Feist

Feist © Mary Rozzi

Nach einer langen Auszeit meldet sich die Kanadierin Leslie Feist mit einem neuen Album zurück. Der Nachfolger zu "The Reminder" heißt "Metals", ist am 30. September erschienen und hinterlässt einen reiferen, nachdenklicheren Eindruck. Auch dieses Mal waren Chilly Gonzales und Mocky an der Entstehung beteiligt, die gemeinsam mit Feist, Peaches und Jamie Lidell die Avantgarde der kanadischen Indieszene bilden.

{image}Seit dem 30. September ist Metals erhältlich, der Nachfolger zu The Reminder und das vierte Album der Kanadierin Leslie Feist. Während der Vorgänger eine klassische Studioproduktion war und auch entsprechend klang, begab sich Feist für die Aufnahmen von Metals in ein alleinstehendes Haus im Big Sur in Kalifornien, wo ein riesiges, leeres Zimmer als Studio diente. In knappen drei Wochen wurden hier die Songs eingespielt, die in den drei Monaten zuvor wieder in gemeinsamer Arbeit mit Chilly Gonzales und Mocky entstanden. Gemeinsam mit den beiden Kanadiern und dem Keyboarder Brian LeBarton setzten sich die verschiedenen Arangements dann zu dem zusammen, was jetzt unter dem Titel Metals in den Plattenregalen steht.

{image}Feist veröffentlichte mit The Reminder vor vier Jahren ein Album, das weit über seine eigenen Genregrenzen hinaus wirkte. Boys Noize diente My Moon My Man als Blaupause für das Zugpferd seines Debütalbums und auch James Blake verdankt zumindest einen Teil seines Erfolgs der Coverversion von Limit To Your Love. Die Krone der kommerziellen Anerkennung folgte dann mit der Verwendung von 1234 im Werbespot einer bekannten Lifestylefirma, die unter anderem MP3-Player herstellt. Dass am Ursprung dieser Songs dennoch eine Künstlerin steht, die keineswegs zum kanadischen Mainstream gehört, wird auf dem neuen Album nun umso deutlicher. Sie verkörpert gemeinsam mit Chilly Gonzales, Mocky und einigen anderen die treibende Kraft hinter der innovativen und undergroundigen kanadischen Indieszene, sei es solo, im Rahmen der "White Gloves"-Tour mit Gonzales, Mocky und Jamie Lidell oder als Mitglied von Broken Social Scene.

Im Gegensatz zu The Reminder, das sich durch eine klare und saubere Produktion auszeichnet, ist auf dem neuen Album das Umfeld der Musiker in Form des Hauses und des Zimmers, in dem die Songs aufgenommen wurden, präsent: Die Instrumente erhalten eine klangliche Tiefe, die über das Eindimensionale einer Studioaufnahme weit hinausgeht. Entsprechend rau und ungefiltert wirken die Songs. Dabei rückt Leslie Feists Stimme weiter in den Vordergrund und wird von den Instrumenten eher unterstrichen, denn eingebunden. Zieht sich dieses Gewebe aus Klavier, Schlagzeug, Percussions und Gitarre wie bei Get It Right, Get It Wrong zurück, tritt plötzlich der Raum selbst als definierendes Element in das Bewusstsein des Hörers. Die Stimmen der Instrumente sind nicht mehr körperlos und allgegenwärtig, sondern erhalten durch das Zimmer, das sie hörbar machen, selbst Präsenz in Form einer Quelle. Der Klang definiert einen Raum und dieser gibt der Musik einen Ursprung. So rückt das Album ein ganzes Stück näher an den Hörer heran und er fühlt sich regelrecht in das Haus am Big Sur versetzt.

The Reminder war ein Album, das musikalisch leichtfüßig, fröhlich, bei Songs wie I Feel It All fast euphorisch daherkam. Die Texte waren persönlich, ohne auf eine intime Ebene durchzudringen, da sie zwar erzählten, aber zu keinem Dialog aufforderten. Metals dagegen erzählt selten, vielmehr beschreibt es. Dabei verschwindet das Unbeschwerte und Freie des Vorgängers zugunsten einer Intensität und Reflektiertheit, die in How Come You Never Go There schleppend, in A Commotion nervös, fast bedrohlich wird. Die Texte wirken allgemeiner und beziehen sich nicht so sehr auf die Autorin selbst, denn auf Begebenheiten, Orte und Umstände, ohne sich dabei jedoch in Beliebigkeit zu verlieren. So vollführt Feist einen Rückzug ihrer Person aus den Texten, der Spielraum für den Hörer und seine Interpretation lässt. Dieser Effekt wird durch die Tiefe und Lebendigkeit der Instrumente noch verstärkt, deren akustisches Bild des Hauses im Big Sur den Hörer geradezu in seine Welt hineinzieht und ihn mitten in der vielstimmigen Runde platzieren.

Wertung: ++++ (von +++++)

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