnte ich mich voll drauf konzentrieren und das hat echt gut funktioniert, würde ich sagen.

Andy: Ja, wir auch!

Ihr spielt hauptsächlich in der Region. Seid ihr dabei, eure Fühler in überregionale Bereiche auszustrecken?

Boris: Klar! Aber in der Region hat man es immer am leichtesten, irgendwas zu finden. Wir haben aber auch schon überregional gespielt, zum Beispiel auf dem Trebur Open Air, was ja auch ein bisschen weiter weg ist. Oder in Freiburg auf einem Festival letztes Jahr. Wir gucken natürlich schon, dass wir auch bundesweit was finden und kriegen. Das ist halt nicht so ganz einfach, weil man sich auch erst mal einen Namen machen muss. Und in Italien hatten wir einen Gig.

Läuft das dann hauptsächlich über alte Connections, oder wie kommt ihr zu den Gigs?

Boris: Freiburg lief zum Beispiel über ein Facebook-Voting. Ansonsten läuft schon viel über alte Connections, das stimmt, ja.

Und der Gig in Italien, bei dem ihr zusammen mit Siock Sico gespielt habt. Wie ist das zustande gekommen?

Boris: Das war in Rovigo, das ist die Partnerstadt von Viernheim, aus der Markus und ich ja kommen. Die Connection gab es schon über ein paar Jahre und wir haben schon öfter einen Bandaustausch gemacht, Bands aus Rovigo nach Deutschland und umgekehrt.

Könnt ihr die italienische und deutsche Konzert- und Kulturlandschaft anhand dieser Auftritte miteinander vergleichen?

Markus: Ich glaube bei denen gibt es so gut wie keine Szene. Oder keine Möglichkeiten, sich da zu präsentieren.

Boris: Das ist es. In Italien ist mehr Popmusik und Radiomusik angesagt. Rockmusik oder auch Metal ist fast nicht vorhanden und eine richtige Szene gibt es da im Prinzip nicht.

Markus: Das kann man nicht mit unserer Region vergleichen, es ist schon Gold wert hier.

Boris: Allein wenn man schaut was es an Festivals in Deutschland gibt, RaR und Wacken und Full Force, so etwas gibt es ja in Italien überhaupt nicht.

Markus: Auch die Clubdichte ist echt mau.

Boris: Es waren auch immer eher Kneipen, in denen wir da gespielt haben, keine richtigen Clubs in dem Sinne.

{image}Würdet ihr zum Beispiel nochmal an Newcomerwettbewerben teilnehmen, nur um an Auftritte zu kommen?

Markus: Ich glaube da verpassen wir mittlerweile die Altersgrenze!

Boris: Das bringt auch nicht mehr viel. Wir haben jetzt vor kurzem beim Musikförderpreis gespielt, eigentlich auch eine Art Newcomercontest, von einer Zigarettenmarke. Das war schon nicht schlecht, das hat uns nochmal vor ein größeres Publikum gebracht. Aber da war auch die Konkurrenz ziemlich gut und wir sind leider nicht weitergekommen.

Markus: Gut, aber wir gehen nicht mehr mit dem Druck dran, dass man jetzt gewinnen muss so wie früher. Wir sehen es als Gig, und wenn dabei was rumkommt, ist es super, und wenn nicht haben wir eigentlich nichts verloren.

Andi: Ich glaube es geht eher darum, dass man die Gigs so auswählt, damit man sich auch selbst präsentieren kann. Denn mit der Band und dem gesamten Konzept, dem Outfit und dem Science-Fiction-Kram, geht es uns auch ein bisschen darum, die Bühnenshow darauf anzupassen. Das will man zeigen und das macht dann gar keinen Sinn, in irgendeiner Kneipe, wo es kaum eine Bühne gibt und das Schlagzeug auf dem Billardtisch steht, das umzusetzen. So etwas ist dann eher das Auswahlkriterium.

Ihr habt ja gerade eure Debüt-Ep Ektoplasma auf den Markt gebracht.

Boris: Genau, das richtige Album kommt erst im Herbst. Aber wir wollten jetzt für die Festivalsaison einfach eine Promo-EP haben, die verkaufen wir nicht richtig über einen Handel, aber auf Konzerten kann man sie schon kaufen.

Ihr habt ja auch ein Video zu Supernova Team gedreht, bei dem man gut sehen kann, was ihr unter eurem Konzept versteht. Was gab es bisher für Resonanzen darauf?

Markus: Durchweg positive. Es hat keiner geschimpft! Das Video wurde auch innerhalb kürzester Zeit von verschiedenen Medien vorgestellt und positiv beschrieben, von daher scheint es gut anzukommen.

Wieso habt ihr euch für diesen Song entschieden, und nicht zum Beispiel für Geheimnis, den ihr als ersten Song überhaupt ins Netz gestellt habt?

Boris: Supernova Team ist ein guter Einsteiger, um sich vorzustellen. Es bringt unser Konzept auf einen Punkt, wir konnten ordentlich Gas geben, weil es ein schneller Song ist und auch bei den Live Auftritten haben wir auf die Nummer immer positives Feedback erhalten. Bei Geheimnis ist es so, dass der Titel eher untypisch für uns ist, weil er sehr Midtempo- und Popmusik-lastig daher kommt, das hätte auf die "neuen" Zuhörer vielleicht auch einen falschen Eindruck vermitteln können.

Vielen Dank für das Interview!

Das Video zu Supernova Team:

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