Christian Sommer (Pressefoto, 2004)

Christian Sommer (Pressefoto, 2004) © Christian Sommer

Der Musikpark bildet als Exitenzgründerzentrum für die Musikwirtschaft eine der drei Säulen des Mannheimer Modells. Seit April 2004 beherbergt der Neubau am Neckar ein buntes Sammelsurium an Firmen. regioactive.de sprach mit Geschäftsführer Christian Sommer.

RA: Das Mannheimer Modell hat sich dieses Jahr auf der Popkomm in Berlin vorgestellt. Hatten die drei Säulen Mannheims einen gemeinsamen Stand? Christian Sommer: Ja, das war ein gemeinsamer Auftritt, wobei die Pop Akademie noch einen eigenen Stand hatte. Die Rock- und Popförderung und der Musikpark, und auch die Musikszene hatten sich als Mannheimer Modell gemeinsam präsentiert. Die Pop Akademie stand praktisch unmittelbar daneben.

RA: Wie sieht die Zusammenarbeit dieser drei Säulen denn außerhalb der Popkomm konkret aus?

Christian Sommer: Im Prinzip ist das Mannheimer Modell der Versuch, eine sich gegenseitig befruchtende und aufeinander aufbauende Kette aufzuziehen. Wir haben zum einen eine sehr gute, weitgestreute und teilweise auch sehr erfolgreiche Musikszene hier in der Gegend. Die Aufgabe des Beauftragten für Populäre Musik ist es, diese Szene zu sichten, zu casten und an den Stellen wo es hängt und etwas getan werden müsste, zu unterstützen und so eine Schnittstelle zwischen der Szene und der Kommune herzustellen. Die Pop Akademie läuft auf zwei Ebenen. Einmal die beiden Studiengänge Popmusikdesign und Musikwirtschaft und damit die Ausbildung ihrer Studenten. Außerdem die Fort- und Weiterbildung für Leute, die in der Musikbranche tätig sind oder aktiv werden wollen. Da sind verschieden Projekte, da wäre etwa der Bandpool und das RegioNet. An dieser Stelle setzt die Zusammenarbeit mit dem Musikpark an, neben der Tatsache, dass die Pop Akademie hier Tonstudios und Proberäume hat und es personelle Verknüpfungen gibt. Die Zusammenarbeit läuft dann so: Markus Sprengler (Beauftragte für Populäre Musik) sichtet, beobachtet und betreut die Szene und die Pop Akademie macht Angebote zur Fort- und Weiterbildung. Also im Idealfall wird ein hoffnungsvoller Produzent, ein aussichtsreiches Management oder auch eine interessante Band von Markus Sprengler gesichtet, geht dann an die Pop Akademie in die weiteren Fortbildungsbereiche, bekommt in Seminaren Know How vermittelt. Wenn sich die entsprechenden Leute dann entscheiden, professionell ins Business einzusteigen, kann der Musikpark ins Spiel kommen und gegebenenfalls Flächen zur Verfügung stellen.

RA: Also stellen die drei Säulen Popförderung, -Akademie und Musikpark im Idealfall auch drei Hierarchien der Professionalisierung dar?

Christian Sommer: Richtig. Und was als nächster Schritt logischerweise kommen muss, ist der Punkt, an dem der Musikpark belegt ist oder Firmen aus dem Musikpark raus wollen, weil sie Erfolg haben und zu groß werden. Dann muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem solche Firmen sagen: Ja, wir bleiben in Mannheim. Das wird sicherlich die Aufgabe der nächsten Jahre sein.

RA: Gibt es diesbezüglich schon konkrete Überlegungen?

Christian Sommer: Die gibt es, ja. Aber aus gegebenem strategischen Anlass möchte ich mich dazu jetzt nicht weiter äußern.

RA: Dann komme ich nächste Woche noch mal vorbei ... Nun, diese ganze Entwicklung steht noch ganz am Anfang und das Szenario, das du da beschreibst, wird sicherlich erst in ein paar Jahren richtig zu beurteilen sein, wenn man sieht inwieweit dieser "Idealfall" tatsächlich aufgeht.

Christian Sommer: Sicher. Aber eins ist auch klar: Der Musikpark ist ein Existenzgründerzentrum und wird das bleiben, d. H. es wird Fluktuation geben. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass nach einem Jahr Firmen kommen, die sagen: Es hat nicht geklappt. Andere werden vielleicht auch mehr Platz brauchen. Wir haben im Hinblick auf die Pop Akademie-Studenten – die ersten werden in zwei Jahren ihre Abschlüsse haben – bislang nur Mietverträge für drei Jahre gemacht, damit wir ihnen in dem Moment, in dem diese ihr eigenes Label oder ihr eigenes Management gründen wollen, auch ein paar Räume anbieten können. Es ist eben die zweite Schleife des Mannheimer Modells, dass die Akademie-Abgänger auch nach dem Studium nicht automatisch nach Berlin, Hamburg oder sonst wohin abwandern, sondern in einem Umfeld, das sie gut kennen und in dem sie sich wohlfühlen, die Möglichkeit haben, ein Büro zu eröffnen.

