Hammerfall (Bang Your Head!!! in Balingen, 2010)

Hammerfall (Bang Your Head!!! in Balingen, 2010) © Hannes Mezger

Das Bang Your Head!!!-Festival fand mittlerweile zum 15. Mal statt und unser Fotograf Hannes Mezger war in Balingen vor Ort. Und als er seine Kamera bei Seite gelegt hatte, zückte er Zettel und Stift und schrieb seine Eindrücke nieder. Normalerweise berichtet er über HipHop-Events, doch dieses Mal hat er mit dem Blick eines Außenstehenden sich eine für ihn neue Szene angeschaut. Hier also der Bericht eines Metal-Greenhorns über das Bang Your Head 2010 inkl. zahlreichen Live-Fotos!

Fotogalerien vom Bang Your Head!!! | 1) Hammerfall, Doro und Drumherum. | 2) Twisted Sister, Bullet und Krokus. | 3) Sacred Steel, Treat, Nevermore und Queensryche.
{image}Es gab einiges an Vorurteilen über die Heavy Metal-Gemeinde, die ich mit mir herumtrug – einige wurden gnadenlos bestätigt, andere dagegen vollkommen verworfen. Doch als ich ankam, bestätigte sich gleich die erste Annahme: ein enormer Männerüberschuss, meist schwarz gekleidet, drückte sich durch die Eingangsschleusen. Frauen waren spärlich vorzufinden, aber wenn, dann meist in voller Montur. Allgemein waren fast ausschließlich schwarze T-Shirts oder Unterhemden mit Totenköpfen, Drachen oder ähnlichem zu sehen. Diese wurden oft mit einer Jeans-Weste kombiniert, die mehr aus Aufnähern, als aus Jeans-Stoff bestand. Wobei die Bedeutung der Aufnäher besonders zu erwähnen ist: auf dem Rücken, zentral zwischen den Schulterblättern, prangt ein Rechteck mit dem Logo der Lieblingsband. Rings herum sind die restlichen Lieblingsbands angeordnet. Es fällt auf, dass dieses Schema fast durchgängig Anwendung findet.

{image}Die Thrash-Metaller stachen besonders heraus: ihre Röhren-Leggins – gerne auch im Zebra- oder Tiger-Muster – wurden mit Old-School-Sneakers versehen. Und, na klar: die Jeans-Weste war auch bei ihnen nicht wegzudenken. Überraschend war, wie breit die Altersspanne auf dem Bang Your Head!!! war. Neben vereinzelten Säuglingen jagten auch einige Kinder, mit Lärmschutz versehen, durch die Menge. Und nach oben hin gab es fast keine Grenzen mehr. Der ein oder andere Metaller headbangte in grau, und manchem fehlte gar der Haaransatz zur Mähnenpracht. Apropos Headbangen: Man erkannte auch als Laie, was für eine Kunst sich hinter dem Headbangen versteckt. Schon nach kurzer Zeit konnte ich einen guten von einem schlechten Headbanger unterscheiden.

Metaller sind harte Jungs – dieses Vorurteil musste auf dem Bang Your Head!!! allerdings verworfen werden. Klar, mit einigen von den Jungs will man keinen Stress, so viel ist sicher. Aber die Stimmung auf dem Festival war allgemein einfach nur angenehm und entspannt. Wenig Rumprolete, große Rücksichtnahme auf Jüngere und Frauen und auch beim Anstehen fürs Bier gab es kaum Gerdränge. Davor ziehe ich meinen Hut!

{image}Nun aber zum Festival an sich. Zum 15. Mal fand das Bang Your Head!!! schon statt – anfangs noch im kleinen, fast privaten Rahmen, heute mit Massen im fünfstelligen Bereich. Die Organisation, wie nach 15 Jahren auch zu erwarten, lief reibungslos ab. Musiktechnisch war so ziemlich alles dabei, was das Metal-Herz begehrte, vom Classic- und Power-Metal über Newcomer-Bands bis hin zu Oldies war alles vertreten. Doch das Event stand ganz im Zeichen des im Mai verstorbenen Ronnie James Dio, unter anderem Mitglied der legendären Black Sabbath. Auch die großen Acts ließen es sich nicht nehmen Tributes zu performen, wie Jon Oliva's Pain mit Rainbow In The Dark oder Man On The Silver Mountain von Hammerfall. Es war absolut beeindruckend, wie emotional die Sänger, als auch das Publikum jedes Mal reagierten. Ein Mittvierziger in Metal-Kluft und blonder Mähne erklärte mir Dio als seine Identifikationsfigur der Jugend: "Ein Gott isch des gewesen, aber trotzdem total normal. Der isch hier übers Gelände gelaufen, wie jeder andere!"

{image}Während am Freitag die Sonne einige böse Sonnenbrände hinterließ, goss es am Samstag wie aus Kübeln. Zum Glück war ein Großteil des Messegeländes geteert, so dass vor der Bühne keine Schlammpampe entstand. Viele trotzten dem Wetter und verharrten vor der Bühne, was auch von den Bands gewürdigt wurde. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die Lautstärke. Teilweise suchte ich nach meinen Oropax, um sie letztlich in meinem Ohr zu finden – es war schon übertrieben laut. So laut, dass die Securities Leute aus den ersten Reihen herauszogen, weil sie keine Oropax hatten! Zu den Highlights am Freitag gehörten neben den Headlinern Hammerfall die Gruppe Sabaton. Einige hätten sie viel lieber am Abend gesehen, so viel war sicher. Wie auch schon am Freitag wurde am Samstag die Löw-Elf von ausländischen Acts gewürdigt. Quireboys-Sänger Spike, wohlgemerkt Engländer, verkündete: "You should have won the world cup. You kicked our arse! And yes, we deserved it!".

{image}Twisted Sister waren schon des Öfteren im Shuttle-Bus angestimmt worden. "We're not gonna take it"-Gegröle und jede Menge Merchandise ließen den Legendenstatus der Jungs erahnen. Als Headliner des Samstages wurden sie ihrer Rolle gerecht und lieferten eine Power-Show ab, die sie auch selbst für die kommende DVD filmen ließen. Es schien, als wollten viele Fans "We're not gonna take it" nie enden lassen. Am Schluss blickte Sänger Daniel "Dee" Snider in die Menge und erkannte beeindruckt an: "Holy Scheiße! You got fucking kick ass!" Ja, die Stimmung war sehr gut und entspannt, trotz Regen und trotz reichlich Alkohol. Ich muss der Metal-Gemeinde ab sofort einiges anerkennen.

Fotogalerien vom Bang Your Head!!! | 1) Hammerfall, Doro und Drumherum. | 2) Twisted Sister, Bullet und Krokus. | 3) Sacred Steel, Treat, Nevermore und Queensryche.

Alles zum Thema:

bang your head

Das könnte Sie auch interessieren