William Fitzsimmons hat mit "Gold In The Shadows" sein mittlerweile fünftes Studioalbum veröffentlicht. Damit tourt er aktuell durch Deutschland.

William Fitzsimmons hat mit "Gold In The Shadows" sein mittlerweile fünftes Studioalbum veröffentlicht. Damit tourt er aktuell durch Deutschland. © Daniel Nagel

William Fitzsimmons verzauberte mit seinen traurigen und doch tröstlichen Liedern das vornehmlich junge Publikum im ausverkauften Heidelberger Karlstorbahnhof.

{image}Im rappelvollen Karlstorbahnhof drängen sich Zuschauer jeden Alters, vornehmlich aber erstaunlich viele Jugendliche. Es ist als hätte ein Teil einer ganzen Generation durch William Fitzsimmons gelernt, dass man auch mit leiser Musik eine gewaltige musikalische Wirkung erzielen kann. Und nun stehen sie vor der Bühne und lauschen andächtig dem glatzköpfigen, bärtigen Mann, der seine sehr persönlichen, traurigen, manchmal tragischen Lieder vorträgt. Es ist so still, dass jedes Klicken der Kamera ein schlechtes Gewissen hervorruft. Kaum einer der Zuschauer verlässt den Saal vor Ende des fast zweistündigen Konzerts kurz vor Mitternacht.

William Fitzsimmons benötigt eigentlich keine Band, seine Bühnenpräsenz erlaubt ihm mühelos, eine ausverkaufte Halle wie den Heidelberger Karlstorbahnhof in seinen Bann zu ziehen. Seine intensive, sanfte Stimme, die manchmal kaum über ein flüsterndes Singen hinausgeht, besitzt offenkundig eine beruhigende, ja tröstende Wirkung. Dieses Paradox setzt sich in seinen Liedern fort, die stilistisch sehr ähnlich sind, aber gleichzeitig nie austauschbar oder langweilig wirken. Es ist faszinierend zu erleben, wie diese sehr ruhige, sehr langsame Musik, die nur gelegentliche Steigerungen erlebt, eine so durchdringende Wirkung entfaltet.

Seine Band, Slow Runner, die auch das nur gelegentlich überzeugende Vorprogramm bestreitet, spielt im Verlauf des Konzerts nur eine Nebenrolle. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich wie von selbst ganz auf den Sänger, während die Band die Lieder nur ausschmückt, nicht substantiell bereichert.

{image}Obwohl Fitzsimmons selbst scherzt, dass viele seiner Lieder einander so ähnlich seien, heben sie sich doch aufgrund ihrer schieren Qualität voneinander ab. Beautiful Girl, Everything Has Changed, Afterall und das auf Zuruf gespielte When We Were Young besitzen eine angesichts ihres langsamen Tempos fast unheimliche Wirkung und lösen unter den Zuschauern wilde Begeisterung aus. Fitzsimmons spielt auch zwei Coverversionen, einmal The Smiths' Please Please Let Me Get What I Want, das ganz wie eines seiner Lieder klingt, und eine fantastische A-Capella-Version von Rosi Galons Can't Let Go – der perfekte, spektakuläre Abschluss des regulären Sets.

Auf keinen Fall darf man sich das Konzert als kollektive Therapiesitzung vorstellen. William Fitzsimmons ist kein selbstmitleidiger Trauerkloß, sondern unterhält sein Publikum zwischen den Songs mit seinem beißend-ironischen Humor. So erzählt er, nach Zählung seines Tourmanagers seien nicht weniger als siebenundzwanzig Mädchen auf dieser Tour während seiner Konzerte zusammengeklappt. Er wollte nur sichergehen, dass es allen gut gehe. Im nächsten Augenblick fügt er hinzu, er bitte darum, über weitere Ohnmachtsanfälle unterrichtet zu werden, denn die Liste müsse ja korrekt weitergeführt werden. Sein Ziel sei es, bis zum Ende der Tour die Zahl fünfzig zu erreichen. Die Halle tobt vor Lachen – es ist nicht das einzige Mal.

Kurz gesagt: Es war ein wunderbarer Abend, voller eigenwilliger Kontraste und durchdrungen von einer intensiven, tröstlichen Schönheit. Bevor er sich verabschiedet, verspricht Fitzsimmons, dass er zurückkommen wird in die Stadt am Neckar, in der er so viele Fans hat. Beim nächsten Mal dann vermutlich in der Stadthalle.

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