RA: Wie läuft es dann konkret nach den drei Jahren?

Christian Sommer: Nach drei Jahren wird es eine Betrachtung geben, inwieweit die Mieter und der Musikpark sich ergänzen. Wenn z. B. eine Firma in den drei Jahren kaum hier zu sehen war, und ich stelle fest, dass das eine reine Briefkastenfirma ist, oder sie das nicht ernst nimmt und nur irgendwie jeden Monat die Miete auftreibt, dann kann ich nach drei Jahren natürlich auch sagen: sorry, das war's.

RA: Das bedeutet, dass es dir als Geschäftsführer auch wichtig sein muss, dass der Firmenmix hier einen gewissen Sinn ergibt.

Christian Sommer: Klar. Bislang konnte ich mich da nur auf die Präsentationen im Vorfeld verlassen und bislang bin ich auch ganz guter Dinge. Es ist keine Firma dabei, die mir extrem nach Briefkasten aussieht. Es sind ein paar dabei, die noch nicht am Start sind, aber das hat jeweils gute Gründe. Wir werden das auch ein bisschen beobachten und bei Firmen, die einfach nur die Adresse hier haben wollten, werden wir auf den Raum zugreifen, wenn der Vertrag gelaufen ist. Bei den meisten wird es wohl der Fall sein, dass noch zwei Jahre drangehängt werden. Ein kompletter Turn Over wird nach drei Jahren wohl nicht stattfinden. Ich schätze, dass es so im Bereich von 30 % Veränderungen geben wird.

RA: Gut, was die Zusammenarbeit der drei Säulen angeht, lässt sich festhalten, dass das eine längerfristig zu beurteilende Angelegenheit ist. Wie sehen denn momentane, konkrete Verknüpfungen aus? Z. B. fanden zwei Konzerte des Mannheim Music Award im Musikpark statt.

Christian Sommer: Im Moment arbeite ich sehr intensiv mit der Pop Akademie zusammen. Zum einen dadurch, dass wir RegioNet-Partner der Pop Akademie sind und zusammen Seminare veranstalten. Bedingt durch die ganzen Veranstaltungen und vor allem den Bau der Akademie, für den ich ebenfalls zuständig bin, war es mir noch nicht möglich mit Markus Sprengler intensiver in Dialog zu gehen. Ich denke, das wird in den nächsten Wochen passieren. Von den sechs Monaten, die wir jetzt am Start sind, gingen im Prinzip vier für den Bau drauf, die Musikpark GmbH ist ja auch Bauherr des Gebäudes der Pop Akademie. Dadurch mussten einfach zunächst Abstriche im Inhaltlichen gemacht werden. Die Säule des Rock- und Pop-Beauftragten ist für mich die Schnittstelle zur Szene. Man könnte z. B. einfach mal einen Musiker-Stammtisch einrichten, eine offene Bühne machen, eben einfach ein paar Aktionen für Musiker aus der Region fahren. Das muss ein Kristallisationspunkt für die Musiker der Szene werden, das darf nichts werden, an dem man vorbeifährt und denkt: da wär ich jetzt gern oder einfach nur denkt das ist elitäres Gehabe. Der Musikpark soll ein Stück Identifikation mit der Szene werden, in dem man sich als Musiker wohl fühlt. Das wird aber sicherlich einige Zeit dauern.

RA: Was die personellen Verknüpfungen mit der Pop Akademie angeht, du bist auch Dozent dort?

Christian Sommer: Ich bin Dozent, ich werde im nächsten Jahr eine Projektarbeit leiten, ich bin im Fachbeirat der Pop Akademie und außerdem hat die Pop Akademie hier ihr Tonstudio. Die Produzenten-Ausbildung findet hier im Haus statt und außerdem sind auch Übungsräume hier. Die Studenten werden also zwischen den Gebäuden pendeln. Nicht zu vergessen dient unsere Gastronomie, das "Strandgut", auch als Mensa der Pop Akademie.

RA: Gibt es konkrete Überlegungen bezüglich der Praktika der Studenten bei Firmen im Musikpark oder wird das komplett denn freien Kräften des Marktes überlassen?

Christian Sommer: Letzteres. Wo Möglichkeiten sind, können diese genutzt werden. Dirk Metzger und ich hatten neulich überlegt, ob die Musikpark Mannheim GmbH nicht einen Praktikumsplatz anbieten wird. Das wäre im weitesten Sinne Kulturmanagement mit der Schnittstelle Wirtschaftsförderung. Da ist also schon vieles in der Planung und jetzt, nachdem die Eröffnungsveranstaltung hinter uns liegt, sehe ich auch Land.

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