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Bob Dylan © Sony Music

Der Meister beglückte seine Fans bei seinem routinierten Auftritt in Mainz mit ersichtlich guter Laune und einer fantastischen Setlist.

{image}Man kann die immer noch erstaunlich hohe Bedeutung von Bob Dylan in der heutigen Zeit daran ermessen, dass sein Verhalten immer noch für Kontroversen sorgt, sei es die angeblich zensierten Auftritte in China (die Dylan mit einem meisterhaften Statement kommentierte) oder der nörgelnde ältere Mann neben mir, der mich nach dem Ende des Konzerts fragt, ob Dylan immer nur knappe zwei Stunden spielt. (Wann hat Dylan zuletzt signifikant länger als zwei Stunden gespielt? Sag's uns in den Kommentaren!) Derlei Absurditäten gehören wohl zum Leben eines weltbekannten Musikers – und Bob Dylan hat gut daran getan, sich von den Erwartungen seiner Fans nicht irremachen zu lassen, sondern einfach das zu tun, was er am besten kann, nämlich Musik. Obwohl er fast jedes Jahr in Deutschland auftritt, ist sein Konzert im Mainzer Volkspark mit 7500 zahlenden Besuchern ausverkauft. Hunderte weiterer Fans kampieren auf der Wiese vor dem Gelände, wo man über den Zaun hinweg sogar das Geschehen auf der Bühne verfolgen kann. Das diesjährige Jubiläum sorgte fraglos bei vielen für die nötige Motivation, in den Volkspark zu pilgern.

Die Schar seiner Anhänger ist altersmäßig so bunt durchmischt, wie man es bei einem Musiker seiner Generation ansonsten selten findet. Nicht nur aus ganz Deutschland sind Fans angereist, auch aus den Niederlanden, England und sogar aus der Türkei. Es herrscht fast so etwas wie Volksfeststimmung.

Das Grundgerüst von Dylans Auftritten in den letzten Jahren hat sich nicht allzu sehr verändert. Bemerkenswert ist jedoch die Rückkehr von Charlie Sexton als Gitarrist und die daran anschließende Entscheidung Dylans, seine Gitarre überwiegend gegen Keyboards einzutauschen. Sexton verleiht der Musik, vornehmlich in den langsamen Stücken, eine gewisse Dringlichkeit und verhindert dadurch, dass der relaxte Groove der Band allzu leidenschaftslos daherkommt. Gleichzeitig genießt es Dylan sichtlich an den Keyboards, die einen Hammond-Orgel-ähnlichen Sound erzeugen, für instrumentale Ausschmückung seiner Songs zu sorgen.

{image}Es gehört zu den gerne kolportierten Tatsachen, dass Bob Dylan das Arrangement seiner Lieder von Jahr zu Jahr verändert. Das betrifft jedoch vornehmlich die älteren Lieder: Summer Days, The Levee's Gonna Break und Thunder On The Mountain klingen wie auf den Studioalben, während Things Have Changed schneller und rockiger gespielt wird. Ausgezeichnet gelingt die Neubearbeitung von Don't Think Twice, das Dylan signifikant anders singt und mit viel Orgel-Begleitung verziert. Ähnliche Umgestaltungen erfahren Girl Of The North Country, The Lonesome Death Of Hattie Carroll und Desolation Row, das als geradliniger Rocksong inszeniert wird.

Andere Lieder entgehen jedoch Dylans Trieb zur ständigen Veränderung. Das erweist sich insbesondere für Ballad Of A Thin Man und Like A Rolling Stone als Glücksfall, die ihre beste Wirkung als giftige Rocksongs entfalten, wie der enthusiastische Jubel des Publikums eindrucksvoll belegt. Die Balance zwischen Neugestaltung und Konstanz glückt: Nach vielen Jahren der Experimente hat Bob Dylan einen Modus gefunden, der ihm behagt. Er überzeugt als Leader einer – mit ihm und untereinander – exzellent harmonierenden Band.

Bob Dylan hat ebenso gelernt, aus seiner Stimme das maximal Mögliche herauszuholen, ohne sich zu überfordern. Ballad Of Hollis Brown, das in der Vergangenheit gelegentlich bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet wurde, gewinnt durch die Wiederholung der letzten Zeilen eine Frische, die es schon seit Jahren nicht mehr besessen hatte. Es sind diese kleinen, ebenso überraschenden wie erfreulichen Ereignisse eines Dylan-Konzerts, die den Besuch jedes Mal lohnenswert machen. Auch diesmal. 

Setlist:

Rainy Day Woman #12 & 35 - Don't Think Twice It's Alright - Things Have Changed - Girl Of The North Country - Beyond Here Lies Nothin' - The Lonesome Death Of Hattie Carroll - Summer Days - Tangled Up In Blue - The Levee's Gonna Break - Ballad Of Hollis Brown - Highway 61 Revisited - Desolation Row - Thunder On The Mountain - Ballad Of A Thin Man

Zugabe: Like A Rolling Stone - All Along The Watchtower - Blowin' In The Wind

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