OffLine (live auf dem Trebur Open Air Festival-Sonntag 2011)

OffLine (live auf dem Trebur Open Air Festival-Sonntag 2011) © René Peschel

Man konnte es kaum glauben, aber nach dem Dauerregen in der Nacht und der Schlammwiese am Morgen sah der Himmel ausgeregnet aus. Bühne frei für Blumentopf, aber vorher erst volles Programm mit den letzten acht Bands – und war da nicht noch ein Bauchplatschercontest?

{image}Brett frei für wagemutige Springer: die höchste Fontäne und das stilvollste Aufkommen waren hier entscheidend, und wer hat gewonnen? Der Bademeister. . . Nächstes Jahr soll es einen Bauchplatschercontest nur mit weiblichen Teilnehmern geben – wir sind gespannt. Insgesamt war es ein sehr gemütlicher Tag auf dem Trebur Open Air. Die Sonne hat nicht nur die meisten Besucher aufs Gelände gelockt, sondern sie auch in entspannte Zuschauer verwandelt. Die Leute waren zwar in Bühnennähe, belegten aber alle Bierbänke und den immer trockener werdenden Rasen, sodass es den Tag über mehr den Flair von einer Gartenparty als von einem Festival hatte. Aber eine gemütliche Gartenparty mit guter Musik.

{image}OffLine aus Viernheim durften den letzten Tag eröffnen. Mit Gesang auf Englisch, Rap auf Deutsch und begleitet von Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug legten sie 30 Minuten lang ein ordentliches Set hin. Vergraulen würden sie damit die Sonne definitiv nicht, auch wenn die Rapparts nicht immer ganz auf dem Punkt waren. Dafür hat das Gesamtbild gestimmt, OffLine entwickeln sich von Auftritt zu Auftritt in ihrem Zusammenspiel weiter. Dafür dass Dear Snowcap nur zu dritt auf der Bühne standen, haben sie einen vollen und satten Sound hinbekommen. Viele instrumentale Parts und langgezogene Passagen haben ihren Auftritt geprägt, vor allem das in sich gekehrte der Band hat zu den teils progressiven Klängen gepasst. Vielleicht nicht der mitreißendste Auftritt des Tages, dafür in der Liste der individuellen Bands vermerkt.

{image}Naturlich (ja, ohne ü) haben nicht nur unter einem wolkenfreien Himmel gespielt, sie haben auch die Sonne in ihren Liedern verpackt. Spanische und deutsche Texte wurden mit Gitarre, Keyboard, Bass und Percussion unterlegt, alle Songs verband eine Leichtigkeit, die auf die Zuschauer übersprang. Die drei Jungs vorne auf der Bühne wechselten sich mit dem Gesang ab, was wiederum die Band sehr interessant machte. Noch einen draufsetzen konnten anschließend Simeon Soul Charger. Die Band aus Ohio startet gerade in Deutschland durch und hat auch ihren Wohnsitz in der Zwischenzeit nach Bayern verlegt – seit März 2011 stehen sie fast nur auf deutschen Bühnen. Die individuellsten Gestalten waren sie allemal: Coyboyhut, ewig lange Dreadlocks oder Hippie-Style, da war alles dabei. Aber nicht nur durch ihr Aussehen konnten sie auffallen, auch musikalisch konnten sie punkten – spätestens beim Faith No More-Cover von War Pigs.

{image}Mit einem Cover konnte auch die nächste Band dienen: Die Kafkas haben auf der Hauptbühne die sich mittlerweile in den Schatten zurückgezogenen Besucher mit Nenas Nur geträumt unterhalten. Leider war der Rest ihres Sets ein wenig unspektakulär und nicht dazu geeignet, reges Interesse hervorzurufen. Da wünschte man sich doch die Wohnraumhelden zurück, die vor dem offiziellen Beginn auf der wohl kleinsten mobilen Bühne der Welt, ihrem bunt bemalten Piaggio Ape, die Zuschauer bespaßten. Weniger Spaß, mehr Coolness war bei den C-Types angesagt. Bei ihnen hatte man kurzzeitig den Eindruck, dass sie etwas gelangweilt sind – vielleicht ihr Stil, aber nicht mit Festivalbesuchern kompatibel, die sich auf das große Finale mit Blumentopf einstimmen wollten. Als sie dann auch noch einen kurzen Moment Pause machten, weil von der anderen Bühne der Soundcheck zu laut war, machten sich viele auf den Weg um zu schauen, ob der Lärm denn etwas Gutes verheißen würde.

