Deep Purple (live in Mannheim, 2010)

Deep Purple (live in Mannheim, 2010) © René Peschel

Ziemlich exakt zwei Jahre nach ihrer letzten Tour waren Deep Purple wieder in Deutschland unterwegs. regioactive.de war mit Fotografen in Mannheim und Hamburg vor Ort und der Ansturm der Leser und Fans auf die Galerien war enorm. Grund genug, auch in Stuttgart nochmal reinzuschauen. Vor leider nur halbvoller Hans-Martin-Schleyer-Halle zeigten Marillion und Deep Purple dem Publikum dort ein weiteres Mal, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

{image}Gegen Gerüchte, dass dies ihre letzte Tour sein könnte, gehen Deep Purple aktiv vor: Ein klares "Nein" ist auf ihrer Webseite zu lesen – wohltuend in Zeiten, in denen der ein oder andere Künstler aus Marketinggründen schon gleich mehrere Tourabschiede auf dem Buckel hat. Deep Purple spielen, da darf man sich wahrscheinlich sicher sein, bis ganz zum Ende ihrer Karrieren. Mit über 8.500 Zuschauern war die Hans-Martin-Schleyer-Halle jedoch leider nur etwas mehr als zur Hälfte gefüllt, ähnlich wie wir dies bei der Mannheimer Show erlebten. Normalerweise finden über 15.000 Menschen in der Arena in Bad Cannstatt Platz. Das hielt die Rock-Oldies von Deep Purple aber hier nicht davon ab, das Stuttgarter Publikum zu begeistern.

{image}Zur Vorbereitung auf den Hauptact hatte sich Marillion angekündigt. Die Briten, die 1979 ursprünglich in Aylesbury gegründet wurden und somit auch schon einiges an Altersweisheit sammeln konnten, hatten eine Stunde Zeit, um den Fans einzuheizen. Ihr aktuelles Album Less Is More erschien letztes Jahr im Dezember. Sänger Steve Hogarth, der selbst "erst" seit 1989 Sänger der Band ist, lebte seine Musik förmlich auf der Bühne und bot jeden Song mit viel Gestik und sehr stimmgewaltig dar.

Um 21:30 Uhr war es dann endlich soweit: Die Rockdinos von Deep Purple stürmten die Bühne. Highway Star vom Album Machine Head, das schon kurz nach Erscheinen zum Klassiker wurde und als ein Wegbereiter des Heavy Metal gilt, war eine gelungene Eröffnung und ließ den Funken direkt auf das Publikum überspringen.

{image}Gleich nach den ersten Songs wurde auch klar: Nach dem Ausscheiden von John Lord an den Keyboards hat sich Don Airey endlich im "Team" eingefunden. Schien er vor zwei Jahren noch eine billige Imitation von John Lord zu sein, sind diese Zeiten nun endgültig vorbei. Airey drückte mit seinem Keyboardspiel dem Gig seinen Stempel auf, auch wenn er sich dabei manchmal etwas in der Lautstärke vergriff. Zusammen mit Ian Paice, Roger Glover und Steve Morse lebte er Deep Purple im Jahr 2010. Das großartige Zusammenspiel der Band kaschierte auch die kleinen stimmlichen Probleme von Sänger Ian Gillan dermaßen geschickt, dass es den meisten Fans wahrscheinlich gar nicht auffiel.

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{image}Diese Probleme sind auch der Grund, warum Gillan Child In Time nicht mehr singen konnte. Der Song wurde 1969 mit dem Royal Philharmonic Orchestra aufgeführt und für das Livealbum Concerto For Group And Orchestra aufgenommen. 1970 erschien er dann auf Deep Purple In Rock. Das Fehlen von Child In Time tat aber niemandem weh, allein schon wegen der restlichen Songauswahl: Unbekanntere und vor allem nicht so oft gespielte Songs wie Hard Lovin' Man, Maybe I'm A Leo oder Rapture Of The Deep wechselten sich mit den Klassikern Strange Kind Of Woman, Black Night und Perfect Strangers geschickt ab. Das Ganze gipfelte, natürlich, in einem kraftvoll gespielten Smoke On The Water. Nach neunzig Minuten Rockpower pur folgte schließlich noch die Zugabe Hush, ein Cover vom Billy Joe Royal-Original. Höhepunkt des Abends war aber wohl das Gitarrensolo von Steve Morse bei When A Blind Man Cries. Vor zwei Jahren schien noch nicht ganz sicher, ob sich Deep Purple in dieser Besetzung durchsetzen können. Jetzt, im Jahr 2010, ist klar: Sie können es!

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