Wishbone Ash (live in Hamburg, 2011)

Wishbone Ash (live in Hamburg, 2011) © Falk Simon

Fast auf den Tag genau ein Jahr war es her, dass Wishbone Ash in der Fabrik Hamburg ein begeistertes Publikum zurückgelassen haben. Vergangenen Montag machten sie genau dort weiter, wo sie aufgehört hatten: mit "Blowin Free" eröffneten sie das Konzert gleich mit einem Hit.

{image}Der Vorteil einer so erfolgreichen Band ist, dass sie als Aufwärmer keine weniger populären Stücke nehmen muss, sondern gleich in die Vollen gehen kann. Bei Blowin Free war das zwar etwas schade, da der Sound noch nicht ganz auf die doch etwas diffizilen Gegebenheiten der Farbrik in Hamburg Altona eingepegelt war. Besser wäre dafür das Folgestück I See Red gewesen, das mit schlichtem, klassischem Powerrock aufwartete. Erfreulich war dieses Jahr, dass Wishbone Ash endlich die Videoleinwand zu Hause gelassen hatten, die bei ihrem letzten Konzert anfangs interessant, dann aber nur noch störend war. So konnte man den Synchrontanz von Bassist und Gitarristen anschauen, ohne durch die verpixelten Abbilder abgelenkt zu werden. Mit Can't Go It Alone folgte ein aktuelles Stück, was sehr rockig war und an die alten Kompositionen heranreichen konnte. Bemerkenswert war auch wieder, wie gut die Stimme von Sänger und Mastermind Andy Powell immer noch ist.

{image}Fesselnd an diesem Abend war ein hypnotisierender Klang, manchmal mit rauem Tremolo wie bei Birth Control, manchmal getragen wie bei Beggars Opera. Traumhaft mutete auch das Synchronspiel zwischen Gitarisst Muddy Manninen und dem Bassisten Bob Skeat an. In der derzeitigen Besetzung ist Wishbone Ash so gut aufeinander abgestimmt wie schon lange nicht mehr. Aus dem Synchronspiel brach die ein oder andere Gitarre in ein Solo aus und kehrte fast unbemerkt zurück, es ging in den Refrain, Gesang kam dazu und schon wurde der Zuhörer in instrumentale Spären mitgenommen – alles war ein einziger Flow.

Den nächsten Knaller landeten die Engländer mit einer super extended Version von Warrior. Möglicherweise deshalb, weil das Konzert für einen Live-Mitschnitt für eine neue CD aufgezeichnet wurde. Mit Hamburg und der Fabrik ist die Band schon länger verbandelt, wurde hier auch die letzte Live-DVD aufgenommen. Der Instrumentalklassiker Fubb wurde dann von Bob Skeat eingeleitet, plötzlich tauchte der fünfte Mann an den Congas auf und legte ein gekonntes Solo hin. Danach bewiesen sie ihre Fähigkeiten für geschmeidigen Progrock mit In Crisis, eine Performance, die auch Dream Theater das Wasser reichen konnte. Nach über einer Stunde war das halbe Konzert gespielt und wurde mit Northern Lights in seichtere Gewässer überführt, in denen ein bischen Powerrock kam, aber auch noch The King Will Come. Auch hier gab es wieder kurzweilige und kurze Soli sowie ein sehr straightes und doch leicht verspieltes Schlagzeug von Drummer Joseph Crabtree, der seit kurzem die Band auf Tour begleitet.

{image}Nach über zwei Stunden wurde das Konzert mit dem Uraltstück Phoenix beendet; episch, fett und gut! Die Ausarbeitung des sphärisch und dann wieder knalligen Stückes, das die Grundlage für das Album Argus bereits komplett beinhaltet, konnten viele nicht bis zum Ende hören, da in Hamburg die S-Bahn bereits um halb eins den Betrieb einstellt. Sie verpassten auch die Zugaben Jail Bait und Ballad of the Beacon. Somit gab es wieder mal ein Konzert von über zweieinhalb Stunden und nicht nur einen Kurzgig, wie man mittlerweile von einigen Neu- und Megastars gewohnt ist. Wishbone Ash ist und bleibt eine Band, die Spaß an der Musik hat und diesen auch auf Konzerten die Zuschauer spüren lässt.

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