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© Popakademie

Am Montag wurde das neue Semester an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim feierlich eingeläutet. Das Besondere in diesem Jahr ist die Einführung des neuen Studiengangs Weltmusik mit Schwerpunkt auf den türkisch-orientalischen Raum. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

"Heute ist ein großes Fest!" sagt Mehmet Ungan, der Projektleiter des Studiengangs Weltmusik mit funkelnden Augen. Für ihn ist das Enstehen des neuen Studiengangs an der Popakademie eine besondere Wertschätzung der Musik, aber auch eine Anerkennung der großen Komponisten aus orientalischen Ländern.

Der Bachelor Weltmusik scheint für ihn ein geeigneter Rahmen zu sein, die in der westlichen Welt noch recht unbekannten Namen mit den Größen der klassischen Musik oder der Popularmusik gleichzusetzen. "Dabei ist der Musikstil hoch entwickelt", so der aus der Türkei stammende Instrumentallehrer.

Musikalische Emanzipation

Doch wieso entschieden sich die Verantwortlichen für den Studiengang Weltmusik? Und warum legten sie den Fokus auf türkische und orientalische Musik?

Im Rahmen der Semestereröffnungsfeier spielt nicht nur die Pop-Band Vincent Hall, sondern auch die orientalische Formation Leela mit Kontrabass, Oud und orientalischen Zupf- und Perkussionsinstrumenten. Diese Mischung aus altbekannter und für westliche Ohren exotische Musik könnte nicht besser signalisieren: Beide Musikstile stehen auf Augenhöhe. Das Zielt besteht darin, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schaffen und den Dialog anzuregen.

Reaktion auf wachsende Kulturkreise

Das betont auch der Künstlerische Direktor der Popakademie, Prof. Udo Dahmen. Zusammen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wurde der Studiengang Weltmusik auf den Weg gebracht, um auf den stetig wachsenden türkischen Kulturkreis in Deutschland zu reagieren. Mittlerweile besteht ein Bedarf an Musiklehrern orientalischer Instrumente, der von den Musikhochschulen bislang nicht gedeckt werden konnte. Auch in der schulischen Musiklehre ist die Weltmusik stark unterrepräsentiert. Das soll sich laut Dahmen ändern.

Ein anderer wichtiger Aspekt sei die neue Art von Musikrezeption, so Staatssekretär Jürgen Walter. Viele Menschen besuchen sowohl Klassik-Konzerte, als auch Jazz- und World Music-Konzerte. Diese Entwicklung wolle die Popakademie auch mitgehen und die neuen Hörgewohnheiten miteinbeziehen.

Interkultureller Dialog

Die Popakademie macht also einen Schritt in Richtung Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturen, durch die die Grenzen des westlichen Musikdenkens aufgebrochen werden sollen. Denn: die Kultur ist und bleibt eine wesentliche Komponente des interkulturellen Dialogs.

Dementsprechend zuversichtlich sehen die Verantwortlichen in die nächsten Jahre, in denen neue Perspektiven geschaffen werden sollen. Vielleicht gibt es bald sogar einen Chartstürmer der Weltmusik aus Mannheim? Die Stimmung jedenfalls ist geradezu euphorisch.

Lehre auf hohem Niveau

Die zwölf Studienanfänger des Bachelors Weltmusik sind ebenfalls sehr international aufgestellt: Zwei kommen aus Syrien, einer aus Bangladesh, und viele weitere besitzen einen Migrationshintergrund. Diese Internationalität mag in der Einzigartigkeit des Studiengangs liegen: Europaweit bietet nur Rotterdam einen vergleichbaren Weltmusikstudiengang an.

Aber auch die Lehre soll auf hohem Niveau stattfinden. Die drei Instrumenten-Hauptfächer Bağlama, Oud und Orientalische Perkussion werden von renommierten Dozenten wie Firas Hassan unterrichtet. Diese sind in der Lage, ihr fundiertes Wissen und ihre Erfahrungen von ihrem Studium im Orient an die Studenten weiterzuvermitteln. Eine besondere Rolle spielt dabei auch die Orientalische Musikakademie Mannheim, die auf eine fünfjahrige Erfahrungsgeschichte zurückblicken kann und eng mit der Popakademie zusammenarbeitet.

Neue Kreativitätsschübe

Kreativität ergibt sich aus Dichte, Verschiedenheit und Interaktion. Mit dem neuen Studiengang und der damit einhergehenden Internationalität soll eine Brücke zwischen den Kulturen geschaffen werden und neue kreative Energien freigesetzt werden. Die in unmittelbarer Nähe befindlichen Kreativwirtschaftszentrum C-HUB und Musikpark ermöglichen auch auf musikwirtschaftlicher Ebene einen Austausch zwischen den Kulturschaffenden.

Wir sind jedenfalls gespannt auf den kommenden Star der Weltmusik aus Mannheim und freuen uns auf neue Impulse!

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