Max Herre

Max Herre

Mittlerweile ist aus "Max aus dem Schoß der Kolchose" Max Herre geworden, der als Solo-Künstler durch das Land zieht. Der charismatische Sänger und Songwriter konnte beim Gig im Heidelberger Karlstorbahnhof die Gäste mit musikalischem Tiefgang und wortgewandten Lyrics in seinen Bann ziehen.

{image}Bekannt wurde Max Herre mit der Stuttgarter HipHop-Kombo Freundeskreis, die seit ihrer Gründung 1996 mit ihren sozialkritischen und politischen Texten den deutschen Rap revolutionierte. Hits wie A-N-N-A, Tabula Rasa oder das Rio Reiser-Cover Halt' dich an deiner Liebe fest katapultierten den Freundeskreis in die Charts und bescherten den Stuttgarter Rappern eine große Fanschar. Das 1999 erschienene Album Esperanto mit dem gleichnamigen Titeltrack verdeutlichte das Anliegen der Künstler, eine weltweite barrierefreie Verständigung und Gleichberechtigung voranzutreiben: "Musik ist Weltsprache, keine schnelle Geldmache!" rappte Max Herre mit seiner charakteristischen Stimme schon damals.

{image}Von seinem Tiefgang hat Max Herre durch das Ankurbeln seiner Solo-Karriere nichts eingebüßt. Auch wenn die Texte auf den bisher ausgekoppelten Alben Max Herre und Ein geschenkter Tag etwas weniger sozialkritisch ausfallen als noch zu Freundeskreis-Zeiten, beweist der Stuttgarter Songwriter und Sänger musikalische Offenheit und Bandbreite. So auch bei dem Live-Termin im Heidelberger Karlstorbahnhof. Doch zunächst präsentierte eine andere Formation dem Heidelberger Publikum ihre Werke. Laura López Castro und Don Philippe, der ebenfalls aus der Kolchose bekannt ist, schafften es, mit wenigen Mitteln eine Gänsehaut-Atmosphäre zu generieren. Mit Gitarre und Lauras betörender Stimme entwickelten die beiden Musiker tiefgründige Harmonien, die von Liebe, Glück aber auch Weltschmerz und Verzweiflung handeln. Laura sang mit solcher Inbrunst über die bewegte Geschichte ihrer spanischen Vorfahren, dass man ihr jedes Wort glaubte, selbst wenn man es nicht verstand. Spanisch, französisch, englisch – Lieder kann man in vielen Sprachen singen, und doch bedarf es im Grunde keiner Sprache, um den Zuhörer zu bewegen.

Nach etwa 45 traurig-schönen Minuten räumte das Duo die Bühne und Max Herre inklusive Live-Band betraten diese. Und bereits nach den ersten Takten wurde klar: Max Herre erzählt mit seinen Liedern Geschichten, die berühren. Große und kleine Gefühle, neu gefundene Liebe oder Trennungsschmerz, all das verarbeitet der Künstler in seinen Liedern. Die Songauswahl konzentrierte sich fast ausschließlich auf das 2009 veröffentlichte Album Ein geschenkter Tag. Blick nach vorn, Scherben, Wo rennen wir hin? und der humorvolle Titeltrack Ein geschenkter Tag kamen bei den textsicheren Heidelberger Fans sehr gut an. Doch auf die Frage "Wollt ihr jetzt vielleicht mal was Altes hören?" wartete das Publikum schon sehnsüchtig und feierte den Sänger mit der leicht abgeänderten Version von A-N-N-A frenetisch. Max Herre möchte nicht der ewige Freundeskreis-Frontmann bleiben, sondern sich mit seinen eigenen Songs verwirklichen. So bekam jeder im Karlstorbahnhof dargebotene Freundeskreis-Song eine individiuelle Max Herre-Note.

{image}Mit Rap hat Max Herre anno 2009 nicht mehr viel zu tun. Viel mehr scheint der große Udo Lindenberg über allen Songs zu schweben, was sich dann endgültig mit dem Lindenberg-Cover Wir wollen doch einfach nur zusammen sein bestätigte. Max Herre präsentierte mit umgeschnallter Gitarre dezenten Pop mit großen Texten, der auch Soul-, Jazz- und Reggae-Einflüsse beinhaltet. Auch von seinem Debüt Max Herre, das 2004 erschien und noch deutliche HipHop-Wurzeln beherbergt, spielte Herre lediglich zwei Songs. Das spanische Sei tu und Du weißt (Bye Bye Baby). Dennoch konnte er die Bühne im Karlstorbahnhof nicht verlassen, ohne ein paar weitere Freundeskreis-Hits zum Besten zu geben. So rundete in der Zugabe Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte das Set ab. Zum krönenden Abschluss gab es Halt' dich an deiner Liebe fest und die Menge nahm die großen Lieder dankbar an. Nach einer zweistündigen Show, in der der charismatische Sänger und seine Bandmitglieder alles gaben, konnten die Zuschauer erschöpft und dennoch frohen Mutes den Karlstorbahnhof verlassen. Ein geschenkter Tag trägt das Prinzip Hoffnung in sich. Das hört und spürt man.

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