Erdmöbel (live Alte Feuerwache, Mannheim 2011)
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Erdmöbel (live Alte Feuerwache, Mannheim 2011) Foto: Jan Wölfer © regioactive.de

Erdmöbel machten auf der Tour zu ihrem Album "Krokus" Station in Mannheim, in der Alten Feuerwache. Viele Zuschauer fanden ihren Weg dorthin und wollten schauen, was eine von Deutschlands derzeit angesagtesten Bands live zu bieten hat. Niemand wurde enttäuscht. Supportact war der Liedermacher Friedemann Weise, der mit Liedern wie "Das Privatleben von Stefan Raab" viel Comedy bot und Gefühlsduselei sowie Schmachtfetzen auf die Schippe nahm. Kurze Pause, dann stehen Erdmöbel auf der Bühne.

{image}Live sind Erdmöbel zu fünft, mit Posaunist. Alle sehr stillvoll gekleidet: die Anzüge sitzen und die Brillen erst; die Nasenrücken ächzen. "Das wird gut", denkt sich der Autor, hofft das Publikum. Und es wird gut. Fast alle Songs vom neuen, hochgelobten Album Krokus werden gespielt. Einen Favoriten unter diesen Liedern auszumachen scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. So geht es jedem in der Feuerwache: die neuen Songs kommen ausnahmslos gut an. "Wir haben einen Bandsound entwickelt, der klar, trocken und gleichzeitig räumlich ist", sagte Markus Berges zum neuen Werk seiner Band. Auf dem neuen Album sei es auch darum gegangen, diese Qualitäten weiter zu schärfen. Das ist Erdmöbel mit Krokus eindeutig gelungen.

Der optische Eindruck der Band ist mindestens so ungewöhnlich wie Musik und Texte auch wirken. Links und rechts sitzen am Flügel und am Schlagzeug zwei Männer, die wie Wirtschaftswunder-Papis mit Schiebermütze aussehen, Bassist Ecky trägt einen Anzug, wie er in einem deutschen Fernsehspiel von 1970 nicht auffallen würde und Sänger Markus Berges wirkt wie ein aus der Zeit gefallener Studienrat mit einer Brille, die außer ihm und Georg Kreissler nach 1978 keiner mehr tragen wollte. Durch die Reduktion auf den Flügel bekommt der Keyboardsound der Band eine Veredlung aber natürlich auch Verengung. Auch Berges lässt die Gitarre soundmäßig weit zurück fallen, was bei alten Kracher wie Das Beste am Osten dazu führt, dass die Power der Originalversion an diesem Abend nicht erreicht wird. Was ja aber auch wahrscheinlich bewusst intendiert ist.

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Vor dem Song Snoopy-T-Shirt hält die Band Ausschau nach Zuschauern, die in eben so einem erschienen sind. Zwei sind es immerhin, die auch noch zufälligerweise das gleiche Shirt tragen und für den Song auf die Bühne geholt werden. Die Stimmung in der halb gefüllten Feuerwache ist fantastisch, das Publikum klatscht, singt und hofft stets, dass die Band noch ein Lied mehr spielt. Nach fast zwei Stunden ist jedoch auch das schönste Konzert leider vorbei. Zwei Zugaben gibt es, zur Erdmöbel-Version von Close to you von den Carpenters wird minutenlang mitgesungen. Der Band scheint es zu gefallen, hoffentlich kommen sie bald wieder. Schön, dass es eine Band wie Erdmöbel gibt.

Setlist:

Arbeiten | Ausstellung über das Glück | Fremdes | Emma | 77ste Liebe | Genau wie ich mir es wünsche | Dawai,Dawai | Krokusse | Wort ist das falsche Wort | Brasilia | Erster Erster | Snoopy-T-Shirt | Vergnügungslokal mit Weinzwang | Das Beste am Osten | In den Schuhen von Audrey Hepburn | Das Leben ist schön | Nah bei Dir
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Die Devise der Sterne | Dreierbahn | Sunrise
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Leben ist trivial

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