Knorkator, hier zu fünft, waren einmal die Verrückten der Republik. "Wer ließ diese Irren ins Fernsehen?", fragte die BILD nach ihrem Auftritt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest.

Knorkator, hier zu fünft, waren einmal die Verrückten der Republik. "Wer ließ diese Irren ins Fernsehen?", fragte die BILD nach ihrem Auftritt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest.

Knorkators aktuelle Tour soll wieder an alte Zeiten anknüpfen: 2008 hatte sich die Band um Stumpen, Alf Ator und Buzz Dee aufgelöst, in diesem Jahr kam man wieder auf die Bühne zurück. Auf ihrem Konzert in der Halle02 in Heidelberg stellten die Berliner deshalb nicht nur Songs aus ihrem neuen Album vor, sondern spielten auch altes Material. Nach knapp zwei Stunden Konzert zeigte sich die Einfallslosigkeit der Band.

{image}"Fun Metal" ist seit jeher kein Musikgenre, sondern eine Beleidigung. Den Beweis dafür erbringt die Band J.B.O., der wichtigste Vertreter des Genres, mit jedem neuen Album: Wer über die stumpfen und zwanghaft witzigen Texte der Erlanger lacht, geht dafür meistens tief in den Keller. Was sich da als komisch-anarchistisch darstellt, ist in Wahrheit vollkommen im System integriert und spielt auf derselben Klaviatur wie Florian Silbereisen. Nur mit mehr Liedern über das Trinken. Knorkator sind seit Beginn ihrer Karriere vollkommen anders. Rio Reiser nahm sie als Vorband mit auf seine letzte Tournee und mit ihrem Auftritt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest schockierten sie die BILD-Zeitung: "Wer ließ diese Irren ins Fernsehen?" Schön war's. In den kleinsten Kneipen sangen sie über homosexuelle Beziehungen zum eigenen Klon, die Freuden eines Einsiedlers, der sich quer durch die gesamte Erde gräbt und dass wir irgendwann einmal alle sterben werden.

{image}Mit den Jahren ging es bei den Berlinern aber wieder bergab, die preußische Herkunft schützte nicht vor rheinischem Frohsinn: Mit jeder Veröffentlichung schlichen sich ein paar langweilige Songs ein, die das Etikett "Fun Metal" gerne trugen. Als man dann 2008 Schluss machte und sich auf große Abschiedstournee begab, hatten Knorkator gerade noch so die Kurve gekriegt, bevor es peinlich wurde. Dachte man jedenfalls, denn Ende 2010 kündigte Sänger Stumpen in seinem Blog die Rückkehr an, im September diesen Jahres erschien das neue Album Es werde Nicht. Und die Unkenrufe hatten sich bewahrheitet, Knorkator hatten die Seiten gewechselt. Der Witz des alten Materials war verloren, die Anarchie hatte man in den drei Jahren Pause links liegen gelassen. Dafür benutzte die Band jetzt ausgelutschte Wortspiele in angestrengt klingenden Texten. Den Gipfel bilden dabei nicht einmal die zwei strunzdummen Kinderlieder, die sich auf die Platte geschlichen hatten. Sie waren einfach nur einfallslos. Zum Ungetüm "Fun Metal" passt das vollkommen witzlose Refräng weitaus besser, das den Aufbau eines Liedes beschreibt, während das Lied gespielt wird. Wie auf der Witzeseite der örtlichen Schülerzeitung.

{image}Knorkators Einfallslosigkeit zeigte sich auch auf dem Konzert in der Heidelberger Halle02, denn im Prinzip war die Show nichts anderes als eine Light-Version der letzten Auftritte von 2008. Wieder spielte man Huckepack-Pogo, wieder warf das Publikum Geld auf die Bühne, wieder hatte Alf Ator ein paar Instrumente dabei, die nicht richtig angeschlossen schienen und auf denen er nur der Show halber rumprügelte. Die Setliste des Abends glich ebenfalls fast der der Abschiedstournee, sieht man vom neuen Material einmal ab: Der ultimative Mann, Weg nach unten, Ich lass mich klonen, Buchstabe, und so weiter. Wer also heute wissen will, wie ein aktuelles Knorkator-Konzert abläuft, muss einfach nur drei Jahre alte Berichte lesen. Das war für Nostalgiker zwar ganz nett, fühlte man sich doch in das schöne Jahr 2008 zurückversetzt, in dem zig Länder zwar auch schon pleite waren, es aber noch niemand wissen wollte. Auch wer die Band bisher noch nie gesehen hatte, verbrachte einen netten Abend. Mit der alten Anarchie "Deutschlands meister Band der Welt" aus früheren Tagen hatte das aber wenig zu tun. Da war RTLs Comedy-Schlachtschiff "7 Tage 7 Köpfe" in seinen dunkelsten Zeiten aufrührerischer. Weshalb sich am Ende des Konzerts in Heidelberg eigentlich auch nur eine Frage stellte: Braucht das überhaupt irgendjemand?

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