Mit ihrem neuen Album "Wake The Dogs" gehen die Donots 2012 auf Tour. Fotostrecke starten

Mit ihrem neuen Album "Wake The Dogs" gehen die Donots 2012 auf Tour.

Weit mehr als nur Urgesteine der Musikgeschichte sind Cypress Hill, die in 19 Jahren ihr neuntes Studioalbum auf den Markt werfen und sich dabei hochkarätige Unterstützung geholt haben. In der deutschen Musiklandschaft können sich Madsen und die Donots schon eine ganze Weile halten und es sieht schwer danach aus, dass auch nach ihren aktuellen Platten viele weitere Werke entstehen werden. Einige andere bekannte Namen finden sich ebenfalls in dieser aufgelegt-Ausgabe.

Donots * Broken Bells * Madsen * Mardi Gras.BB * Saltatio Mortis * Cypress Hill * Detlev Schmidtchen

Donots – The Long Way Home | Solitary Man

{image}Bei einer Band, die mittlerweile ihre zehnte Platte veröffentlicht, fragt man sich in erster Linie, ob sie "noch die Alten" sind. Ja, das sind sie, nur eben doch ein bisschen anders! Die Donots melden sich mit The Long Way Home zurück. Calling, die erste Single aus dem Album, lässt schon erahnen, dass sich die Donots treu geblieben sind, aber trotzdem bringen sie neue Ideen in die Songs. Auch wenn der Sound der altbewährte geblieben ist, experimentierten sie auf ihrem aktuellen Album mit ungewöhnlichen Ideen sowie absoluten Hymnen. Gleich der Opener Changes transportiert einen hynmenartigen, eher untypischen Sound, der sich langsam aufbaut und dann in seiner vollen Wucht ertönt. Die ersten fünf Lieder erinnern an das vorherige Album Coma Chameleon, straight und gut komponierte Popsongs, die oftmals ihresgleichen suchen. Ab der Mitte verändert sich der Sound. Bei Dead Man Walking hört man die Experemtierfreudigkeit der Band, der Song wirkt wie eine punkig geratene Rock'n'Roll-Nummer. Wer einen Ohrwurm sucht, wird ihn bei Who You Are finden, ein Lied, das durch seinen eingängigen Refrain und seiner poprockigen Instrumentalisierung in den Ohren hängen bleiben wird. Den Abschluss bildet der Titel Parade For One, der langsam beginnt und dann seine volle Kraft entfaltet. Insgesamt wirkt das Album wie die Auferstehung einer nie tot geglaubten Band. Die Donots sind zurück und das beweisen sie mit The Long Way Home ganz deutlich.

Wertung: ++++ (Julian Reinecke)

 

Broken Bells – Broken Bells | Columbia

{image}Die Idee eines gemeinsamen Projektes von Danger Mouse und James Mercer, dem Leadsänger der amerikanischen Band The Shins, klingt zunächst vielversprechend. Wer sich von dem Debüt der Broken Bells allerdings einen radikalen Stilbruch im Vergleich zum letzten Shins-Album Wincing The Night Away verspricht, der wird sich eines Besseren belehren lassen müssen. Danger Mouse übernimmt die Rolle der fehlenden Band, ohne ihnen freilich an Subtilität und Ausdrucksstärke gleichzukommen. An die Stelle von Gitarren und Schlagzeug treten elektronische Beats sowie blubbernde und zirpende Soundspielereien. Durch das etwas zu grobe Raster fallen die instrumentalen Feinheiten der Shins, die akustischen Gitarren, Ukulele, Pedal Steel, Streicher und Bläser. Diese Einschränkung wird mit Mercers eindrücklicher gesanglicher Flexibilität und Ausdrucksstärke ihrer Wirkung beraubt. Sein Gesang lässt die von ihm gewohnte gefühlvolle Leidenschaft und Präsenz vermissen, er wirkt unentschlossen und entrückt. Das wäre nicht von Nachteil, wenn es den Broken Bells gelungen wäre, den Sound der Shins konsequent hinter sich zu lassen. Stattdessen verrät das Album mangelnde Entschlossenheit: Vaporize beginnt beispielsweise wie ein klassisches Shins-Lied, verliert sich dann aber in den Klängen von Danger Mouse. Anstatt den Weg von The Ghost Inside konsequent weiter zu gehen und einen eigenen Sound zu kreieren, versuchen die Broken Bells stur, zwei unterschiedliche musikalische Visionen zusammenzufügen. Was nicht passt, wird eben passend gemacht.

