Seeed (Rock am See 2011)

Seeed (Rock am See 2011) © KOKO

26 Jahre Rock am See: Auch dieses Jahr gab's am Bodensee wieder zahlreiche Top-Bands und – recht untypisch für das Konstanzer Openair – noch viel mehr Regen! Besonders Seeed konnten mit ihrem Auftritt auf ganzer Linie überzeugen.

{image}Regen, Regen, Regen… trüb-kaltes Herbstwetter bescherte der Wettergott den Festivalbesuchern von Rock am See vergangenen Samstag in Konstanz. War es während des Einlasses um 11 Uhr noch trocken, so setzten mit Konzertbeginn die ersten Regenschauer ein und hörten erst am späten Nachmittag wieder auf. Doch hartgesottene Fans harrten nicht nur die vorherige Nacht bei Sturmböen in Zelten auf dem Konstanzer Flughafengelände aus, sondern hielten dem Regen auch tapfer vor der Bühne stand. Sieben Bands kündigte das Line-Up des beschaulichen Festivals am Bodensee an, mit der Berliner Reggae-Gruppe Seeed als krönendem Höhepunkt. Der Startschuss fiel um 13 Uhr mit den Engländern Young Rebel Set, die die Stimmung mit ihrer Folklore-Country-Musik zumindest für den Anfang anheben konnten. Bei Sprühregen feierten die ersten Fans die Band bei melodischen Songs wie If I was. Ein buntes Meer aus Regenschirmen und Ponchos wogte vor der Bühne und die Band schaffte es trotz des bisher nur mäßig gefüllten Festivalgeländes, mit ihrem Auftreten zu überzeugen. Erst nach und nach tröpfelten die Besucher im Stadion ein. Dort suchten sie sofort Unterschlupf unter der bis zum Anschlag gefüllten, überdachten Tribüne.

{image}Auch die nachfolgenden Bands Royal Republic und Bonaparte mussten sich mit einem nur spärlich gefüllten Gelände vor der Bühne zufrieden geben. Royal Republic eroberten die verhältnismäßig kleine Bühne aber regelrecht und sorgten mit ihren frischen und lauten Songs wie All because of you für hüpfende und tanzende Beine. Die Schweden waren ein solches Regenwetter ohnehin gewöhnt und ließen sich von so einem "typical swedish afternoon" nicht die Laune verderben. Während Royal Republic ihren Auftritt mit Marschmusik ankündigten und den ersten Pogokessel anheizten, inszenierte die darauf folgende Band Bonaparte eine Bühnenperformance der extravaganten Art. In Maskerade und Kostümen fegten die Bandmitglieder, teils sehr leicht bekleidet, wie Wirbelwinde über die Bühne und lieferten eine durchgeknallte Freakshow der besonderen Art. Den ein oder anderen schockierte die Band mit ihrer Performance zu Anti Anti oder Too much mit Sicherheit – so stark wie Bonaparte polarisierte jedenfalls keine der anderen Bands an diesem Tag.

{image}So wechselhaft wie das Wetter war an diesem Tag naturgemäß auch die Stimmung der Besucher. Unter diesen Umständen hatten es Bands wie Johnossi und später auch die Editors nicht einfach. Es wollte ihnen nicht gelingen, das Publikum restlos für sich zu begeistern. Kam der Regen, flüchteten die Fans – kam jedoch die Sonne heraus, wurde sofort gefeiert. Mit der Skyline im Hintergrund und rhythmischen, klangvollen Stücken meisterten Johnossi ihren Auftritt trotzdem mit Bravour und ernteten auch reichlich Beifall.

{image}Als von der Moderation das Ende des Regens angekündigt wurde, begannen sich nach und nach auch endlich die Stehplätze zu füllen. Gegen 18 Uhr stürmten The Subways auf die Bühne – und als hätte das Publikum auf einen imaginären Startschuss gewartet, schlug die Stimmung endlich auf Festivallaune um und es wurde getanzt und gepogt was das Zeug hielt. Zu Partystimmungs-Songs wie Rock´n´roll Queen und dem Stück We don´t need money to have a good time aus dem neuen Album versetzte die dreiköpfige Band ihr Publikum in Ekstase.

{image}Die gute Stimmung konnten die Editors als vorletzte Band des Tages leider nicht aufrechterhalten. Die nur mäßige Kommunikation mit dem Publikum ließ das Gefühl aufkommen, die Band wolle einfach nur so schnell wie möglich ihre Setlist herunterspielen. Dabei schien endlich die Sonne und wärmte die Gemüter nicht nur von Innen heraus auf. Die Besucher nutzen die Zeit dann zum Ausruhen oder Essen. Die Musik schien wie beiläufig die Luft zu erfüllen. Mit großen Schritten schritt die Zeit voran und die langersehnte Umbauphase für den Abschlussact des Abends – Seeed - konnte beginnen.

{image}Wie die Bienen zum Honig strömten auf einmal Besucher von allen Seiten her in Richtung Bühne. In einer knappen halben Stunde war der Platz so gut gefüllt wie den ganzen Tag nicht. Zum ersten Mal war zu erahnen, dass tatsächlich knapp 15.000 Besucher zugegen waren. Der Auftritt der Berliner Gruppe war von Anfang bis Ende ein voller Erfolg und entschädigte das Publikum für stundenlanges Warten im Regen in vollem Maße. Von den Klassikersongs wie Ding und Aufstehn aus den frühen Anfängen der Band, bis hin zu originellen Remixstücken von älteren Stücken wie Tight Pants fand alles seinen Weg durch die Lautsprecher zu den Zuhörern. Kaum Einer stand ruhig und so feierte die Band ihren ersten Auftritt seit langem mit reihenweise zufriedenen Fans.

Publikum und Bands machten beim Rock am See 2011 das Beste aus dem bescheidenen Herbstwetter. Der krönende Abschluss mit Seeed stellte am Ende alle zufrieden.

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