Gisbert zu Knyphausen überzeugte bei seinem Auftritt in Heidelberg auch mit Band.

Gisbert zu Knyphausen überzeugte bei seinem Auftritt in Heidelberg auch mit Band. © Simon Fessler

Gisbert zu Knyphausen wurde vor einigen Jahren der heimischen Musikpresse zum wichtigsten Vertreter der neuen Liedermacher-Generation ausgerufen. Nach einem etwas enttäuschenden zweiten Album hat er sich von der rein akustischen Musik verabschiedet hat und absolviert seine aktuelle Tour gemeinsam mit einer Begleitband. Man durfte gespannt sein, ob die Neuerfindung gelingt, aber Gisbert zu Knyphausen zeigt sich der Anforderung mühelos gewachsen und überzeugt auch mit Band.

{image}Gisbert zu Knyphausen wurde vor einigen Jahren der heimischen Musikpresse zum wichtigsten Vertreter der neuen Liedermacher-Generation ausgerufen. Der Rolling Stone beraumte gar um ihn herum ein Gipfeltreffen (u.a. mit Reinhard Mey und Tom Liwa) an und machte daraus eine große Story. Nach so vielen Vorschusslorbeeren geriet das zweite Album dann eher enttäuschend. Grund genug für Gisbert zu Knyphausen, einen Richtungswechsel vorzunehmen: Auf seiner aktuellen Tour spielt er erstmals mit einer elektrisch verstärkten Band. 

Als Support fungiert Steffen Nibbe von der Band Staring Girl, den, als er kurz nach 9 auf die Bühne kommt, nicht wenige im Publikum für den Hauptact halten. Nibbe reist ohne seine Band auf dieser Tour, erhält jedoch musikalische Unterstützung von Kryphausens Begleitmusikern. Da er genau die gleiche Art von Nu-Liedermaching betreibt und auch optisch in dieselbe Kerbe schlägt, hält sich das Missverständnis, dass dies schon der Hauptact sei, relativ lang. Das liegt auch daran, dass der Sound recht matschig ist und von den Texten nur Teilphrasen zu erkennen sind. So geht seine Selbstvorstellung etwas unter, was aber auch zur Folge hat, dass er großen Applaus für jedes Lied bekommt. Als er nach einer halben Stunde das letzte Lied ankündigt, gibt es von Seiten derer, die ihn mit Kryphausen verwechselt haben, entrüstete "Buh!"-Rufe. Die wiederholte Vorstellung und der Hinweis, dass GzK gleich käme, retten jedoch die Situation. 

{image}Nach einer Pause, in der nichts umgebaut werden muss, die wohl dramaturgischen Ursprungs zu sein scheint, kommt Gisbert zu Knyphausen  zunächst solo auf die Bühne und eröffnet sein Set mit Spieglein, Spieglein aus seinem Debütalbum. Das Publikum hängt ihm vom ersten Song an den Lippen. Mittlerweile ist auch der Sound besser, die Texte können sich gut im Bandkontext durchsetzen. Überhaupt: die Band! War ihre Begleitung während des Supports noch dezent, so rockten sie im Hauptprogramm richtig heftig ab. Ab Grau, Grau, Grau lärmen sie gar wie laute Indierocker. Es sind die besonders die Songs von zweiten Album Hurra! Hurra! So nicht, die in diesen Bandarrangements besonders überzeugen, Lieder wie Morsches Holz, die von vielen Wort für Wort mitgesungen werden. Und es sind viele da, die Halle02 ist voll, vor der Bühne ist es sehr eng – das Publikum ist durchaus homogen, es sind viele Paare zwischen Ende Zwanzig und Anfang Vierzig da, für die Gisbert offensichtlich eine Art Konsenskünstler darstellt. Um soundmäßig auch mal Ruhe einkehren zu lassen spielt er Die Erinnerung solo und akustisch, die Abwechslung wird vom Publikum dankbar angenommen. 

{image}Als Resümee des Abends lässt sich erkennen, dass Gisbert zu Knyphausen zusammen mit einer Band, die von dezenter Begleitung bis zu lauten Schrammelrock einiges an Dynamik in den Sound bringt, als Act deutlich profitiert. Die Stimmen derer, die sich beim Verlassen der Halle darüber monieren, dass er solo und akustisch doch viel besser sei, sind in der Minderheit. Es gab auch keine „Judas!“-Rufe wie bei Dylan Anno 66, sondern begeisterten Applaus für ihn und seine Band, mit der er im Sommer auf den Festivals bestimmt abräumen wird. Für den Herbst ist übrigens eine gemeinsame Platte mit Ex-Fink-Kopf Nils Koppruch geplant – auch eine vielversprechende Aussicht!

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