Jazz & Joy (Logo, 2010)

Jazz & Joy (Logo, 2010) © Jazz & Joy

Nach dem desaströsen letztjährigen Jazz & Joy in Worms erschien manchen Beobachtern die Zukunft des Festivals fraglich. Mit der Konzentration auf musikalische Klasse und der Wiederbelebung des alten Konzepts einschließlich niedriger Eintrittspreise gelang den Organisatoren am vergangenen Wochenende ein fulminanter Neustart.

{image}In Verkennung der Stärken von Jazz & Joy hatten die Wormser Verantwortlichen letztes Jahr eine ganze Reihe Fehler begangen: Sie reduzierten die Anzahl der Bühnen, erhöhten die Eintrittspreise und zeigten wenig Gespür für die richtige Zusammenstellung des Programms. Das Ergebnis waren drastisch gesunkene Besucherzahlen und trotz schönem Wetter eine teilweise trostlose Atmosphäre. Dieses Jahr vollzogen die Organisatoren einen vollständigen Kurswechsel. Die besucherfreundlichen günstigen Eintrittspreise in Form der Mehrtageskarten wurden wieder eingeführt, die Anzahl der Bühnen auf fünf ausgeweitet und der gewohnte Charakter einer "Flaniermeile" zwischen Schlossplatz und Andreasstift wieder hervorgehoben. Das Resultat war ein Anstieg der Besucherzahlen von 13.000 auf 20.000 bei allseitiger Zufriedenheit.

{image}Der Erfolg zeigt, dass sich die schwierige Aufgabe eine Balance zwischen Jazz-Fans, Pop-Fans und Besuchern, die Jazz & Joy als gesellschaftliches Ereignis mit Musikuntermalung betrachten, dadurch lösen lässt, größtmögliche Vielfalt und Offenheit zu praktizieren, ohne beispielsweise die abschätzig als "Jazz-Puristen" bezeichneten Zuschauer vom übrigen Geschehen abzutrennen und ihnen das Andreasstift als eigenes kleines Biotop zuzuweisen. Abgesehen von der wunderschönen Atmosphäre des Festivals rund um den Dom ist es gerade die Möglichkeit, sich eine Vielzahl unterschiedlicher Bands und Musikrichtungen auf kleinem Raum anzuhören, die das Wormser Jazzfestival auszeichnet.

Musikalisch lässt sich das Programm des diesjährigen Festivals in zwei Punkten zusammenfassen: mehr Jazz und weniger halbgare Kompromisse. Es ist vollkommen einsichtig, dass ein Jazzfestival in Worms niemals nur aus Jazz bestehen kann. Ein Mindestmaß sollte jedoch vorhanden sein, sonst gerät der Name "Jazzfestival" zu einer lächerlichen Farce. Mit Jazz ist nicht die Unterhaltungs- bzw. Hintergrundmusik auf dem Weckerlinsplatz gemeint, sondern der moderne Jazz in all seinen Spielarten, die übrigens keineswegs puristisch sind.

{image}In diesem Jahr überzeugte besonders der Träger des Wormser Jazzpreises, Gary Fuhrmann, mit einem anspruchsvollen und mitreißenden Auftritt sowie Heinz Sauer und Michael Wollny, die dem am Sonntag hereingebrochenen Regen trotzten und ein Programm meditativer Klarheit und eindringlicher Schönheit präsentierten. Gelobt wurden auch der solide Auftritt von Stefanie Heinzmann, das Portico Quartet und die 17 Hippies. Schwieriger und unzugänglicher präsentierte sich hingegen der englische Avantgarde-Gitarrist Fred Frith mit Cosa Brava, der mehr als nur einige Zuschauer ratlos zurückließ.

Ob der Erfolg von Dauer sein wird, muss sich allerdings im nächsten Jahr zeigen, da aus realen oder eingebildeten Terminschwierigkeiten geplant ist, das Jazz & Joy vom Juni in den Ferienmonat August zu verlegen. Angesichts der im August zu erwartenden geringeren Zuschauerzahlen wäre es besser, den traditionellen Termin Anfang Juni zu belassen und den diesjährigen Erfolg nicht erneut durch unnötige Experimente im Nachhinein in Frage zu stellen.

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