Metallica

Metallica © Universal

Wer hätte in den 80ern gedacht, dass sich die vier "großen" Thrash-Metal-Bands Metallica, Slayer, Anthrax und Megadeth gemeinsam auf einer Bühne präsentieren? Am 2.7.2011 war es soweit: "The Big 4" nahm in einer nahezu ausverkauften Veltins-Arena in Gelsenkirchen seinen Lauf. Was auf den ersten Blick den Anschein erweckte, es handle sich um ein Konzert, bei dem sich vier Bands nahezu auf Augenhöhe ihren Fans präsentieren, entpuppte sich leider zusehends als ein Metallica-Gig, bei dem die anderen drei "Großen" zu Vorbands degradiert wurden.

{image}Pünktlich um 17 Uhr eröffneten Anthrax das Festival, zu dem auch unzählige Fans aus dem Ausland anreisten. Die langjährigen Freunde des New York Hardcore hämmerten ihre Metal-Salven ins Publikum und luden über ihre bekanntesten Songs wie z. B. I am the Law ihre Fans zum moshen ein. Leider fehlte der Kopf der Band, Scott "NOT" Ian, der sich nicht zuletzt auch in der Vergangenheit durch lustige Brusthaarrasuren einen Namen machte. Ian hatte bereits im März seine Anwesenheit in Frage gestellt, da seine Frau ihr erstes gemeinsames Kind erwartete. Mittlerweile sind Scott Ian und Pearl Aday Eltern eines strammen Jungen mit dem Namen Revel Young Ian. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle.

{image}Der Anteil der Originalbesetzung konnte jedoch durch den erst kürzlich erfolgten Wiedereinstieg des Sängers Joey Belladonna nahezu kompensiert werden. Mit seiner einzigartigen Stimme gelang es dem Frontmann, die Zuschauer zurück in die 80er/90er zu beamen. Leider reichte das nicht, um die Fans richtig in Fahrt zu bringen, was sicher auch an dem zu diesem Zeitpunkt noch überaus schlechten Sound und der tageslichtdurchfluteten Halle lag. Nicht zuletzt waren auch viele Besucher über die extrem schlechte Organisation erstaunt, die dazu führte, dass man schon mal einen kompletten Auftritt verpasste, wenn man sich ein Getränk holen wollte.

{image}In unserem Falle musste leider Megadeth aus der unzufriedenen Menge vor dem Getränkestand beobachtet werden. Weder das Barpersonal noch die Organisation war auch nur ansatzweise auf die Nachfrage vorbereitet und der Situation gewachsen. Aus dem bis dato noch sehr breiigen Sound ließen sich immerhin die Hits der Band um Ex-Metallica Gitarrist Dave Mustaine heraushören. Selbstverständlich durften Peace Sells und Symphony of Destruction nicht fehlen, stand der ganze Abend doch unter dem Zeichen der ersten beiden Dekaden der Thrash-Metal Ära.

{image}Mit dem Ende der Show von Megadeth ertönten direkt die ersten Slayer-Rufe und man spürte förmlich, dass mit dem Auftritt der Band um Tom Araya ein Gang hochgeschaltet wurde. Diese Vermutung wurde zweifelsohne bestätigt. Das Publikum war vom ersten Ton der Band voll bei der Sache und feierte jeden einzelnen Song bis zur letzten Sekunde ab. Auch wenn der schon sichtbar in die Jahre gekommene Tom Araya seine Stimme nicht mehr ganz in die hohen Regionen beförderte, wirkten Slayer musikalisch und instrumental so fit wie eh und je. Metal-Meilensteine wie Angel of Death wurden nicht zuletzt von einem der besten Schlagzeuger dieses Genres, Dave Lombardo, durch die Halle geprügelt. Alles in allem boten Slayer den bis zu diesem Zeitpunkt besten Auftritt, was sich als ideale Vorlage für die Headliner des Abends erwies.

{image}Mit dem altbekannten Intro aus dem Western "The Good, the Bad and the Ugly" kündigten sich die vier Metal-Götter aus der Bay Area an und zündeten direkt danach ein musikalisches Feuerwerk der besonderen Art. Metallica erwiesen sich einmal mehr als außergewöhnliche Liveband, die sehr eng am Ball spielt und das enorm schnell. Zwei Aspekte, die man sicher oft in dieser Arena vermisst hat. Die Setlist, bei der der Akzent auch wieder auf den "Earlier Days" lag, ließ keine Wünsche offen. Klassiker wie Seek and Destroy, Fade to Black oder Master of Puppets brachten die tobende Menge auf Höchsttouren. Die Spielzeit von ca. 2 Stunden macht deutlich, dass "The Big 4" eigentlich "The Big 1" heißen müsste, wodurch das Gesamtkonzept dieser Veranstaltungsreihe in Frage gestellt werden kann. Symbolischen Charakter hatte auch die Showeinlage, bei der Musiker der "Not so Big 3" zu Metallica auf die Bühne durften, um einen Song aus deren Garage Days (Helpless) mitzuspielen. So gelang es schließlich auch Dave Mustaine, noch einmal in seinem Musikerleben neben einstigem Erzfeind James Hetfield auf der Bühne zu stehen. Wunder gibt es immer wieder. Wohlgemerkt – Tom Araya wurde während dieser Aktion nicht auf der Bühne gesichtet. Soviel zum Thema Stolz und Ehre.

{image}Nach kurzen Umarmungsszenen musste der gute Dave dann auch schon wieder Backstage zurück ins Körbchen, hatten Metallica doch noch eine Zugabe zu spielen, die sie gewohnt gekonnt darboten. Nach einem wirklich runden Gig und einigen Liebeserklärungen gegenüber dem deutschen Publikum ließ sich die Band schließlich noch einige Zeit abfeiern und bejubeln, eine Phase, zu der man sicher auch noch mal gerne alle anderen Bands auf der Bühne gesehen hätte. Doch leider war es eben "nur" eine Metallica-Show und nicht die Show der "Big 4".

{image}Fazit: Das Veranstaltungskonzept wurde an diesem Abend bei weitem nicht allen Bands gerecht und ist sicher optimierungsbedürftig. Über die Reihenfolge der auftretenden Bands kann wohl kaum diskutiert werden, obwohl Anthrax gerne als zweite Band hätten spielen können. Die Tatsache, dass die ersten Bands noch mit schlechtem Sound bestraft wurden, lässt jedoch mangelnden Respekt gegenüber den Akteuren vermuten. Immerhin sind alle mittlerweile 30 Jahre im Business. Da kann es schlicht und ergreifend nicht sein, dass sich die Soundqualität an der Anzahl verkaufter Tonträger orientiert. Ein weiterer großer Kritikpunkt gilt der Organisation der Veranstaltung, die es nicht schaffte ausreichend viele Getränkestände sowie Personal zur Verfügung zu stellen, um die große Nachfrage zu bedienen. Obwohl die Halle noch viel Raum bot wurden mobile Toiletten unmittelbar neben den Verzehreinheiten platziert, was nicht wirklich den Appetit anregte.

Man kann nur froh darüber sein, dass die Besucher ruhig blieben und sich die Missstimmung nicht entlud. Diese wurde nämlich noch durch sehr träges Personal und völlig überforderte Sicherheitsangestellte angeregt. Abschließend kann man festhalten, dass an diesem Abend mindestens zwei von vier Bands in einem unwürdigen Rahmen präsentiert wurden. Einzig die Slayer- und Metallica-Fans kamen auf ihre Kosten, die angesichts des Gesamtpakets und der diskussionswürdigen Umsetzung sicher zu hoch angesetzt waren.

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