Joanna Newsom

Joanna Newsom © Paul O'Valle

Joanna Newsom präsentiert sich bei ihrem Auftritt in Frankfurt als vollendete Künstlerin, der es anscheinend mühelos gelingt, das Publikum mit einer perfekten Interpretation ihrer komplexen Musik zu begeistern.

Ein Dreifach-Album kann entweder als Signal für Größenwahn und Maßlosigkeit oder als Ausdruck fast grenzenloser künstlerischer Ambitionen betrachtet werden. Mit der Veröffentlichung des 3-LP/3-CD Sets "Have One On Me" zu Beginn des Jahres rief die kalifornische Sängerin, Songwriterin und Harfenspielerin Joanna Newsom bei ihren Fans leidenschaftliche Begeisterung, bei ihren Verächtern hingegen Unverständnis, Ablehnung und teilweise gehässigen Spott hervor. Während einige in dem gewaltigen Werk das Schaffen eines musikalischen Genies erkannten, waren andere wiederum von Joanna Newsoms eigenwilligem Gesang und der wortreichen Komplexität des Albums abgeschreckt.

Intensiv und klar

"Have One On Me" ist fraglos ein imposantes, respekteinflößendes Werk. Es fordert die vollständige Aufmerksamkeit und Hingabe des Zuhörers. Man durfte gespannt sein, wie es Joanna Newsom und ihrer Band gelingen würde, die vielschichtigen Arrangements im Rahmen eines Konzertes umzusetzen. Der Arrangeur und Produzent von "Have One On Me", Ryan Francesconi, hatte jedoch bereits mit der Bearbeitung der von Van Dyke Parks geschriebenen Orchesterparts von "Ys" für die anschließende Tour bewiesen, dass er in der Lage ist, eine solche Aufgabe zu bewältigen.

Die gemeinsamen Bemühungen von Newsom, dem Schlagzeuger Neal Morgan und Francesconi, der Gitarre, Banjo und Tambura spielt, zahlten sich jedenfalls voll aus. Joanna Newsom und ihrer Band, zu der auch Posaunist Andrew Strain und zwei Violinistinnen zählen, gelang ein vollkommen überzeugender Auftritt, der das Publikum in der ausverkauften Dreikönigskirche in Frankfurt-Sachsenhausen zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss. Newsom spielte abwechselnd Harfe und Klavier und sang dazu in einer überwältigenden Intensität und Klarheit. Ihr Gesang war dabei keineswegs schrill oder penetrant, sondern harmonierte wunderbar mit dem Spiel der übrigen Band.

Beeindruckende Dynamik

Newsom begann das Konzert mit zwei Liedern, die sie mit traumhafter Sicherheit allein an der Harfe vortrug, nämlich "Sawdust And Diamonds" von ihrem zweiten Album "Ys" und "'81". In den folgenden Stücken und in Begleitung der Band erwies sich Schlagzeuger und Perkussionist Neal Morgan als ihr wichtigster musikalischer Partner. Er vermochte es mit seiner subtilen Spielweise wunderbare Akzente zu setzen und der Musik eine beeindruckende Dynamik zu verleihen.

Und diese war der Schlüssel des Konzertes. Auf meisterhafte Weise gelang es Joanna Newsom und ihrer Band, die teilweise episch langen und wortreichen Lieder mit behutsamen Steigerungen und Akzentuierungen auf eine Weise zu arrangieren, die sie niemals langweilig oder langatmig wirken ließen. Der Einsatz von Violine, Gitarre, Schlagzeug, Posaune und Background-Gesang war so atemberaubend sicher, dass viele Zuschauer von der musikalischen Brillanz des Auftritts den Musikern schier überwältigt am Ende Standing Ovations spendierten.

Sympathische Gastgeberin

Joanna Newsom präsentierte sich mit ihrem Konzert als vollendete Künstlerin, die nicht nur gewaltige Ambitionen hegt, sondern auch über ein enormes Talent verfügt, mit dem sie ihre Musik perfekt aufführen kann. Ermöglicht wird das durch ihre Fähigkeit, sich geeignete Mitstreiter auszusuchen, die sie in kongenialer Weise bei der Umsetzung dieser Ambitionen unterstützen.

Newsom zeigte sich trotz der enormen Anforderungen, die das Konzert an sie stellte, als gutgelaunte Gastgeberin, die ihrem Publikum natürlich und unverkrampft gegenübertrat, ohne von ihrer musikalischen Vision Abstriche zu machen. Die Perfektion ihrer Konzerte wird ohne Zweifel dazu beitragen, dass in Zukunft noch zahlreiche weitere Musikliebhaber das Werk dieser einzigartigen Künstlerin kennen und schätzen lernen werden.

Setlist

Sawdust And Diamonds | ’81 | Have One On Me | Easy | Soft As Chalk | In California | Inflammatory Writ | Good Intentions Paving Company | Autumn | Emily | Peach, Plum, Pear

Zugabe: Baby Birch

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