Nada Surf sagten der kalten Jahreszeit den Kampf an.

Nada Surf sagten der kalten Jahreszeit den Kampf an. © City Slang

Die amerikanischen Indie-Rocker Nada Surf sagten im Berliner Huxleys der kalten Jahreszeit den Kampf an. Die Devise hieß: Auftauen um jeden Preis. Mit Songs von ihrem neuen Album "The Stars Are Indifferent To Astronomy" und alten Evergreens brannten die New Yorker unter dem Jubel des Publikums ein wahres Feuerwerk an sommerlichen Melodien ab. Zumindest für zwei Stunden ging der Winter dabei in die Knie.

{image}Seit gefühlten Wochen strahlt der Berliner Himmel an diesem Sonntag erstmals wieder in klarem Blau und hinterlässt dabei die ersten zarten Frühlingsgefühle. Wer gar schon die ersten Sommergedanken hegt, der findet sich am Abend im Huxleys ein und lauscht den Klängen von New Yorks Heißluft-Export Nummer Eins, Nada Surf. Mit luftig leichten Indierock-Perlen ihres aktuellen Outputs The Stars Are Indifferent To Astronomy im Gepäck und dem San Francisco-Vierer Waters im Schlepptau, treten die Mannen um Frontmann Mathew Caws den letzten Ausläufern der kalten Jahreszeit in den Allerwertesten und sorgen zwei Stunden lang für Urlaubsstimmung bei allen Anwesenden.

Mit Waters haben sich die drei nimmermüden Summertime-Melancholiker genau die richtigen Anheizer an Bord geholt. Die Kalifornier huldigen mit ihrem kraftvollen Indierock-Pop-Lagerfeuer-Mix mindestens ebenso intensiv der warmen Jahreszeit wie der spätere Hauptact, und so kommt bereits nach den ersten drei Songs wohlig warme Stimmung auf. Sänger Van Pierszalowski verausgabt sich dabei in wilden Zuckungen und führt sein weinerliches Organ ein ums andere Mal an seine Grenzen.

Um kurz vor halb zehn ist es dann Zeit für Caws und seine langjährigen Weggefährten Daniel Lorca (Bass) und Ira Elliot (Drums). Unterstützt werden die New Yorker von Zweitgitarrist Doug Gillard und Calexico-Mitglied Martin Wenk am Keyboard, und sie legen gleich mit einem fulminanten Dreierpack los: Clear Eye Clouded Mind, Waiting For Something und Happy Kid verbinden Gegenwart und Vergangenheit und sorgen für erste Lobgesänge unter den zahlreich anwesenden Jüngern der Band.

{image}Der Sound ist warm und nahezu frei von Ecken und Kanten. Kompakt und unaufgedrängt bahnen sich die zahlreichen Hits ihren Weg in jede Ecke der Halle. Waitless, Jules And Jim, 80 Windows: Matthew Caws hat die verwöhnte Hauptstadt-Gemeinde überraschend schnell bei den Lenden. Da stört auch das permanente Stimmen der Sechssaiter zwischen den Songs nur unwesentlich. Mit Charme und einer mittlerweile fast drei Dekaden umfassenden Live-Erfahrung erstickt die Lichtgestalt an vorderster Front jedes aufkommende Gebrummel der Musik-Polizei im Publikum bereits im Keim.

Doch auch die anderen Verantwortlichen auf der Bühne tragen ihren Teil zum Gelingen des Abends bei. Daniel Lorca und Ira Elliot treiben gewohnt pumpend die Rhythmik voran, während Doug Gillard immer wieder mit beeindruckenden Solo-Parts aufwartet. Der eigentliche individuelle Höhepunkt bleibt jedoch "Gast" Martin Wenk vorbehalten. Als dieser seine Trompete hinter dem Keyboard hervorkramt, gibt es in den vorderen Reihen kein Halten mehr.

Eigentlich ist der Abend perfekt. Dennoch scheint irgendwas noch zu fehlen. Doch Matthew Caws findet auch das letzte Puzzleteil: "I'm head of the class, I'm popular, I'm a quarter back, I'm popular…" Nun sind auch die Best Of-Fans unter der Anhängerschaft glücklich und zufrieden. Draußen herrschen mittlerweile schon wieder Minusgrade, doch der Anfang ist gemacht. Der Frühling kann kommen. Nada Surf sei Dank.

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