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Jools Holland & Louise Marshall (Alte Feuerwache, Mannheim, 30.9.2011) © Daniel Nagel

Der englische Musiker und Entertainer Jools Holland begeisterte mit seinem Konzert in Mannheim das Publikum. Nur einer der Gäste wollte nicht so recht in das Konzept der Show passen.

Jools Holland ist ein Star, den jeder kennt – in Großbritannien. Seine Show Later...With Jools Holland läuft seit fast 30 Jahren auf BBC Two und zählt inzwischen zu den Klassikern des englischen Fernsehprogramms. Wer Jools Holland in Deutschland sehen will, kann entweder zdf.kultur einschalten, das Later... hierzulande ausstrahlt, oder ein Konzert im Rahmen seiner Tournee besuchen, mit der er am Freitag in der Alten Feuerwache in Mannheim gastierte. Dunkler Anzug und Lackschuhe signalisieren dem Publikum sogleich Hollands Liebe für frühen Rock'n'Roll, Blues und Soul.

Begleitet von Dave Swift am Bass und Schlagzeuger Gibson Lavis, eröffnet Jools Holland das Konzert am Klavier mit einer lebhaften Interpretation von Elmore James' Stranger Blues. Sein Boogie-Woogie-Klavier reißt das Publikum sogleich mit – und Holland hat leichtes Spiel, die Zuschauer im weiteren Verlauf zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Dennoch hält sich Holland meistens dezent im Hintergrund und überlässt seinen zahlreichen Gaststars das Mikrophon.

So erhält Backgroundsängerin Rosie Mae die Gelegenheit, eine routinierte Version von Got My Mojo Working aufzuführen. Mit dem Auftritt ihrer Kollegin Louise Marshall nimmt das Konzert deutlich an Fahrt auf. Die zierliche, aber stimmlich herausragende Sängerin überzeugt mit beseelten Interpretationen von I Went By und Waiting Game, die gerade nicht die stimmlichen Extreme komplett ausreizen, sondern im Ausdruck eine kluge und maßvolle Balance finden.

Es folgt der Auftritt von Marc Almond, der wie ein hyperaktiver Schuljunge über die Bühne hetzt, auf Hollands Klavier rumtrommelt und eine etwas irritierende Hektik verbreitet. Die Arrangements der Soft Cell-Klassiker Tainted Love und Say Hello, Wave Goodbye sind zwar exzellent, aber Almond, sowieso nicht der beste Sänger, scheint auch gesanglich nicht vollends auf der Höhe zu sein und trifft so manchen Ton nicht. Mit fast jugendlichem Enthusiasmus und Hingabe vermag er es aber, seinen Auftritt versöhnlich zu gestalten.

Jools Holland wäre nicht seit Jahrzehnten im kurzlebigen Popgeschäft erfolgreich, wenn er es nicht vermochte, sein Programm auf das deutsche Publikum auzurichten. Auf seiner aktuellen Veröffentlichung Jools Holland & Friends kollaboriert er mit deutschen Stars wie Ina Müller, Herbert Grönemeyer und Roger Cicero, die auch verschiedentlich als Gaststars in seinen Konzerten auftreten.

In Mannheim übernimmt Roger Cicero diese Rolle, der u.a. den Stevie-Wonder-Song I Love Every Little Thing About You zugrunde richten darf. Obwohl er mit fast überschwänglichem Lob von Holland gefeiert wird, zeigt es sich überdeutlich, dass Cicero nicht die allergeringste Affinität zu Soul besitzt, da ihm die stimmliche Geschmeidigkeit komplett fehlt.

Zum Abschluss des gut zweistündigen Konzerts betritt die britische R&B und Soul-Sängerin Ruby Turner die Bühne, um stimmgewaltige Versionen von Liedern wie The Informer zu singen. Das Publikum erhebt sich, um den leidenschaftlichen Auftritt auszukosten, bejubelt die Musiker und bejubelt die Zugabe, darunter ein exzellentes Duett zwischen Jools Holland und Ruby Turner in Well, Alright, Okay, You Win und Hollands eigene Komposition Enjoy Yourself. So hätte auch das Motto dieses kurzweiligen, unterhaltsamen Abends lauten können.

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