Die Foals aus Oxford sollten spätestens seit ihrem Debüt "Antidotes" auf dem Schirm eines jeden stehen, der sich für anspruchsvolleren Indie interessiert.

Die Foals aus Oxford sollten spätestens seit ihrem Debüt "Antidotes" auf dem Schirm eines jeden stehen, der sich für anspruchsvolleren Indie interessiert. © Foals

Tags darauf waren sie selbst der Support, doch am 3. Dezember traten die Foals als Headliner auf. Der Gig im Heimathafen in Neukölln war die Generalprobe des Quintetts vor ihrer Support-Tour für die Red Hot Chillie Peppers. Als Kulisse hatte sich die Band aus Oxford mit dem Heimathafen ein Venue ausgesucht, das mit seiner neobarocken Bauweise einen passenden Hintergrund für die verspielten Songs abgab. Support war der Produzent und DJ Kid606.

{image}Der Produzent aus San Francisco mit venezolanischen Wurzeln deckt auf seinen zwölf Alben verschiedenste Stile der elektronischen Musik ab, die sich jenseits des Mainstreams von Techno, Minimal und Co bewegen. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von minimalistischen Glitch-Produktionen, über IDM bis hin zu brachialen Breakcore-Tracks à la Otto von Schirach. Dem vornehmlich jungen Indie-Publikum blieben Hardcore-Eskapaden in die zerstörerischen Tiefen der elektronischen Musik jedoch erspart. Miguel Trost de Pedro, so sein bürgerlicher Name, konzentrierte sich mehr auf breite Soundflächen und Big-Beat, wie man ihn von den Chemical Brothers kennt. Zwar ließen sich im Laufe des Sets immer wieder Momente erkennen, in denen die das Flächige spielend in gebrochene Harcore-Beats zerrissen hätte werden könne, de Pedro gab der Versuchung aber nicht nach und beendete das Set ohne größere Überraschungen.

{image}Nach einem etwa einstündigen Set, das aufgrund der fehlenden Höhepunkte gegen Ende etwas fad wirkte, war die Reihe an der Band aus Oxford. Mit den beiden Alben Antidotes und Total Live Forever aus den Jahren 2008 und 2010 traten die fünf Engländer in die ausgetretenen Pfade von Dance-Punk- und Indie-Acts wie LCD Soundsystem, The Rapture und Konsorten. Was die Foals davor bewahrte, in der Masse an Bands, die diese Wege beschritten, unterzugehen, waren die Math-Elemente, die sie in ihr Songwriting einbinden sowie die extreme Tanzbarkeit ihrer Stücke. Fast alles Foals-Songs lassen sich problemlos als Clubnummern spielen, die einer James-Murphy-Komposition in nichts nachstehen. Da beide Alben aber sehr distinguiert produziert sind und den einzelnen Instrumenten Raum für feingliedrige Spielereien lassen, stellt sich immer die Frage, wie diese Elemente unter Livebedingungen zur Geltung gebracht werden können.

{image}Was nach den ersten Akkorden zuerst auffiel, war das dramatisch nach vorne drängende Schlagzeug. Während des gesamten Konzerts bildete Drummer Jack Bevan das Rückgrat der Songs, dass die gegen Ende der ersten Hälfte des Gigs ins jammende abwandernden Bandmitglieder zusammenhielt. Denn die zu Beginn noch relativ albumgetreuen Songs wurden zur Mitte des Konzerts hin zunehmend freier interpretiert und faserten gerade gegen Ende der Stücke ineinander über. Umso überraschender kam dann der Bruch durch einen der ausgefeiltesten Songs der Foals, Spanish Sahara. Die ins ambienthafte driftende Ballade wurde dann plötzlich wieder so originalgetreu wie möglich gespielt. Die zweite Hälfte des Sets war wieder von den tanzbaren Stücken beider Alben dominiert, die teilweise variiert, teilweise original gespielt wurden. Kurz vor Ende der Show schwang sich Sänger Yannis Philippakis dann noch auf die Empore des Heimathafens und bescherte den VIPs auf den besseren Plätzen die Story des Wochenendes, bevor das Konzert nach einer ausführlichen Zugabe zu Ende ging.

Auch wenn Kid606 etwas hinter seinen Fähigkeiten zurückblieb, der Sound der Hauptband zwischenzeitlich unausgewogen abgemischt war und selbige zuvor wohl ausgiebig dem Rum gefrönt hatte, überzeugten beide Acts vollkommen. Die Foals lieferten ein Set ab, dass sich auf der kommenden Support-Tour für die Chillie Peppers nicht hinter dem Headliner verstecken muss.

Alles zum Thema:

foals

Das könnte Sie auch interessieren