Gegen das Album spricht weiterhin das mittelmäßige Songwriting. Kein Lied der Broken Bells ist so überzeugend wie Australia, Turn On Me, Phantom Limb oder A Comet Appears, um den Vergleich auf das letzte Shins-Album zu beschränken. The High Road und The Ghost Inside bilden daher die einzigen Momente, in denen die Zusammenarbeit Früchte trägt und die Shins in Vergessenheit geraten. Fast alle übrigen Lieder kommen an irgendeiner Stelle vom Weg ab und verlieren sich in Umwegen und Sackgassen. James Mercer und Danger Mouse verfügen jedoch über ausreichende Fähigkeiten, um ein Desaster zu verhindern, aber gemessen an den Veröffentlichungen der Shins ist das Debüt der Broken Bells eine Enttäuschung. Es wirkt wie ein Dialog zweier talentierter Musiker, die gepflegt aneinander vorbeireden.

Wertung: +++ (Daniel Nagel)

 

Madsen – Labyrinth | Universal

{image}Es ist nun fast fünf Jahre her, seit das erste Album von Madsen erschien. Jetzt ist die mittlerweile vierte Platte mit Namen Labyrinth auf dem Markt und soll die Erfolgsserie der Band weiter vorantreiben. Nach dem ersten Hör-Durchgang des Albums merkt man deutlich, inwieweit die Band sich in den fünf Jahren gewandelt hat. Nicht nur die Schrei-Stimme von Sänger Sebastian Madsen ist fast gänzlich gewichen, auch die Instrumentalisierung der Lieder ist ausgefeilter arrangiert, als es noch bei dem ersten Album der Fall war. So erscheint der Opener Labyrinth als eine Mischung aus 80er Pop-Ballade und dem typischen Madsen-Sound. Wer schon bei Frieden im Krieg dachte, Madsen seien ruhiger geworden, der wird bei Labyrinth erst recht diese Tendenz spüren. Als einzige Ausnahme sticht das Stück Blockade heraus, das den Hörer in alte Madsen-Zeiten zurück schickt. Ganz im Mittelpunkt scheinen auf Labyrinth Chöre zu sein, so z.B. bei der Anti-Berlin-Hymne namens Berlin, was willst du von mir? Dort wird der eingängige Refrain "Ich bin so weit weg und doch so nah bei dir – Berlin, was willst du von mir?" durch einen leisen Chor untermalt. Das setzt sich auch im nachfolgenden Song Das muss Liebe sein fort, was ebenfalls im Refrain durch chorale Gesänge getragen wird. Insgesamt wirkt das Album positiver und frischer als die vorherigen Platten. So schließt es auch mit dem Song Sieger ab und macht klar, dass Madsen nicht mehr die Schrei-Band von früher sind, sondern nun gänzlich im Deutsch-Pop-Bereich angekommen sind. Ob das gut oder schlecht ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden – das Album hat jedenfalls viel Potential.

Wertung: ++++ (Julian Reinecke)

 

Mardi Gras.BB – Von Humboldt Picnic | Hazelwood

{image}1873 ließ Jules Verne seine Figur Phileas Fogg in etwas weniger als 80 Tagen um die Welt reisen, nur drei Jahre nach seinem realen Vorbild George Francis Train erschien das Buch. Dessen letzter Satz soll "Ich bin Philaes Fogg" gewesen sein – Zeit seines Lebens konnte er es aber nicht verkraften, dass nicht sein Name im berühmten Roman erschien. Eine Reise um die Welt in der heutigen Zeit ist selbst bei Aschewolken-bedingten Verzögerungen weitaus schneller erledigt, mit Von Humboldt Picnic sogar in beinahe 45 Minuten. Aber auch so, wie die Fliegerei dank einem kleinen Inselberggletscher mit Vorsicht zu genießen war, sollte der Hörer vor dem Ausflug mit Mardi Gras.BB vor kleinen Stolpersteinen gewarnt werden: Wirkt die Weltreise am Anfang noch sehr ruhig und beschwingt, schreckt man als Hörer doch spätestens bei Heart of Darkness – dem Zwischenhalt in Afrika – auf. Der Titel schleppt sich im Gegensatz zu den vorigen Liedern dahin und wird durch die kraftlos gesungene Stimme von Doc Wenz zum Abschied eines Forschungsreisenden. Der Weckruf könnte nicht klarer sein, denn spätestens hier wird klar, dass Mardi Gras.BB in den vorher beschwingten, netten kleinen Liedchen im Schafspelz leicht verdaulicher Musik ernste Themen vorgebracht haben. Dass Heart of Darkness auf seine Weise eine Verbeugung vor Alexander von Humboldt ist, in dem man in manchen Momenten neben afrikanischen Trommeln auch südamerikanische Bläser vernehmen kann (Humboldt selbst war nie auf Forschungsreise in Afrika, dafür aber lange in Südamerika), kommt dann nebenbei auch noch dazu.

