Das Debütalbum von Frau Potz ließ sechs Jahre lang auf sich warten. Dafür knallt uns das Trio "lehnt dankend ab" gleich noch viel fester um die Ohren und bringt frischen nordischen Wind in die Punkrockszene.

Das Debütalbum von Frau Potz ließ sechs Jahre lang auf sich warten. Dafür knallt uns das Trio "lehnt dankend ab" gleich noch viel fester um die Ohren und bringt frischen nordischen Wind in die Punkrockszene. © Delikatess Tonträger

Im Herbst 2011 gab die Screamoband Escapado ihre Auflösung bekannt und ebnete damit den Weg für Frau Potz. Denn obwohl es die Punkrockband bereits seit 2006 gibt, hatte Sänger Felix mit seinem Hauptprojekt zu viel um die Ohren, um sich konsequent mit Frau Potz zu beschäftigen. Außer für ein paar Supportshows für die großen Brüder und Vorbilder Turbostaat ließ sich die Dame bestehend aus drei Herren eher selten in der Öffentlichkeit blicken. Dafür knallt uns das Trio jetzt das Debütalbum "lehnt dankend ab" gleich noch viel fester um die Ohren und bringt frischen nordischen Wind in die Punkrockszene.

{image}Frau Potz sind wütend und machen daraus auch keinen Hehl. Es ist kein Zufall, dass lehnt dankend ab klein geschrieben wurde, denn mit dem Titel rufen Felix, Jens und Hauke nicht nur die Käufer ihrer Platte zum kollektiven Nein-Sagen auf, sondern zelebrieren auch trotzig ihren eigenen Non-Konformismus. Schon der Opener Ach, Heiner zeigt, wohin es in den nächsten 37 Minuten gehen soll: Während im Hintergrund diverse Instrumente malträtiert werden, keift und schreit Sänger Felix ins Mikro und verscherzt es sich nach nur 36 Sekunden mit der Sojalatte-Fraktion aus der Hauptstadt: "Wenn wir dir zu uncool sind, studier doch in Berlin!".

Und genauso wie Frau Potz starten, geht es auch weiter: In den folgenden elf Tracks werden die Gesellschaft und Staatensysteme im Allgemeinen, aber auch Blogger oder die sogenannte "Kapuzenpolizei" – die Anti-Spaßfraktion in der letzten Reihe auf Punkkonzerten – im Speziellen kritisiert. Das alles tun Frau Potz mit schnörkellosen, geradlinigen Texten, ohne dabei geheimnisvolle Metaphern zu benutzen, wie es ihre Freunde und Vorbilder Turbostaat so gerne zu tun pflegen. Bei Frau Potz geht es um unverblümte und ungeschönte Kritik, mitten in die Fresse.

{image}Das bekommt vor allem die Riege der Musikkritiker im Song Geh, Affe, Geh! zu spüren, denn in einem kräftigen Rundumschlag wird mit allen Reviews, Notensystemen und hochgestochenen Phrasen abgerechnet: "Steckt euch eure Noten in den Arsch/ Das ist nicht mehr als Vetternwirtschaft/ nicht mehr als kalter Fraß/ den man nur aufwärmt, auskotzt und vergisst".

Tja, was bleibt einem nach solch unmissverständlichen Worten noch zu sagen? Vielleicht, dass Frau Potz mit ihrer direkten Gesellschaftskritik sicherlich wieder einige Kritiker in der Deutschpunkszene ausrufen lassen: "Haben wir das nicht schon zur Genüge, braucht das noch jemand?". Die Antwort ist eine ganz einfache: Ja, das brauchen wir, denn das Trio führt genau das weiter aus, was Bands wie Pascow oder Nein Nein Nein angefangen haben – Haudrauf-Punkrock, der nicht belehren will und den man heutzutage in Deutschland leider doch viel zu oft vermisst. Und genau deshalb, wenn auch gegen den Willen der Band:

Wertung: ++++½ (von +++++)

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