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Perry O'Parson (live in Heidelberg, 2011) © Simon Fessler

Am Ende des Abends mit einem hochklassigen Konzert zweier aus der Masse herausragender Newcomer in der Halle01 in Heidelberg, stehen dreierlei Dinge fest. Erstens: Sonic Avalanche und Perry O'Parson überzeugen nicht nur auf ihren aktuellen Veröffentlichhungen, sondern auch und insbesondere live. Zweitens: Perry O'Parson können tatsächlich auch rockig bis punkig klingen. Drittens: Man wünscht sich mehr solcher Konzerte mit neuen, vielversprechenden Bands, und ihnen noch mehr Publikum.

{image}Perry O'Parson sind eine vierköpfige Band, die von Sänger und Gitarrist Marcel Gein angeführt wird. Während die Studioaufnahmen von einem starken Americana-Gefühl leben, wird der Auftritt in der Halle01 (der kleinen Schwester der Halle02) in Heidelberg von einem rockigen, ja punkigen Sound beherrscht. Schlagzeug, Bass und Gitarren preschen ungezügelt und wild voran. Leisere Zwischentöne oder gesetzteres Tempo (beides auf ihren Studioaufnahmen zu finden) fehlen weitgehend. Zu diesem punkig-rockigen Sound singt Gein ausdrucksstark und leidenschaftlich, aber stets kontrolliert – selbst in Momenten besonderer Intensität entgleitet ihm seine Stimme nicht.

Waren sie vielleicht angesteckt vom treibenden "Epic Indie" des Supports Sonic Avalanche aus Bruchsal? Caught Between The Devil And The Deep Blue Sea heißt deren aktuelles Werk, ihr erster Longplayer, der im Januar im Karlsruher Substage zum ersten Mal live vorgestellt wurde. Eine Premiere wurde auch in der Halle01 gefeiert: Andreas heißt der neue Mann am Bass, der an diesem Abend sein Debüt gab. Man merkte ihm zeitweilig seine Konzentration an, dennoch fügte er sich nahtlos in das Gesamtbild der Band. Diese präsentierte Songs, die durch vielseitige Arrangements und einem klaren, ausdrucksstarken Gesang geprägt sind. Vielleicht etwas Dredg, vielleicht etwas Porcupine Tree, aber sicherlich eine Ebene, die spannende Höhen und Tiefen offenbart.

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Kein Zweifel: Perry O'Parson sowie Sonic Avalanche verfügen über ein musikalisches Konzept und über die musikalischen Möglichkeiten, es umzusetzen. Man spürt jeweils die Leidenschaft und das Engagement, das beim Auftritt von Perry O'Parson von dem zwischenzeitlich abgelenkt wirkenden Publikum leider nur teilweise erwidert wird. Aus diesem Grund ist es ebenso bedauerlich wie verständlich, wenn die Band ihr Set verkürzt. Insgesamt hätten die beiden Bands für diesen Abend noch mehr Zuschauer als die grob geschätzten 50 verdient. Denn auch am Publikumszuspruch entscheidet sich heute und morgen die Zukunft solcher Konzerte mit bis dahin noch unbekannteren Acts.

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Bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer dieses Abends, gleichwohl wegen welcher Band sie ursprünglich in die Halle01 kamen, die gute Kunde weitertragen: Dieses Konzert hinterließ einen kurzweiligen und starken Eindruck. Man wünscht sich noch mehr solcher regionaler Highlights, vor und mit einem begeisterungsfähigen Publikum, mit Bands, die die gesamten Facetten ihres Könnens zeigen.

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