Dass die Ernsthaftigkeit aber nicht immer klappt zeigt Irina Smiles, sozusagen Russlands Beitrag für die humboldtsche Reise. Der Titel geht nicht nur in den fernen Osten, sondern auch 25 Jahre in die Vergangenheit und schlägt dem Hörer damit gewöhnungsbedürftige 80er-Momente um die Ohren. Dazu gibt das typische Russlandklischee für den Liedtext nur Gangster und Alkohol her, was das Stück dann schlussendlich zum Füllmaterial verkommen lässt. Mit Klischees beladen ist auch die Reise nach China in Monk Punk, dessen musikalische Grundidee wohl aus einem Cartoon entnommen wurde: Einfallsreich ist dann doch anders. Die dann behandelte Unterdrückung der Tibeter, scheinbar immer noch ein beliebtes Thema unter Kulturschaffenden in unserer ansonsten schnelllebigen Welt, macht das auch nicht wieder wett. Lotterie des Lebens, auf deutsch gesungen, lässt dann aber wieder alles anders aussehen und gibt auf den ersten Blick den ungewöhnlichen, aber auch sehr guten Wendepunkt frei. Der Song erzählt leichtfüßig von nichts Bestimmtem und stellt schon fast ein Gegengewicht zum ansonsten teilweise textlich sehr schwer verdaulichem Material dar, zeigt dann aber im Gesamtkontext eine kleine Kritik am deutschen Gemüt. Ganz in Ruhe lassen will uns die Mannheimer Gruppe nicht. Was bleibt? Wer die Texte des Albums nicht warnimmt, bleibt wohl irgendwann stecken und lässt das gute Stück im Regal liegen. Alle anderen werden aber wohl doch ihren Spaß mit dieser Weltreise haben.

Wertung: +++ (Stefan Berndt)

 

Saltatio Mortis – Manufactum II | Napalm Records

{image}Fünf Jahre ist es her, dass die erste Manufactum-CD veröffentlicht wurde, damals noch mit einer reinen Mittelalter-Setlist. Vieles hat sich in diesen fünf Jahren getan, die Band hat Erfahrung gesammelt, sich weiterentwickelt und einiges an Erfolgen zu verzeichnen. So war die letzte Veröffentlichung von Saltatio Mortis sogar vier Wochen auf Platz 10 der deutschen Albumcharts. Mit Manufactum II liefern die sieben Spielleute erneut ein akustisches Live-Album der Extraklasse, diesmal verfeinert mit Umsetzungen ihrer Rock-Hits in mittelaltertaugliche Akustikstücke. Perfekt mitgeschnittene Live-Aufnahmen, um die Stimmung des Mittelaltermarkts wiederzugeben, lassen den Hörer über eine Stunde lang in eine andere Welt eintauchen. Bis auf das Palästinalied und die bekannten Merseburger Zaubersprüche, die auch auf der ersten Manufactum vertreten waren, sind alle Titel bis dato unveröffentlichte Aufnahmen, ob Rock-Stücke wie Prometheus oder übliche Live-Lieder wie Dessous Le Pont De Nantes. Auch die Interpretation des schottischen Folkliedes Loch Lomond, das im Duett mit William von der Band Rapalje begeistert, ist sehr interessant. Was im ersten Moment wie eine weitere Akustik- oder Live-CD aussieht, ist eine überzeugende Darbietung des Könnens der Spielleute und der Resonanz des Publikums auf mittelalterliche Live-Auftritte. Die Tracks, die bisher noch nicht aus der heimischen Anlage klingen konnten, da sie nur bei Live-Auftritten gespielt wurden (was sich in Zukunft auch nicht ändern wird) sind somit nicht der einzige Kaufanreiz für dieses Album – aber ein gewichtiger: Wer die akustischen Mittelalterlieder von Saltatio Mortis in den eigenen vier Wänden hören möchte, wird um Manufactum II nicht herumkommen, da keine Studioaufnahme erscheinen wird.

