Das Maskottchen des OBS 16... der Esel steht unter einem guten Stern

Das Maskottchen des OBS 16... der Esel steht unter einem guten Stern

Beverungen an der Märchenstraße. In diesem kleinen Städtchen, das sonst so ruhig und beschaulich ist (vom legendären Stadtkrug mal abgesehen), findet zu Pfingsten eines der schönsten deutschen Festivals statt. Glitterhouse Records schmeißt eine Gartenparty und alle kommen hin... Und Sonntag Abend gibt es immer ein Happy End.

{image}Der erste Eindruck vom Orange Blossom Special 16: Zauberhaft schlängelt sich die Weser durch die grüne Landschaft. Es ist Freitag und am Ufer werden noch einige Zelte aufgeschlagen. Auf der Bühne im Garten der Glitterhouse-Villa stehen Alamo Race Track auf der Bühne und verzaubern mit ihrem Indie-Kammer-Folk das Publikum. Fantastisch. Bereits zu Beginn ein kleines Highlight, das aber schnell von Christian Kjellvanders Auftritt übertroffen wird. Zusammen mit seiner Band baut Kjellvander ungewohnt monströse Klangmauern auf, um sie danach mit seiner warmen Stimme und Ruhe sanft einzureißen.

Sonst von Folk-, Indie- und Americana-Klängen beherrscht, entern die Moon Invaders den Garten und überzeugen das Publikum mit ihrem oldschool Ska-Soul-Sounds in perfekter Mehrstimmigkeit. Der König ruft zum Tanz! Mit Gruselgeschichten schicken uns dann schließlich The Miserable Rich in das Reich der Träume, die auf ihrem aktuellen Album Miss You In The Days zu finden sind. Die kammermusikalische Besetzung wurde hierzu mit Schlagzeug ergänzt, was die Songs noch einmal auf eine neue Ebene transporiert. Jedoch tragen sie noch immer alle eine wundervoll bittersüße Note.

{image}Dorothy hätte den Tin-Man des Orange-Blossom-Special-Gartens ebenso geliebt wie die wagemutigen Ritter, die nach einer partyfreudigen Nacht im Stadtkrug, der After-Show-Party-Location, am Samstag Morgen um halb zwölf der Sonne entgegen lachten. Rocco Recycle überzeugte als "die famose 1-Mann-Kapelle des Universums" – Recht hat das Programmheft.

Amanda Rogers fiel aus persönlichen Gründen leider aus, wurde jedoch durch den wundervollen Peter Pan der Musikszene ersetzt: Scott Matthew, der Silent Noisemaker, coverte solo einige seiner Lieblingssongs und nahm das Publikum mit in sein Nimmerland. Gekrönt mit dem zauberhaften Humor der Wahl-New-Yorkers und einer entzückenden Cover-Version von Rhiannas Only Girl In The World, das er ursprünglich für die New Yorker Reihe Our Hit Parade einstudierte.

Andrea Schroeder führt uns zusammen mit ihrer Band weiter in den tiefen, düsteren Wald melancholischer und auch sinnlicher Klangwelten. The Fuzztones rüttelten mit ihrem Garage-Sixties-Rock-Sound auch den letzten Langschläfer wach und boten eine Show der Superlative. Die in die Jahre gekommenen Fuzzys unterhielten nicht nur mit ihren Songs – Sänger Rudi Protrudi lieferte auch den Kalauer des Festivals: "Buy a CD for yourself and one for your Mom... I remember her!"

{image}In den Umbaupausen kamen auch die Stammgäste des Bierwagens auf ihre Kosten. Horst With No Name sorgte mit seinem Trash-Rock’n’Roll-Rockabilly-Blues-Punk für Kurzweile und Begeisterungsstürme. Beschaulicher wurde es bei Israel Nash Gripka, der mit seinen Americana-Songs vor allem die Bluerose-Fans im Publikum beglückte. Navel aus der Schweiz boten mehr als einen adäquaten Ersatz für Kill It Kid, die aus gesundheitlichen Gründen leider absagen mussten. Mit ihren düsteren Rocksongs überzeugten sie bereits auf dem Maifeld Derby und erinnern dabei an Blackmail, auch wenn Vergleiche hier nicht wirklich angebracht sind.