{image}Und siehe da, Boy Hits Car aus Kalifornien zogen die Leute magnetisch an. Ein charismatischer Sänger, der von Scream-Parts zu ruhigen Gesangsmelodien wechselte und sich auch die Akustikgitarre umschnallte und damit ein abwechslungsreiches Gegenstück zur rockigen Band war. Bakkushan danach waren wieder etwas für die tanzbare Fraktion – wenn sie denn ihr volles Set hätten spielen können. Schon nach zwei Liedern ist der Gitarren-Amp von Sänger Daniel Schmitt kaputtgegangen, nach einer Lösung wurde hektisch gesucht. Eine unangenehme Situation für die Band, wussten sie nicht so recht, wie sie die gut 10minütige Pause füllen sollten. Ab und zu ein witziger Satz von Bassist Christian Kalle, doch die Zuschauer wurden zusehends ungeduldiger. Erst als ein neuer Amp auf die Bühne gebracht wurde, konnte es weitergehen. Weniger reden, mehr spielen war die Devise und so haben Bakkushan dann doch noch ihren Auftritt retten können.

{image}Viele Tagesbesucher kamen extra wegen ihnen aufs Trebur Open Air: Blumentopf. Über 90 Minuten haben sie der Menge mit alten und neuen Songs eingeheizt, natürlich waren auch ein paar Freestyle-Parts dabei. Vorher hat Babeli, einer der Festivalhelfer, für ein paar Minuten alle Aufmerksamkeit bekommen: Als Deutscher Beatbox-Meister hat er eine kurze, beeindruckende Show abgeliefert. So eingestimmt konnte der Auftritt von Blumentopf nur gut werden. Nach drei Tagen Festival waren die Zuschauer es nicht müde, lautstark alles mitzumachen, was Blumentopf ihnen vorgab. Zu SoLaLa bastelten die Töpfe ein klein wenig den Text um. Nicht nur Sätze wie "Und dass das Trebur Open Air heute zu Ende geht ist..." , auch die vorherige Band wurde von den Freisingern mit "Und wenn bei Bakkushan die Gitarre abraucht dann ist das..." bedacht.

Mit knapp 3000 Besuchern am letzten Tag war das Trebur Open Air ein voller Erfolg. Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte hat es trotzdem großen Anklang gefunden. Für das 20-jährige Jubiläum im nächsten Jahr kann man gespannt sein, was die Veranstalter dann auf die Beine stellen und wer als Headliner gebucht wird – dass die Mischung es machen wird, hat man schon in diesem Jahr gemerkt.

Weitere Artikel und Galerien zum Trebur Open Air 2011:

► Die Fotos vom Freitag mit Sunclinch, Morning Boy, The Rattlesnake Orchestra, Illectronic Rock, Nukular, Kellerkommando, Callejón, Beat!Beat!Beat! und Royal Republic

► Steiler Auftakt am Freitag: Der Bericht vom ersten Tag

► Die Fotos vom Samstag mit nungo, Supernova Plasmajets, Shy Guy At The Show, Phrasenmäher, The Jerks, Kiemsa, Die Rakede und Skindred

► Der Samstag ging noch steiler: Der Bericht vom zweiten Tag

Die Fotos von Sonntag mit Bakkushan, The C-Types, OffLine, Naturlich, Wohnraumhelden, Dear Snowcap, Simeon Soul Charger, Kafkas, Boy Hits Car und Blumentopf

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