Metallica (bei Rock im Revier 2015 Freitag)

Metallica (bei Rock im Revier 2015 Freitag) © Tom Teubner

Sonntag 14. Dezember 2003, Ankunft Maimarktgelände Mannheim. Die Frage, welches Publikum sich die wohl bedeutendste Speed Metal Band der Welt ansehen werde, wurde auf den ersten Blick beantwortet.

Wie erwartet, waren es nicht nur die jungen Kids, die erst durch St. Anger Gefallen an den satten Metal-Klängen fanden – die Fanbase besteht vielmehr aus Metallern, die die Band bereits seit den Achtzigern begleiten. Hier und da fühlte man sich 18 Jahre zurückversetzt, wurden doch vereinzelt Fans gesichtet, die noch mit dem original "Metal Up Your Ass"-Shirt an den Start gingen, was man an dem verwaschenen Schwarz erkennen konnte.

Das Metallica-Logo blieb selbstverständlich von einer langen Mähne bedeckt. Andere holten ihre "Kutte" aus dem Schrank, die nur noch von Aufnähern der Bands Slayer, Megadeth, Testament, Anthrax, etc. zusammen gehalten wurde. Der Besuch der St. Anger Tour war nicht nur ein Tribut für Metallica – er war vielmehr ein Tribut für eine Metal-Ära, die einmalig in der Musikgeschichte war und sein wird.

Und das wissen auch die Musiker selbst. Metallica, die von Drummer Lars Ulrich und Frontman James Hetfield vor 22 Jahren gegründete Band, legte einen Gig hin, der sich gewaschen hatte. Die gewohnt spartanische Bühne wurde gerockt, bis die Fetzen flogen, wobei jeder der 11.500 Besucher auf seine Kosten kam. Das gute alte Intro von "The Good, the Bad and the Ugly", verpasste bestimmt nicht nur mir kurzzeitig Gänsehaut und baute eine Spannung auf, die sich mit Erscheinen der Band wie ein Donnerschlag entlud.

Von diesem Zeitpunkt an ging es nur noch ab. 20 Jahre Bandgeschichte wurden gnadenlos über die Boxen der Maimarkthalle ins Publikum geprügelt. Altbekannte Songs wie "Seek and Destroy" (Album: Kill'em All) und "Creeping Death" (Album: Ride the Lightning) wurden vom Publikum ebenso dankbar angenommen wie neues Material der St. Anger Scheibe ("Frantic", "St. Anger"). Alle Songs waren stets geprägt von Kirk Hammetts unvergleichbaren Soli, Hetfields einzigartiger Metalröhre, Ulrichs satter Basedrum und den teilweise an Cliff Burtons (R.I.P.) verzerrte Bassriffs erinnernden Klänge von Robert Trujillo.

Insgesamt legten die vier Schwermetaller einen klaren Akzent auf das, was sie meines Erachtens am besten können: Speedmetal. Hierbei haben selbstverständlich Schmuserock Coverversionen à la "Whiskey in the Jar" oder eigene Querschläger wie "Hero of the Day" (Album: Load) nichts verloren und kamen demnach auch nicht zum Zuge. Eine willkommene Abwechslung und bei Anhängern des Pogokreises gern gesehene Verschnaufpause bildeten vielmehr die Rock Balladen.

Hierbei kamen sowohl Klassiker wie "Fade to Black" (Album: Ride the Lightning) als auch "neuere" Stücke wie "Nothing Else Matters" zum Zuge. Von meiner Seite vermisst blieb jedoch "Welcome Home (Sanitarium)" (Album: Master of Puppets). Dafür bot die Inszenierung von "One" (Album: …And Justice for All) einige pyrotechnische Einlagen, die mich darüber locker hinwegsehen ließen.

Klar, dass ein Querschnitt durch eine gesamte Metalära und 20 jährige Bandhistorie nicht in einer Stunde abgegessen sind. Was die Band aus L.A. jedoch bot, waren jeder der 53 Euros wert. Zweieinhalb Stunden Metallica satt mit 5 Zugaben (ich hoffe, ich habe richtig gezählt), die jeweils von sehr sympathischen und mit dem Publikum sehr eng verbundenen Pausen unterbrochen wurden.

Stolz wurde von Kirk und James das Schlagzeug mit einem aus dem Publikum gezogenen Fan Banner eingehüllt – eine Geste, die alles aussagt, was den Abend anging. Metallica lebt mit seinen Fans und umgekehrt. Aus den Underground Speedmetallern sind längst Metal-Ikonen geworden  – Identifikationsfiguren für eine Generation, die sich alles andere wünscht als Castingshows und Retortenbands. Doch die wird es wohl noch ein Weilchen geben – Sad but True!

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