Marianne Faithfull

Marianne Faithfull

Gleich zwei große Künstlerinnen konnte man am vergangenen Sonntag beim Auftakt des Citadel Music Festivals auf der Zitadelle in Berlin Spandau bewundern. Bei perfekter Sommeratmosphäre konnte sowohl die junge Schweizerin als auch die alt eingesessene Grande Dame absolut überzeugen.

{image}Der Beginn des Doppelkonzertes der Schweizerin Sophie Hunger und der Britin Marianne Faithfull im Rahmen des Citadel Music Festivals (→ Vorbericht und Termine auf regioactive.de) in Berlin ist sehr früh angesetzt. Schon vor 19 Uhr schallen die ersten Klänge von Sophie Hunger und ihrer Band durch die alten Gemäuer der Zitadelle Spandau. Das Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert bietet seit Jahren vielen bekannten Künstlern aus aller Welt eine beeindruckende und weitläufige Kulisse für sommerliche Open Air Konzerte. Leider haben die Veranstalter auch schon seit Jahren mit Klagen von Anwohnern über Lärmbelästigung zu kämpfen. Das Konzert beginnt also früh, da pünktlich um 22 Uhr Schluss sein muss. Den Anfang macht also an diesem Abend die 28-jährige Schweizerin mit ihrer Band. Ihr Sound ist stark vom Jazz beeinflusst. So wundert es nicht, dass auch Instrumente wie Querflöte oder Trompete bei ihren Songs Verwendung finden. Sophie Hunger selbst spielt entweder Klavier oder Gitarre, die sie oft mit einer Technik zupft, die stark an Flamenco erinnert.

{image}Aber nicht nur an den Instrumenten ist sie sehr vielseitig, auch sprachlich bringt sie Abwechslung in ihre Musik: Neben überwiegend englischen Liedern singt sie auch auf Deutsch, Schwyzerdütsch und Französisch, zum Beispiel als sie das Lied Le vent nous portera der französischen Band Noir Desir covert. Den meisten Applaus bekommt sie aber dann für den Titelsong ihres aktuellen Albums 1983, der auch hierzulande schon öfter im Radio zu hören war. Aber auch alle anderen Lieder werden vom Publikum begeistert aufgenommen. Sophie Hunger muss man einfach mögen, so sympathisch und bescheiden sie auf der Bühne steht. Als sie sich bei ihrer Zugabe schüchtern dafür entschuldigt, dass ihr Klavier so steht, dass sie dem Publikum den ganzen Abend den Rücken zudrehen musste, ruft eine Frau aus den hinteren Reihen "Macht nichts! Du bist so gut!" und hat damit wohl den meisten im Publikum aus der Seele gesprochen.

Noch zehn Jahre jünger als Sophie Hunger heute ist war die Dame, die als nächstes die Bühne betritt, als sie 1964 ihre erste erfolgreiche Single As Tears Go By aufnahm. Heute könnte sie allerdings locker Hungers Mutter sein. Zwischen dem ersten Song und heute liegen viele Jahre exzessiven Lebens, die Marianne Faithfull fast schon zu einer lebenden Legende gemacht und ihre Stimme einige Töne tiefer gelegt haben. Viele Geschichten kann sie erzählen und lässt das Publikum in ihren sympathischen Ansagen auch gerne an einigen davon teilhaben. Bei einem großen Teil der Songs, die Marianne Faithfull an diesem Abend singt, haben große Namen der Popkultur ihre Finger im Spiel gehabt. Gleich ihr zweites Lied Why did we have to part ist in Kooperation mit Nick Cave entstanden.

{image}Während sie erzählt und ihre Lieder singt strahlt sie eine solche Ruhe aus, die man wohl nur haben kann, wenn man schon sehr, sehr viel erlebt und gesehen hat. Während ihre erstklassige Band ihre Soli spielt, setzt sie sich auf einen Barhocker und raucht oder schaut ins Publikum, das jeden ihrer Songs feiert. Die Setlist besteht an diesem Abend vor allem aus ihrem neuen Album Horses and High Heels und ihren vielen Klassikern wie Broken English, As Tears Go By oder Sister Morphine. So charmant wie Marianne Faithfull dort auf der Bühne steht könnte man ihr ewig zusehen, doch leider rückt die Grenze von 22 Uhr näher. Strange Weather, aus der Feder von Tom Waits, wird an diesem Abend der letzte Song, den sie nur in Gitarrenbegleitung singt, bevor das Publikum den Weg durch die laue Sommernacht nach Hause antreten muss.

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