Das Lars Danielsson Quartett von links nach rechts: Tigran, Danielsson, Magnus Öström und John Parricelli.

Das Lars Danielsson Quartett von links nach rechts: Tigran, Danielsson, Magnus Öström und John Parricelli. © Daniel Nagel

Fast hätte der Streik am Frankfurter Flughafen zur Absage des Konzerts von Lars Danielsson in der Alten Feuerwache geführt, aber dank eines Kraftakts der Organisatoren und der Musiker konnte der Auftritt wie geplant stattfinden. Die Zuschauer dankten es mit begeistertem Applaus.

{image}Es war ein nervenaufreibender Tag für die Verantwortlichen der Alten Feuerwache, ebenso wie für Lars Danielsson und seine Band. Der Streik am Frankfurter Flughafen sorgte dafür, dass die Musiker aus Sizilien kommend in Köln landen mussten. Dort wartete ein Transporter auf sie, der sie auf dem schnellsten Weg nach Mannheim fuhr, wo sie gerade noch rechtzeitig eintrafen. Während das Publikum an dem sommerlich warmen Märzabend vor der Halle kostenlos bereitgestellte Erfrischungen genoss und im Wesentlichen geduldig auf den Einlass wartete, absolvierten die Musiker drinnen den für drei Stunden (!) angesetzten Soundcheck in nur 45 Minuten. Zur allseitigen Erleichterung konnte das Konzert dann mit maßvoller Verzögerung beginnen.

Angenommen, ein Besucher dieses Konzerts hätte das alles nicht gewusst, wäre quasi unvorbereitet in die Halle gestolpert, er hätte es vermutlich nicht geahnt. Lars Danielsson, der Bass und Cello spielt, Pianist Tigran, John Parricelli an der Gitarre und Schlagzeuger Magnus Öström spielten so leichtfüßig und abwechlungsreich, wie man es sich nur wünschen konnte. Im Mittelpunkt des Auftritts standen Kompositionen von Danielssons neuem Album Liberetto, das sich, wie so viele Veröffentlichungen des Münchner Labels Act, durch eine betont eingängige Herangehensweise auszeichnet.

{image}Eingängig bedeutet, dass das Lars Danielsson Quartett vornehmlich den melodiösen Gehalt seiner Kompositionen erkundet. Melodien werden gespielt, von anderen Instrumenten aufgegriffen und auf sanfte Weise verfremdet. Liberetto, das Titelstück des neuen Albums, kann als exemplarisches Beispiel dieses Konzepts dienen. Das Ergebnis ist keine flache Gefälligkeitsmusik, sondern erfrischend lebendiger Jazz, der zudem ausgesprochen zugänglich, ja einladend ist. Während die musikalischen Konzepte vieler Jazzmusiker von Nicht-Profis nur bedingt entschlüsselt werden können (was nicht im Mindesten gegen sie spricht!), spricht Lars Danielsson in einer einfachen, aber effektiven musikalischen Sprache zu seinem Publikum.

Kommunikation ist sowieso der Schlüssel zum Verständnis von Lars Danielsson. Eine Studioaufnahme vermag nicht zu zeigen, wie der Bassist mit seiner Band kommuniziert, wie er insbesondere mit Pianist Tigran immer wieder musikalische Dialoge führt, wie er steuert und lenkt, aber auch Freiraum gewährt – und dabei wilde Grimassen schneidet. Danielsson ist kein Turbo-Bassist, sein Spiel ist häufig bedacht, fast gemächlich, aber er vermag das Tempo anzuziehen, wie in Orange Market, dessen Steigerung in die wilde Improvisation fast überraschend kam.

{image}Bei aller Zugänglichkeit ist das Lars Danielsson Quartett eben nicht leicht ausrechenbar. Die Basis in der Folkmusik ist zwar unüberhörbar, ganz besonders im schwedischen Lied Svensk Låt, einer Komposition des Pianisten, aber gleichzeitig bezieht Danielsson spirituelle Lieder in seine Musik ein, wie in Hymnen. Von introspektiver Melancholie bis zu heißglühender Leidenschaft hielt das Konzert alles bereit, so wie es die sanften Miniaturen von Tigran mit der Vielseitigkeit von Gitarrist John Parricelli vereinigte. Letzterer vermochte seine Gitarre elegant im klassischen, klaren Sound der 1950er und 1960er erklingen lassen, überzeugte aber auch mit einem Solo, das John McLaughlin mit Stolz erfüllen würde.

Das Publikum in der mittelmäßig gefüllten Alten Feuerwache hat sein Warten nicht bereut und bejubelte das Lars Danielsson Quartett vom ersten Stück an. Nach neunzig Minuten ging der Auftritt dennoch unweigerlich zu Ende, denn zu einer zweiten Zugabe ließen sich die Musiker am Ende eines stressigen Tages nicht mehr überreden. Aber das tat dem Eindruck keinen Abbruch, im Gegenteil, man wusste das Engagement der Musiker und Verantwortlichen umso mehr zu würdigen, stand das Konzert doch den ganzen Tag auf Messers Schneide. Der Einsatz hat sich fraglos gelohnt.

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