Schon die einfallsreichen Plakate vom City Slang Christmas Ball deuteten einen besonderen Abend an. Trotzdem wirkte der Saal im Lido nicht so voll, wie er ansonsten sein kann.

Schon die einfallsreichen Plakate vom City Slang Christmas Ball deuteten einen besonderen Abend an. Trotzdem wirkte der Saal im Lido nicht so voll, wie er ansonsten sein kann. © City Slang

Seit Jahren ist das Berliner Label City Slang der Inbegriff guter Musik. Der Plattenfirma haben wir den europäischen Vertrieb großer Bands wie Arcade Fire oder Nada Surf zu verdanken und den Erfolg hörenswerter Newcomer wie Wye Oak oder Waters. Am Montag lud City Slang zu seiner großen Weihnachtsfeier ins Kreuzberger Lido und lockte mit einem vielversprechenden Abendprogramm. Mit dabei waren die Fruit Bats, Dear Reader-Sängerin Cherilyn MacNeil, Nada Surf-Frontman Matthew Caws und Label-Neuzugang Dan Mangan.

{image}Ein straffes Programm hat sich das Festkomitee des City Slang Christmas Balls für diesen Abend ausgedacht. Vier Bands in weniger als vier Stunden sollen nacheinander die Bühne betreten. Weiterhin wurde im Vorfeld zudem angekündigt, dass es einen kleinen Gastauftritt des Lambchop-Masterminds Kurt Wagner geben soll. Nicht nur deshalb sind viele der Einladung des Labels gefolgt. Ausverkauft soll das Lido an diesem Abend sein. Allerdings wirkt der Saal längst nicht so voll, wie er ansonsten sein kann. Das mag daran liegen, dass das Publikum sich wohl überwiegend aus geladenen Gästen zusammensetzt, von denen sich manche auch gegen einen Besuch des Mini-Festivals entschieden haben. Den Anwesenden ist das egal. So haben sie mehr Platz, um sich das erstklassige Line-Up des heutigen Abends anzusehen.

{image}Den Anfang macht an diesem Abend die amerikanische Folk-Rock Band Fruit Bats, die als Einzige nicht zum City Slang-Fundus gehört. Sie unterhält die langsam aber sicher eintreffenden Zuschauer mit ihren melodiösen Rocksongs und erhält dafür freundlichen Applaus. Ein wenig feierliche Stimmung kommt direkt beim Blick auf die Bühne auf, die mit ein paar Lichterketten festlich in Szene gesetzt ist. Durch und durch weihnachtlich wird es dann beim nächsten Act des Abends, der Dear Reader-Sängerin Cherilyn MacNeil. Sie kommt allein mit Gitarre und einer zweiten weiblichen Stimme bewaffnet auf die Bühne und beglückt das Publikum mit klassischen Weihnachtsliedern. Zunächst wirkt die ganze Szenerie sehr kitschig, doch Cherilyn MacNeil schafft es, sogar Wham!s Last Christmas mit ihrer sanften Stimme eine gewisse Erträglichkeit zu verleihen. Großen Jubel gibt es dann, als ihre weibliche Begleitung von Lambchop-Frontmann Kurt Wagner abgelöst wird. Dessen tiefe Stimme harmoniert perfekt mit der MacNeils und als die beiden zusammen Santa Claus is Coming To Town darbieten, dürfte selbst dem letzten Weihnachtsverachter ein wenig warm ums Herz geworden sein.

Weiter geht es dann sogleich mit Matthew Caws, den man normalerweise bei seiner legendären Band Nada Surf am Mikrofon findet. Die Songs von Nada Surf gibt es heute Abend von Caws allein mit akustischer Gitarre zu hören. Den größten Jubel gibt es beim Klassiker Always Love, den größten Lacher als der Sänger zugibt, schon einiges getrunken zu haben und er sich sogleich bei seinem letzten Song Blankest Year verhaspelt. Dies bringt ihm aber eher zusätzliche Sympathien ein, besonders als er seine Getränkebons an die vorderen Reihen verteilt, damit das Publikum möglichst schnell promillemäßig zu ihm aufschließen kann. Ein besonderes Weihnachtsgeschenk hat er auch mitgebracht, nämlich einige Songs vom neuen Nada Surf-Album, das im Januar erscheinen soll.

{image}Für das große Finale ist an diesem Abend der City Slang-Neuzugang Dan Mangan zuständig. Der sympathische Kanadier aus Vancouver ist mit klassisch besetzter Band angereist und veröffentlichte vor Kurzem sein insgesamt drittes Album Oh Fortune, das sowohl in Nordamerika als auch diesseits des Atlantiks von den Kritikern gefeiert wurde. Es scheint auch ein Bisschen so, als ob der Großteil der Zuschauer seinetwegen gekommen ist. Dan Mangan und seine Band zeigen sogleich auch, warum seine Konzerte so ein besonderes Erlebnis sind. Er schafft es, mit seiner freundlichen, nahen Art auf jedes Gesicht in der Menge ein Lächeln zu zaubern. Wenn er mit seiner rauen Stimme seine großartigen Songs wie Basket oder Rows of Houses singt, hat man das Gefühl, dass er jeden Ton fühlt und von ganz weit unten holt. So erreicht er sehr schnell, dass auch das Publikum zum Singen bereit ist und in seinen Song Robots fröhlich mit einsteigt. Für die letzte Zugabe fällt schließlich auch die allerletzte Barriere, denn Dan Mangan und seine Band packen kurzerhand Instrumente und Mikrofone ein und ziehen ins Publikum um. Gemeinsam stehen alle Anwesenden um ihn, der auf einem Stuhl sitzt, herum und unterstützen sein So Much for Everyone in einer harmonischen Stimmung. Ein schöner, gemeinschaftlicher Moment. Und ein schöner Abschluss für diesen schönen Musikabend. So kann man gut Weihnachten feiern.

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