Der spät zu Ruhm gekommene Soul-Sänger Charles Bradley begeistert das Publikum im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus mit einer feurigen und leidenschaftlichen Show, die an längst vergangene Zeiten erinnert. Fotostrecke starten

Der spät zu Ruhm gekommene Soul-Sänger Charles Bradley begeistert das Publikum im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus mit einer feurigen und leidenschaftlichen Show, die an längst vergangene Zeiten erinnert. © Adonis Malamos

Der spät zu Ruhm gekommene Soul-Sänger Charles Bradley begeistert das Publikum im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus mit einer feurigen und leidenschaftlichen Show, die an längst vergangene Zeiten erinnert.

{image}Die Lebensgeschichte des Charles Bradley ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Nach einem Leben voller Tragik, Fehlschläge und Entbehrungen steht der 1948 geborene Soul-Sänger endlich dort, wo er immer stehen wollte: auf einer Bühne vor enthusiastischem Publikum. Und Bradley ist entschlossen, diesen Augenblick so intensiv wie möglich auszukosten. "The screaming eagle of soul", wie er genannt werden will, schreit mit höchster Leidenschaft, schmachtet zärtlich, wirft sich auf die Knie, tänzelt auf der Bühne und flirtet mit den Damen im Publikum. Charles Bradley ist ein geborener Entertainer und man kann erkennen, dass nur ein außerordentlich widriges Schicksal ihn davon abgehalten hat, ein großer Soulstar zu werden – so wie Otis Redding, Sam Cooke oder James Brown. Letzterer war Bradleys großes Vorbild, er sah ihn live als Jugendlicher bei einem seiner legendären Auftritte im Apollo-Theater in Harlem. Viele stage-moves hat er sich bei ihm abgeschaut – aber welcher Dreiundsechzigjährige ist schon in der Lage, sich wie James Brown zu bewegen?

{image}Wirkliche Klasse gewinnt das Konzert aber durch die inspirierte Aufführung der Songs, die Charles Bradley geschrieben hat. Seine Soul-Musik ist Liebens- und Leidensmusik, und selten war Leiden greifbarer als im persönlichen Drama von Heartaches & Pain oder im selbsterklärenden Why Is It So Hard (To Make In America)? Bradley scheut auch nicht vor politischen Statements zurück: So kritisiert er in Golden Rule den Gefängsniswahnsinn der USA und setzt die christliche Botschaft der Liebe dagegen. No Time For Dreaming klingt hingegen mit seiner entschlossenen Botschaft ("gotta get on up, gotta do your thing") wie eine vergessene Hymne.

{image}Charles Bradley singt mit größter Ausdrucksstärke, seine Stimme ist trotz seines Alters ausdrucksstark und klar. Wenn man den Youtube-Mitschnitten trauen kann, dann ist seine neue Band – die Extraordinaires – weniger glatt und geschmeidig als die Menahan Street Band, mit der er sein Debütalbum No Time For Dreaming aufgenommen hat. Der raue, harte Soul der ausschließlich männlichen und weißen Band, die aus Trompeter, Saxophonist, Schlagzeuger, Bassist, Gitarrist und Organist besteht, folgt den klassischen Mustern der Soulmusik, wirkt aber nie wie eine bloße Imitation, sondern überzeugt durch ihren ungekünzelten, kompromisslosen Groove.

{image}Das Publikum im sehr gut gefüllten Kulturzentrum dasHaus in Ludwigshafen feiert Charles Bradley mit lautstarkem Jubel. Bradley nimmt die Begeisterung sichtlich ergriffen auf und versichert dem Publikum seine Liebe und Dankbarkeit. Besonders gerührt ist er, als die Band zur Feier seines 63. Geburtstags ein Ständchen anstimmt, die Verantwortlichen ihm einen Kuchen und Blumen überreichen und das Publikum "Happy Birthday" singt. Er umarmt jedes einzelne Mitglied der Band und bedankt sich überschwänglich. Nach dem Ende des Konzerts steigt er sogar ins Publikum, lässt sich feiern, umarmen und bejubeln, so als wolle er sich die  Zuneigung holen, auf die er so oft in seinem Leben verzichten musste. Man kann nur hoffen, dass er noch lange Gelegenheit dazu hat.

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