Am Samstag, den 3. Dezember 2011 lädt regioactive.de zur Feier des 10-jährigen Jubiläums in die Alte Feuerwache in Mannheim. Headliner des Festivals ist die Berliner Band Bodi Bill. Wir trafen Fabian Fenk und Anton Feist zum Interview.

Am Samstag, den 3. Dezember 2011 lädt regioactive.de zur Feier des 10-jährigen Jubiläums in die Alte Feuerwache in Mannheim. Headliner des Festivals ist die Berliner Band Bodi Bill. Wir trafen Fabian Fenk und Anton Feist zum Interview. © Naivsuper

Am Samstag, den 3. Dezember 2011 lädt regioactive.de zur Feier des 10-jährigen Jubiläums unseres Online-Portals in die Alte Feuerwache in Mannheim. Wir werden's richtig krachen lassen und uns gemeinsam mit euch auf die nächste Dekade einstimmen. Headliner des Festivals ist die Berliner Band Bodi Bill. Wir trafen zwei von drei Bodi Bills zum Interview und sprachen mit Fabian Fenk und Anton Feist über DIY-Maßnahmen, Jugendlieben und auswärtige Begeisterung.

{image}Wer es als Berliner Band schafft, dem hauptstädtischen Überangebot an Konzert-Highlights zu trotzen und mal eben das 500-Mann-fassende Lido an vier aufeinanderfolgenden Abenden auszuverkaufen, der darf sich ohne Zweifel auf die eigenen Schultern klopfen. Für Bodi Bill war es ein durchaus erfolgreiches Jahr. Das Electro-Pop-Trio aus der Spree-Metropole glänzte aber nicht nur vor der eigenen Haustür. Auch das Ausland verzehrt sich mittlerweile nach dem innovativen Sound des Dreiers. Im Dezember ist die Band erneut auf Tour – am 3.12. kann und sollte man sie live bei ZEHN in Mannheim erleben.

regioactive.de: Im März kam euer drittes Album What? auf den Markt, gefolgt von einer beeindruckenden Tour und fulminanten Festival-Auftritten. Wie ist denn momentan die Gemütslage?

Fabian: Wir sind schon sehr zufrieden, keine Frage. Vor allem live haben wir in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorne machen können, was für uns eigentlich etwas überraschend kam, da das Album nicht sonderlich viel Presse genoss.

{image}Wie erklärt ihr euch den Zuspruch?

Fabian: Bei uns lief, ehrlich gesagt, noch nie so sonderlich viel über die Presse. Es hat sich über die Jahre eher so eine Art Mund-Zu-Mund-Dynamik unter den Fans entwickelt. Natürlich spielt sich auch noch einiges in den Blogs ab. Wir sehen uns selbst auch mehr als Live-Band.

Anton: Ich denke, wenn du live überzeugst, dann spricht sich das auch schneller rum, als wenn irgendwer dein Album toll findet – was natürlich auch gut ist, aber nicht diesen Sog an Aufmerksamkeit nach sich zieht.

Fabian: Aber auch live muss man nochmals unterscheiden zwischen Tour und Festivals. Auf Tour hast du alle Zeit der Welt, die Leute kennen dich, und in der Regel spielt sich irgendwann alles ein. Bei einem Festival zählt nur der Moment. Die Leute kommen wegen aller möglichen Bands, und du hast nur diesen einen Auftritt, um die Zuschauer zu überzeugen. Man ist da ziemlich auf sich allein gestellt. Entweder, du rufst dann alles ab und hinterlässt Eindruck, oder am nächsten Tag wissen die Leute schon gar nicht mehr, dass du überhaupt dabei warst. Das mit dem Eindruck ist uns, gerade in diesem Jahr, ziemlich gut gelungen.

{image}Allein auf sich gestellt ist man als Band in der Regel vor allem zu Beginn der Karriere. Wie sah das bei euch aus?

Anton: Also bei uns ist gerade im ersten Jahr ziemlich wenig passiert. Gerade als Electro-Act formt sich das Ganze erst mit der ersten Veröffentlichung. Erst dann setzt du dich damit auseinander, wie man das Material live umsetzt, und so entsteht dann der Band-Gedanke. Wir hatten keine großen Kontakte oder ähnliches. Letztlich haben wir intuitiv gearbeitet. Ich denke, dass das auch wichtig ist. Wenn du wirklich etwas erreichen willst, solltest du mittelfristig denken und planen. Wenn du dich zu schnell verrückt machst, wie du bekannt werden kannst oder einen Hit schreibst, dann bist du meist genauso schnell wieder weg vom Fenster.

Fabian: Vielleicht gehen andere Bands andere Wege, aber für uns war damals ganz klar, dass wir das Ganze reifen lassen wollten. Außerdem wollten wir alles von Anfang an mitmachen und erleben. Das ist ganz wichtig gewesen für uns. Wir hatten und haben nicht diese "Berühmt, reich & sexy"-Mentalität, wo es nur darauf ankommt, so schnell wie möglich nach oben zu kommen. Da steckt noch so viel mehr dahinter. Vermeintlich banale Sachen, wie Auf- und Abbauen, Autofahren und sich einen Kopf machen, wie man alles irgendwie finanziert bekommt. Das war uns wichtig. Das erdet natürlich auch und lässt dich befreiter arbeiten. Wir haben fast alles selbst in die Hand genommen und organisiert.

