Evanescence

Evanescence © Chapman Baehler

Zum "kleinsten Konzert der Welt" lud bigFM am vergangenen Mittwoch 300 geladene Gäste ein, die nur mittels Gewinnspiel an dem Konzert teilnehmen durften. In lauschiger Atmosphäre sollte die Zuschauer ein Spektakel erwarten, das so noch nie gesehen wurde. Unplugged standen Evanescence, die sonst fast nur noch im großen Rahmen spielen, in der alten Schmelze in Wiesbaden auf der Bühne.

{image}Schon Stunden vor der Show sammelten sich die aufgeregten Fans vor den Toren des Clubs. Die für die Anzahl der Gäste relativ große Zahl an Securities ließ durchschimmern, dass sich Weltstars in Wiesbaden eingefunden hatten. Auch die gründlichen Kontrollen am Eingang machten das deutlich. Endlich im Saal angekommen musste sich das Publikum noch eine Stunde in Geduld üben. Die Hitze war drückend, die Stimmung angespannt. Doch zur Freude aller wurde die Show pünktlich um viertel nach acht von der bigFM-Moderatorin eingeleitet.

Unter Jubel trat die Band schließlich auf die Bühne. Lachend begrüßte Amy Lee ihre euphorischen Fans und nahm am Flügel platz. Mit einem Schmunzeln erklärte sie dem Publikum, dass sie hoffe, nicht zu nervös zu sein, um ihre eigenen Songs zu spielen. Mit ihrer neusten Singleauskopplung My Heart Is Broken begannen Evanescence ihr Konzert.

Alle Scheinwerfer auf Amy Lee gerichtet tat diese sich ganz klar als dominanter Part der Gruppe hervor. Ihre Bandkollegen wirkten eher desinteressiert und teilnahmslos, während sie im verdunkelten Teil der Bühne verblieben und die Frontfrau ihre Show machen ließen. Die Zuschauer waren hingerissen: In Höhen und Tiefen meisterte sie alle Töne einwandfrei, hauchte, seufzte und riss die Menschen mit. Von der versprochenen intimen und gemütlichen Atmosphäre war durch den kargen und kalten Lagerhallencharakter des Raumes jedoch nichts zu spüren. Aber alle Augen waren auf die Bühne gerichtet, wo Amy Lee weiterhin ihre One-Man-Show zum Besten gab, und ließ das vergessen.

Schmerz nach außen tragend stellte auch der nächste Song Lithium die absolute Verzweiflung dar. Leidend und schluchzend holte die Sängerin alle Emotionen aus sich heraus und präsentierte sie dem Publikum. Das nächste Lied Lost In Paradise performte Amy Lee dann endgültig komplett als Solistin. Nur sie und der Flügel schallten den Leuten entgegen und machten aus dem einst dramatischen Lied eine langsame Ballade. Die Nummer zeigte, dass sie eine Bühne auch alleine ausfüllen kann.

Nach All That I'm Living For kam die Band schließlich schon zum letzten Song des neuen Albums. Nur mit der Gitarre begleitet tönte Amys Gesang zu The Change durch den Raum. Die Vocals erstrahlten dabei nochmal in allerlei Facetten: Mit perfekter Intonation in allen Höhen und Tiefen, die im Vibrato endeten, langen Tönen, Seufzern und Steigerung transportierte die Sängerin eine immense Spannung und Emotion zum Publikum, das darüber nicht schlecht staunte.

Am Ende spielten Evanescence aber nur eine halbe Stunde und nicht die erwartete ganze Stunde. Die restliche Zeit war für ein Interview und Publikumsfragen genutzt worden. Bei diesen tat sich eine neue Seite an Amy Lee hervor: Nicht nur, dass sie fast alle Fragen beantwortete – sie unterbrach auch ihre Bandkollegen und antwortete für diese, die sich teilweise sichtlich unwohl mit der Gesamtsituation fühlten und hinter ihr im Hintergrund standen.

{image}Doch einen letzten Song ließ sich die Band nach der moderierten Runde nicht nehmen, laut Lee "the sound that brought us here": Mit Bring Me To Life, ihrem Durchbruchssong, spielten sie ihr persönliches Finale. Unter tosendem Beifall und Jubel verbeugte sich lediglich die Sängerin, während die anderen begannen abzubauen. Dabei stellte sich der eigentliche Baldwin-Flügel, der ein Markenzeichen der Band ist, als billige Attrape heraus: Es handelte sich dabei um einen Plastiknachbau, in den ein Keyboard gesteckt wurde und beim Baldwin-Schriftzug um einen simplen Aufkleber – nunja.

Von Wiesbaden aus ging es direkt weiter zu den Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park, bei denen Evanescence einer der Headliner sind.

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