Denis Colin & La SociéTé des Arpenteurs (live in Ludwigshafen, 2010)

Denis Colin & La SociéTé des Arpenteurs (live in Ludwigshafen, 2010) © René Peschel

Bei ihrem Auftritt im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals knüpfen Denis Colin & la Société des Arpenteurs erfolgreich an die elektrischen Experimente von Miles Davis in den 1970ern an, können ihr hohes Niveau zu Beginn jedoch nicht durchgehend halten.

{image}La Société des Arpenteurs - die Gesellschaft der Landvermesser, was für einen seltsamen Namen hat sich Denis Colin für seine Band ausgedacht! Er verführt dazu, über "musikalische Landstriche" und "überraschende Orte" zu schreiben, die angeblich erschlossen würden. Insofern ist der Name ein voller Erfolg: Er erzeugt Assoziationen, die neugierig machen auf die Musik. Was verbirgt sich hinter diesem Namen? Ein kleiner Geniestreich! Das wirft natürlich ungehend die Frage auf, ob Denis Colin und seine Landvermesser die Erwartungen, die sie durch ihre geschickte Namensgebung wecken, bei ihrem Auftritt im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus auch einlösen können.

Die Société besteht neben dem Bassklarinettisten Denis Colin aus dem Tenor- und Sopransaxophonisten Tony Malaby dem Gitarristen Julien Omé, dem Schlagzeuger Thomas Grimmonprez, dem Bassisten Stéphane Kerecki und Benjamin Moussay am Fender-Rhodes.

{image}Denis Colin und seine Band beeindrucken in den ersten beiden Stücken mit einem wahren Feuerwerk. Nach einem ruhigen Auftakt, erhöht die Rhythmusgruppe das Tempo und erzeugt einen dichten, durchdringenden Klangteppich, den Colin und Malaby benutzen, um ihre Improvisationen stetig eskalieren zu lassen und in die höchsten Höhen zu treiben. In seiner Wildheit und Geschlossenheit erinnert der Klang durchaus an die Experimente von Miles Davis in den frühen 1970ern. Da Colin den Gesamtklang der Band in den Vordergrund rückt, ist es nur konsequent, dass die Musiker der Rhythmusgruppe erst viel später am Abend die Gelegenheit zu eigenen Soli erhalten. Gerade zu Beginn ermöglichen sie es den Blasinstrumenten sich auf ihrem rythmischen Fundament in Szene zu setzen.

Nach diesem fulminanten Auftakt drosselt Denis Colin das Tempo und beginnt, ganz unterschiedliche Stilrichtungen in seine Musik einzubeziehen. Es folgen beispielsweise ein langsameres grooviges Stück, das in ebenso starkem Maß aus dem Fusion-Jazz der 1970er lebt, den es vornehmlich im Klang der Gitarre und des Fender-Rhodes wiederholt aufgreift. Colin und Band spielen aber auch eine Ballade, die aufgrund ihrer melancholischen Stimmung sehr gut auf ein ECM-Album passen würde. Gelegentlich begnügt sich Colin auch, die Musik der Band unauffällig vor sich hin köcheln zu lassen, ohne sie jemals in Wallung zu bringen, wie zu Beginn des Konzerts. In diesen Momenten wünscht man sich, Colin würde mehr Entschlossenheit, mehr Radikalität und mehr Emotionen in seine Musik investieren.

{image}Insgesamt überzeugen Denis Colin & la Société des Arpenteurs dann am meisten, wenn die Rhythmusgruppe ihre Flexibilität und Dynamik ausspielen kann und damit Colin und Malaby regelrecht antreiben, sich auf eine musikalische Entdeckungsreise mit ungewissem Ausgang zu begeben. Dann verlassen sie gelegentlich den runden vollen Sound, den sie ansonsten bevorzugen und bereichern die Musik um den lebendigen Ausdruck des Moments, das Glücksgefühl, das den Zuschauer ergreift, wenn ihn die Musik etwas vermittelt, was er vorher nicht geahnt hatte. Warum Colin sich dieser Mittel nicht durchgehend bedient, ist unklar, es ist aber möglich, dass das nicht seinem Naturell entspricht. Vielleicht fehlt ihm die aggressive Radikalität eines Miles Davis, der stets nach neuen Wegen der musikalischen Kommunikation suchte und sich nie scheute, altbekannte Wege zu verlassen, um seine musikalischen Visionen zu verwirklichen. Wenn Colin davon spricht, sein Projekt "zum Kochen" und auch zum Überkochen bringen zu wollen, dann sollte er das wirklich konsequent umsetzen. Die Begeisterung, mit der die Zuschauer die ersten beiden Stücke aufgenommen haben, sollte ihn zusätzlich motivieren, dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

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