Anton: Natürlich dachten wir anfangs auch, dass wir bei einem Label wie Warp wahrscheinlich am besten aufgehoben wären. Aber das war letztlich nicht unser Weg. So sollte es nicht sein, und je früher du dich mit deinen eigenen Möglichkeiten und deiner eigenen Zielsetzung auseinandersetzt, desto gesünder und hilfreicher verläuft dein Weg.

{image}Damit seid ihr bis jetzt jedenfalls gut gefahren. Jetzt steht schon die nächste Tour vor der Tür. War das schon vorher so geplant oder wolltet ihr einfach noch einen draufsetzen, nachdem es im Frühjahr so gut gelaufen ist?

Anton: Das war schon im Vorfeld so geplant. Wir sind gleich nach dem Release auf Tour gegangen und mussten erst mal schauen, wie sich das neue Material live anfühlt. Das war sozusagen eine kleine Vorab-Tour. Währenddessen haben wir gemerkt, wo es noch hakt und was man noch erweitern oder verbessern kann. Das werden wir jetzt umsetzen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Electro-Bands geht ihr live gerne auf Tuchfühlung zu euren Fans. War das schon immer so oder hat sich das mit den Jahren einfach entwickelt?

Fabian: Auch wenn man es uns vielleicht nicht anhört, aber wir sind ja mit Rockmusik aufgewachsen. Die Chili Peppers, Rage Against The Machine oder Pantera waren Bands, die uns in den Neunzigern geprägt haben. Insofern hatten wir schon immer das Verlangen danach, bei einem Konzert auch ein derartiges Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen. Natürlich hast du es da als Electro-Act schwerer, da sich die Musik halt an deinem Pult abspielt und du nicht permanent wie Phil Anselmo von einer Seite der Bühne zur anderen rennen kannst, ohne dass es keinen Einfluss auf die Musik hat. Trotzdem wollten wir den Grundgedanken dessen, was bei einem Rock-Konzert Gang und Gebe ist, in unsere Performance mit einbeziehen. Das funktioniert mittlerweile ziemlich gut, und ich denke nicht nur wir, sondern auch die Fans haben sichtlich mehr Spaß dabei, als wenn wir nur regungslos hinter unseren Pulten kleben würden.

{image}Ihr legt auch großen Wert auf die visuelle Komponente. Wie kam es eigentlich zu der Stein-Kostüm-Idee für den Song Brandnew Carpet?

Fabian: Nun, die Visuals gehören zum Paket einfach dazu. Damit geben wir unserer Musik eine Optik. Wir sind halt nicht die Typen, die einfach nur hinter ihren Reglern hocken und auf Knöpfe drücken, während wir dazu mit dem Kopf nicken. Wir brauchen diese Interaktion mit dem Publikum. Und die schaffst du natürlich auch durch prägnante Gimmicks. Wir haben uns ja bereits auf dem Cover mit Steinen beschäftigt. Du machst dir dann Gedanken und stößt einfach Türen auf. Am Ende stehst du dann im Stein-Kostüm auf der Bühne.

Sehen wir das bei ZEHN auch wieder?

Fabian: Das wissen wir noch nicht. Du musst natürlich auch aufpassen, sonst stehst du irgendwann auf derselben Ebene wie die Blues Brothers, die immer denselben Anzug tragen. Das wollen wir ja auch nicht.

{image}Mittlerweile seid ihr auch im Ausland gut unterwegs. War es euch von Anfang an wichtig auch über die Landesgrenzen hinauszublicken?

Anton: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube wir sind für den deutschen Markt auch nicht Mainstream genug, als dass sich das permanent so weiterentwickeln ließe. Da ist es schon wichtig, dass man auch im Ausland seine Fühler ausstreckt. Die Reaktionen kann man auch gar nicht miteinander vergleichen. Wir haben letztens in Bari gespielt, und die Leute dort sind echt ausgeflippt. An solchen Orten gehört unsere Musik einfach nicht zum Standardprogramm der Gemeinde und dementsprechend euphorisch geht es da dann zu. Das sind schon tolle Momente.

Auf tolle Momente freuen sich auch die Fans hierzulande wieder, wenn ihr ab Dezember auf Tour geht und am 3.12. beim regioactive.de-Festival ZEHN in der Feuerwache spielt. Kribbelt es schon?

Fabian: Klar, die Vorfreude ist natürlich groß! Wir werden musikalisch sicherlich noch einiges mehr bieten können als auf der Frühjahrs-Tour. Daran werden wir in den nächsten Wochen noch feilen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

⇒ Bodi Bill live bei ZEHN am 3.12. in Mannheim: Alle Infos zum großen regioactive.de-Jubiläumsfestival ZEHN und Tickets gibt's unter regioactive.de/zehn!

⇒ VOTING: Noch bis einschließlich dem 13.11. kannst du abstimmen, wer am 3. Dezember in der Feuerwache direkt vor Bodi Bill auftreten soll! Auch den Opener bestimmst du mit!

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