Uriah Heep (live in Hamburg, 2011

Uriah Heep (live in Hamburg, 2011 © Falk Simon

Seit über 40 Jahren gibt es Uriah Heep und deren Musik nun schon, selbst mehrere Besetzungswechsel änderten nichts an der Klasse dieser Formation. Mit ihrem neuen Album "Into The Wild" sind sie auf Tour und eines ihrer ersten Konzerte in Deutschland führte sie nach Hamburg.

{image}Mit Châlice hatten sich Uriah Heep einen lokalen Support geholt, der es wert war, gehört zu werden. Die Hamburger Jungs machten richtig schönen Power Rock, der nach vorne geht. An die Stimme von Blue Oyster Cult erinnernd, nur noch etwas rockiger, klang die Musik wie eine zeitgemäße Fortentwicklung des 70er-Jahre Rocks. Mehr Metal, weniger Mystik, aber immer harmonisch. Und auch endlich mal wieder eine Band mit Musikern, die ihre Matten lang und das mit Stolz tragen. Nach der kurzweiligen Vorband kam ein schneller Umbau, während dem am Publikum sichtbar wurde, dass gar nicht nur ein Altersschnitt jenseits der 50 zu sehen war, sondern auch einige jüngere Gäste zwischen zwanzig und dreißig dabei waren.

{image}Und dann kam auf der bombastisch in rot und gelb ausgeleuchteten Bühne der Hauptact des Abends: Uriah Heep machten dort weiter, wo Châlice aufgehört hatten – mit Seventies Rock. Der Klassenunterschied war jedoch hörbar. Uriah Heep waren weniger heftig, hatten einen voll ausgeprägten Chorgesang und einfach einen kompakteren Gesamtsound. Das liegt sicher auch an der langen Erfahrung. So kann Trevor Bolder am Bass auf 35 Jahre Heep zurückblicken, da gehen dauerhafte eigenständige Bassläufe in den boogiebasierten Songs von alleine von der Hand.

Frontman Bernie Shaw, auch 35 Jahre Erfahrung, 25 davon bei Heep, zog eine überaus professionelle und gleichzeitig persönliche Show ab und man merkte dem kanadischen Sänger seine Freude am Auftritt an. Und sympathisch ist es doch immer, wenn die Landessprache verwendet wird. Bei Shaw sogar so viel, dass er sich wahrscheinlich sogar neben der Bühne auf Deutsch unterhalten kann. Schlagzeuger Russel Gilbrook ist eine britische Ikone seines Faches, leider ist sein technisch beeindruckendes Spiel nicht immer ganz songdienlich. Aber Lee Kerslage war als Vorgänger auch eines der längsten Bandmitglieder und insofern schwer zu ersetzten. Der jetzige Schlagzeuger haute ein paar mal zu oft drauf, weniger wäre hier mehr. Aber möglicherweise wollen Uriah Heep mit dem neuen Album Into The Wild auch härter klingen und neue Kundenschichten erschließen, so waren die Songs von der Platte sehr viel direkter und kaum von einer mystischen Atmossphäre geprägt wie noch die Tracks der ersten Scheiben.

{image}Phil Lanzon, der gemeinsam mit dem Sänger 1986 zu Uriah Heep gestoßen war, machte seine Sache als Nachfolger von Ken Hensley selbstredend sehr ordentlich. Hatte Hensley damals mit dem Rhodes-Sound ausgiebig herumexperimentiert, so kann dies mittlerweile jeder mittelmäßige Synthesizer. Aber spielen muss man ihn trotzdem können, und das konnte Lanzon, der auf einem Podest stehend eine sehr amüsante Show bot und zeitweilig wie ein Dirigent wirkte, der die Musiker von erhobener Position wie Marionetten spielen lässt. Zu guter Letzt sei noch Mick Box erwähnt, der ein gewohnt gutes Gitarrenspiel ablieferte. Er wirkte etwas müde, machte aber trotzdem Späße und Spaß. Auch wenn zwischendurch immer wieder Lieder von '72 angekündigt wurden, so stand dieses Konzert doch sehr stark unter dem Motto "back to the roots" – der Rolle als Gründungsväter des Heavy Metal fühlte man sich offenbar verpflichtet.

Zum Abschluss eines musikalisch gemischten Abends kam dann das unvermeidliche Lady in Black und dann glücklicherweise noch ein fetter Abschluss mit Easy Livin', so dass nach fast zwei Stunden Hauptact die Massen in die warme Altonaer Nacht strömten, um kurz nach Mitternacht noch die letzte S-Bahn nach Hause zu bekommen.

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