Will mit ihrem neuen Album weiter durchstarten: Lana Del Rey.

Will mit ihrem neuen Album weiter durchstarten: Lana Del Rey. © Nicole Nodland

Lana Del Rey gewann mit "Video Games" eine große Schar neuer Fans und zog die Kritiker auf ihre Seite. Kann das am 27. Januar veröffentlichte Album "Born To Die" (Label: Vertigo/Universal) mithalten?

{image}Lana Del Rey (bürgerlich Elizabeth Grant) hatte nach ihrem von der Kritik wohlwollend besprochenen Debütalbum, das allerdings kein großer Verkaufserfolg war, einen neuen Song, für den sie das Video selbst produziert hatte – so berichtet man zumindest überwiegend, auch wenn die D.I.Y.-Story von manchen Autoren in Zweifel gezogen wird. Das Lied jedenfalls, eine dezent orchestral unterstützte ruhige Pianoballade, für die Aimee Mann wohl zu töten bereit gewesen wäre, ist eigentlich viel zu gut, viel zu lang und viel zu wenig zeitgeistig produziert, um zum Hit, zum Massenphänomen zu werden. Und doch geschieht so etwas wie ein Wunder: Das Video wird auf youTube über 23 Millionen Mal angeschaut. Interessanterweise ist es vor allem der deutsche Markt, auf dem Lana Del Rey mit Video Games einschlägt. Die Single wird #1 der Charts und erreicht in kürzester Zeit "Platin"-Status. So waren die Erwartungen an ihr neues Album Born To Die hoch. Nun liegt es vor und es scheint, als hätte es das Potential zum großen Konsens-Popalbum des Jahres 2012.

{image}Das Album beginnt stark: Der Titeltrack Born To Die dient als stilistische Blaupause für die gesamte Platte, die insgesamt nicht durch Vielfältigkeit besticht. Die Beats sind dezent, Streicher sind omnipräsent, Samples mit Zwischenrufen tauchen beinahe etwas zu oft auf, Gitarren spielen nur eine untergeordnete Rolle, der Rockfaktor liegt bei 0%. Dass diese Musik trotzdem auch Hörer anspricht, die sich sonst keine Platte ohne harte Gitarren auflegen würden, dieses Geheimnis liegt in der Stimme und den Songs. Lana Del Rey überzeugt in allen Stimmlagen, ob sie nun bei Off To The Races in höhere Lagen geht oder wie bei den meisten Songs eher tief singt und dabei viel reifer klingt als sie tatsächlich ist. Die erste Seite der LP (bzw. die ersten sechs Lieder der CD) ist die musikalisch abwechslungsreichere Hälfte. Bei Diet Mountain Dew tanzt das Piano so ausladend über die Töne, dass man sich an Mike Garson erinnert fühlt, der in den 70ern und später bei David Bowie für die elegischen Parts zuständig war. Das folgende National Anthem sticht als rhythmischstes Stück der Platte heraus.

{image}Mit dem siebten Lied beginnt die ruhigere, jedoch nicht weniger gute Seite der LP. Während die Musik keine neuen Akzente setzt, lohnt sich jedoch ein Blick auf die Texte. Ob nun die Abrechnung mit einem überschätzten Liebhaber in Million Dollar Man, die auch wieder an Aimee Mann erinnern lässt, oder der Beschreibung einer Alkoholikerin (Carmen): Del Reys Beobachtungen sind präzise und ihr Gesang packend. Faszinierend ist auch der Kontrast zwischen der Musik und dem Coverfoto, das die Künstlerlin beinahe schaufensterpuppenartig in die Kamera blicken lässt – kalt, unnahbar, leblos. Aber eben auch ikonenhaft.

Käufer der Deluxe Edition von Born To Die erhalten noch drei Bonustracks, die teilweise den Stil der zweiten Hälfte des Albums fortführen. Einzig der Song Lolita kommt wieder etwas wilder daher. Wer von Lana Del Rey noch nicht genug bekommen hat, wird sich über die Zugabe freuen – essentiell sind diese Nummern allerdings nicht. Sie aus der Auswahl für das eigentliche Album herauszulassen war sicherlich eine richtige Entscheidung. Born To Die mag für sich genommen kein absolutes Meisterwerk sein. Es hat jedoch alles, um ein echtes Erfolgsalbum für die 25-jährige Sängerin zu werden.

Wertung: ++++ (von +++++)

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