Erland & The Carnival bilden den nächsten großen Höhepunkt des ereignisreichen Tages. Die Formation um Erland Cooper, der mit seiner britischen Manier so manche Festivalbesucherin auf Aufruhr versetzte, konnten mit ihrer Mischung aus Folk und Britpop mit Elektroeinflüssen auch in den hintersten Reihen das Tanzbein zum schwingen bringen.

{image}Als letzte Band des Tages nahmen Immanu El das Publikum mit auf eine ungewöhnliche Bootsreise durch den kühlen Norden. Die Songs zu ihrem aktuellen Album In Passage sind auf einem Segelturn um Schweden und Norwegen entstanden und eindrucksvolle Bilder dieser Zeit, die als Videoprojektion gezeigt werden, vertiefen die Momente von Ruhe und Unruhe. Die Musik der jungen Schweden steigert sich immer weiter und fällt dann sanft zurück wie die Wellen des Meeres.

Bereits im Vorjahr führten die Glitterhouse-Jungs ein neues Highlight ein: Den "surprise act" am sonst so unbeliebten Sonntagmorgen. In diesem Jahr wurde diese Rolle dem Veteran Chris Eckman mit seinen Frictions zuteil. Viele übernächtigte OBS-isten fanden den Weg vor die Bühne und konnten einen gelösten und retroesken Eckman erleben.

Don Quixote Clickclickdecker und seinem Kompagnion Sancho Oliver Stangl Panza, selbst OBS-Wiederholungstäter, kämpfte mit seinen deutschen Texten gegen die in diesem Jahr übermächtigen englisch-sprachige Windmühlen und sorgte damit bei wundervollem Sonnenschein beim Publikum für Gänsehaut und Begeisterunsgstürme.

Nive Nielsen & The Deer Children aus Grönland brachte mit ihrer Ukulele und ihrer zarten Flüsterstimme ein wenig kühle nordische Gelassenheit in den sonnigen Tag. Der perfekte Soundtrack für eine Entspannungspause, der von der anschließenden Travelling Band und ihrem "shimmering blend of cosmic-country-pop, understated psychedelia, vocal harmonies and nu-folk" – besser als die Band selbst kann man es einfach nicht sagen – noch komplettiert wurde.

{image}Von Skurilli mit ihrer witzigen Balkan- und bossa nova-Coverkostümshow in den Umbaupausen wurde das Publikum auf die nun folgenden Highlights eingestimmt.

Die Fog Joggers ritten bereits zum zweiten Mal auf ihren Indie-Rock-Pferden in die OBS-Arena und auch in diesem Jahr war ihnen die Liebe des Publikums im Nu gewiss. Sie durchschlugen die Rosenhecke, erklummen in Windeseile den hohen Turm und küssten uns mit ihren wundervollen Songs und dieser einmaligen Stimme wach.

Orph benötigen die hier verwendete Märchenmetaphorik nicht. Sie selbst sehen aus wie aus einem Märchen entsprungen und klingen auch so. Poetisch-melodische, ja avangardistische Rocksongs mit einem beeindruckenden Syntie-Aufgebot in Pelzmantel und Reiteruniform. Einfach großartig! Fand auch das Publikum.

Zeitreisen sind das Fachgebiet der Flying Eyes. Nicht nur optisch, sondern vor allem auch musikalisch stehen sie den wilden Rockbands der Siebziger in nichts nach und lassen den Garten noch einmal beben, bevor Spain, die Helden der 90er, mit rauchig-zarter Stimme und ihren unglaublichen unkitschigen Schmusesongs für ein Wehmütiges nach-Hause-gehen-müssen sorgen.

{image}Nur schwer lassen sich die vielen Eindrücke, die menschliche Qualität dieses Festivals in Worte ausdrücken. Die immer netten Helfer, die immer einen flotten Spruch auf den Lippen haben, die liebgewordenen Stammgäste, die sogar selbstgemachten Kuchen am Merchstand vorbeibringen und dafür Sorge tragen, dass auch jeder etwas abbekommt und das Duo infernale, Rembert und Reinhard, die in Zusammenarbeit den beliebten Dreitageswitz beinahe ruiniert hätten:

Man muss es einfach erleben! Und somit träumen wir bis ins nächste Jahr von einem märchenhaften OBS 16!

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