Karlstorbahnhof Heidelberg (Pressefoto, 2011)

Karlstorbahnhof Heidelberg (Pressefoto, 2011) © Klara Rosa

Mit 20 kann man flügge werden, dachte sich wohl auch der Heidelberger Karlstorbahnhof. Das Kulturhaus feiert in diesem Jahr nicht nur 20-jähriges Bestehen, sondern begibt sich auf ganz neue Wege: Die Veranstaltungsstätte zieht von der Altstadt in die Südstadt Heidelbergs.

Bereits 2013 titelte die Rhein-Neckar Zeitung "Muss der Karlstorbahnhof bald ins Exil?" und nahm damit eine Debatte auf, die bereits ein Jahr zuvor entstanden war. Die alte Spielstätte platze aus allen Nähten.

Der Gesetzgeber verschärfte nach der Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg die Bestimmungen – auch für Indoor-Locations. Das traf auch den Karlstorbahnhof. Aus sicherheitstechnischen Gründen fasst der Konzertsaal bei bestuhlten Veranstaltungen nur 200 Plätze. Zu klein, um dauerhaft überleben zu können, meint Ingrid Wolschin, Geschäftsführerin des Hauses.

Langwieriger Entscheidungsprozess

Zwei Jahre lang zog sich der Prozess, bei dem alles diskutiert wurde: Wie hoch wären die Kosten eines Umbaus? Sollte das Kulturhaus am Neckar besser umziehen oder wäre das gleichbedeutend mit dem Aus? Gutachten wurden erstellt und bezifferten den Umbau auf über 11 Millionen Euro. Ein Umzug käme billiger.

Nun soll auf den ehemaligen von der US-Army genutzten Flächen im Süden der Stadt eine neue Spielstätte für das vielseitige Kulturhaus entstehen. Aktuell wurde im Heidelberger Doppelhaushalt 2015/2016 beschlossen, die notwendigen Gelder für einen Umzug in die Hand zu nehmen. Die ungefähren Kosten belaufen sich auf 8,9 Millionen Euro. Allerdings, so Ingrid Wolschin, basiert dies nur auf einer vorläufigen Planung.

"Wir sehen dem Umzug zuversichtlich entgegen"

Während sich die Diskussionen um ein Für und Wider eines Umzugs richteten, stellte sich der Karlstorbahnhof mit den möglichen Konsequenzen auseinander. Das einstige "Exil" sieht der Karlstorbahnhof als neue Herausforderung – und auch als Überlebenschance. Die Verantwortlichen wiesen darauf hin, dass es um die Existenz des Karlstrobahnhofs gehe.

Eine Zukunft unter den alten Gegebenheiten sah die Leitung des Karlstorbahnhofs nicht. Die Räumlichkeiten waren zu klein, um weiterhin auf internationalem Parkett bestehen zu können. Der Umzug in die Stüdstadt schaffe bessere Möglichkeiten, die Fläche sei größer, biete mehr und vor allem moderner. Es locken 450 bestuhlte Plätze, 900 Stehplätze und neue Gestaltungsmöglichkeiten auf einem bisher weder kulturell noch gastronomisch genutzten Gelände.

Risiken gibt es freilich aus. Es ist nicht ohne, eine etablierte Marke aus der gut erreichbaren Altstadt in die Südstadt zu verlegen, in der zwar Verkehrsanbindung vorhanden ist, aber kein Nachtleben – denn das findet bisher an anderen Orten statt. Mit der Beibehaltung des Namens Karlstorbahnhof möchten die Verantwortlichen zeigen: Wir machen weiter zu alter Qualität, mit den bewährten Festivals – aber an einem neuen Ort, unter neuen Herausforderungen und hoffentlich mit neuen Stammkunden auch aus den umliegenden Vierteln.

Blick nach vorne

Die Planungen für das neue Haus auf dem ehemaligen US-Gelände laufen. Mit dem ersten Spatenstich rechnet Ingrid Wolschin Anfang 2016, so wäre ein Umzug eventuell 2017 möglich. Noch sind die Koffer also nicht gepackt, aber es erscheint Licht ans Ende des Tunnels. Und zumindest zeigt sich eine befahrbare Straße, auf der es für den Karlstorbahnhof weiter gehen kann.

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