Tomasz Stanko Quintet (live in Mannheim, 2010)

Tomasz Stanko Quintet (live in Mannheim, 2010) © René Peschel

Tomasz Stanko präsentiert sich bei seinem Konzert in der Alten Feuerwache in Mannheim in guter Form, obwohl er Zweifel an der Klasse seiner Band nicht völlig auszuräumen vermag.

Mehr als ein Jahr ist vergangen, seit Tomasz Stanko sich mit seinem damals neuformierten Quintett in ziemlich desaströser Form bei Palatia Jazz präsentierte. In der Zwischenzeit hat er mit Jakob Bro einen neuen Gitarristen verpflichtet, die übrige Band bestehend aus dem Pianisten Alexi Tuomarila, dem Bassisten Anders Christensen und dem Schlagzeuger Olavi Louhivuori ist unverändert geblieben.

Die Frage, ob damit alles besser geworden ist, lässt sich nach dem Konzert in der Mannheimer Alten Feuerwache im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals nicht leicht beantworten.

Unsicherheiten

Stark verbessert zeigt sich fraglos das Zusammenspiel der Band. Man hat nicht länger den Eindruck, dass kein echter Zusammenhalt zwischen den Musikern existiert. Im Gegenteil, die Musik ist dann am Besten, wenn die gesamte Band einen dichten Klangteppich schafft, der ebenso dicht wie intensiv ist.

Allerdings ist fraglich, ob dieser musikalische Hintergrund ideal für Stankos Trompetenspiel ist, das ebenso feurig und leidenschaftlich wie lyrisch und zärtlich sein kann. Die Band scheint den Trompeter gerade in den langsameren, balladesken Stücken etwas zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Für die schnelleren, intensiven Kompositionen erweist sich die Band hingegen als zu statisch und konturlos, so dass Stankos Trompetensoli keine rechte Balance zum Klang der übrigen Band finden.

Findungsphase

Im Vergleich zum Deidesheimer Konzert verbessert, aber keineswegs durchgehend überzeugend, sind die Soli der einzelnen Musiker. Die wechselhafte Qualität der Performances lässt sich am Beispiel des Gitarristen Bro verdeutlichen, der außerordentlich viel Raum erhält, sein Können zu zeigen: Einige Soli gelingen ihm hervorragend, sie sind flüssig und lebendig, während andere mühsam und uninspiriert wirken.

Pianist Tuomarila, der hauptsächlich über der Musik der übrigen Band soliert, zeigt sich im Vergleich zum Deidesheimer Konzert präsenter und ausdrucksstärker. Nach wie vor ist Bassist Christensen eine offensichtliche Schwachstelle, während Schlagzeuger Louhivuori durchweg den überzeugendsten Eindruck hinterlässt.

So bewundernswert Tomasz Stankos Absicht ist, mit jungen Musikern zu arbeiten und ihnen breiten Raum für ihre musikalischen Darbietungen einzuräumen, so unklar ist immer noch, ob diese Musiker in der Lage sind, einen angemessenen Rahmen für seine Musik zu schaffen. Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr sind unübersehbar, aber die Distanz zum herausragenden polnischen Quartett (mit Marcin Wasilewski u.a.) ist nach wie vor unüberhörbar groß.

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