Wertung: ++++ (Janni Brand)

 

Cypress Hill – Rise Up | EMI

{image}Cypress Hill sind einzigartig in der HipHop-Landschaft. Mit ihren neun Studioalben innerhalb von 19 Jahren haben sie längst so etwas wie eine Religion um sich erschaffen. Latino-Attitüde, Totenkopf-Maskottchen und exzessiver Cannabiskonsum lauten die Sakramente. Musikalisch bewegen sich B-Real, Sen Dog, Bobo und DJ Muggs zwischen basslastigen Rapbeats und rockigen Gitarrenriffs. "Rockig" ist auch das erste was auffällt, wenn man einen Blick auf die Gästeliste des neuen Albums Rise Up wirft. Tom Morello, seines Zeichens Gitarrist bei Rage Against The Machine, Daron Malakian von System of a Down und Mike Shinoda von Linkin Park machen schon vor dem Hören begreiflich, dass hier nicht nur der Blunt auf der Couch herum geht, sondern jede Menge Dynamik geboten ist. Die Kopfnicker-Fraktion dürfte sich hingegen über Alchemist, Pete Rock, Jake One sowie zwei obligatorische Produktionen von DJ Muggs freuen. Waren Rock und Rap auf Skull & Bones noch fein säuberlich auf zwei Scheiben getrennt, ist auf Rise Up besonders viel Crossover geboten. Mit seiner Stimme, die knatschiger ist als eine Kellertür, und seinen gewohnten Kifferkraut-Lyrics drückt B-Real dieser Mische so sehr seinen Stempel auf, dass der Cypress Hill-Style in diesem Mash-up niemals zu versinken droht. Dieses Kontrastprogramm verdeutlicht sich mit Light it Up, das mit typischem Chicano-Flair und einem Barry White-Sample daherkommt und dem Alternative-Metal-Stück Trouble Seeker, bei dem wiederum die schweren Gitarren den Ton angeben. Während es für Take My Pain ein Wiedersehen mit Everlast aus dem Soul Assassins Camp gibt, scheint das Feature mit Marc Anthony wohl auf eine erhöhte Drehzahl Joints zurückzuführen zu sein. Armada Latina, das durch ein einprägsames Crosby, Stills & Nash-Sample jedoch wahren Hymnencharakter trägt, entpuppt sich als echter Hinhörer. Insgesamt ein rundes Gesamtwerk.

Wertung: ++++ (Andreas Margara)

 

Detlev Schmidtchen – The Last Planet – Chapter I-III: Reversion | jks-world

{image}Detlev Schmidtchen? Wer ist das, werden sich viele fragen. Wir reisen ins Jahr 1976 in die Hannoveraner Musikszene zurück. Frank Bornemann reformiert gerade seine Band Eloy. Detlev steigt an der Gitarre bei Eloy ein und wechselt später dann an die Keyboards. Er war an der Entstehung von drei erfolgreichen Alben beteiligt: Dawn (1976), Ocean (1977) und Silent Cries And Mighty Echoes (1979). Nach seinem Ausstieg bei Eloy versuchte sich Detlev Schmidtchen in vielen Kleinprojekten, bevor er 2007 sein Last Planet-Projekt startete. Inzwischen ist er bei Chapter III angekommen. Einen Teil des typischen Eloy Keyboard-Sounds hat er über die Zeit retten können. Der Stil lässt sich am ehesten unter Elektro/Techno einordnen. Psychodelische Klangteppiche laden zum Träumen ein, Detlev Schmidtchen kreiert Keyboard-Sounds vom Feinsten. Alle Alben der Last Planet-Reihe sind für den Genuss über Kopfhörer optimiert worden und das hört man. Auf der CD Chapter III ist als Geburtstagsglückwunsch an Eloy (40 Jahre) deren Stück The sun song in einer "Detlev Spezialversion" mit drauf. Eine gelungene Geste. Für Liebhaber der ruhigen Musik zum Schweben und Abheben eine Empfehlung!

Wertung: ++++ (Rudi Brand)

 

So werten wir:

+

schnell auf ebay damit, bevor es jemand merkt

++

hier mangelt es an so einigen Ecken und Enden

+++

das kann sich wirklich hören lassen

++++

ein TOP-Album

+++++

definitiv ein "must have"

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