Um die musikalischen Dimensionen dieser einzigartigen Jubiläumstour von Stevie Wonder zu erfassen, genügt schon der Blick auf die Gesamtzahl der Musiker und Musikerinnen an diesem Abend.
Inklusive Stevie Wonder stehen bei der 50th anniversary Tour von "Songs in the key of life" 33 Künstler auf der Bühne und liefern in der Kölner Lanxess Arena in drei Stunden mit kurzer Pause eine Show von purer musikalischer Magie.
Spirituelles Opening
Ein kurzer Moment totaler Dunkelheit soll dem Publikum vermitteln, wie sich ein Leben in Blindheit anfühlt. Als das Licht angeht, sitzt Stevie Wonder bereits am Keyboard und beginnt das Konzert mit "Love's In Need Of Love Today". Der samtig weiche Soul umspielt die Stimme von Stevie Wonder, der mit seiner Intensität und seinem Gefühl den ganzen Raum füllt.
Beim zweiten Song "Have A Talk With God" überlässt der gläubige Christ den Gesang seinem Sohn Kwame Morris. Auch hier ist der Saal erfüllt von spiritueller Energie. Wie intensiv die Stimme von Stevie Wonder mit jetzt 76 Jahren noch ist, zeigt sich unter anderem bei "Village Ghetto Land".
Unterstützt von neun Musikern und Musikerinnen an den Streichern plus Dirigent geht seine Stimme so intensiv unter die Haut, dass die erste Gänsehaut und so manche Träne im Auge fast unvermeidbar sind.
Funky-Groove
Mit dem instrumentalen Funk-Groove von "Contusion", der mit seinem energetischen Feuerwerk und seinem elektrisierenden Gitarrenspiel den ganzen Körper durchdringt, ändert sich die Richtung des Konzerts nun komplett. Wer bis hierhin noch keine Gänsehaut hatte, wird sie spätestens ab jetzt bekommen.
Mit dem Doppel von "Sir Duke" und "I Wish" stehen die Zuschauer in der Arena auf, singen und tanzen auf die mitreißende Energie der funkigen Soul Musik. Der druckvolle Sound der Bläser, die Energie des gesamten Ensembles und das tobende Publikum lassen die Arena erbeben. Zur kurzen Erholung spielt er die Soul-Ballade "Knocks Me Off My Feet".
Jam-Session
Mit dem deutschen Volklied "Muss I denn, muss I denn, zum Städele hinaus" lässt Stevie Wonder wieder das Publikum mitsingen, bevor er mit ihnen kleine Gesangsübungen macht und sie mit "Oh Happy Day" wieder spirituell einfängt.
Abschließend bringt Stevie Wonder an der Mundharmonika das Publikum wieder zum Ausrasten, bevor er mit "Pastime Paradise" einen Song anstimmt, den vor allem jüngere Menschen in einer bearbeiteten Version kennen. Denn 1995 griff Coolio diesen Song auf und machte daraus mit eigenem Rap den Welthit "Gangsta's Paradise". Die mitreißende Melodie ist Basis beider Songs und auch jetzt flippen die Zuschauer begeistert aus.
Ladies-Power
Mit dem groovy-energetischen "Summer Soft" lässt Stevie seinen Keyboarder als Solist glänzen, bevor er mit "Ordinary Pain" wieder eine seiner geschmeidigen Soul-Balladen erklingen lässt. Diesen Song spielt er zunächst vorne im Doppel mit seinem Musical Director, bevor er nun die Bühne für seine Soul-Ladies bereitet.
Die vier Power-Ladies, von denen eine seine Tochter Aisha Morris ist, geben im zweiten Teil des Songs stimmlich Vollgas und lassen den Soul-Blues mit ihren Stimmen erbeben. Das Publikum in der Halle tobt erneut. Mit der sanften Ballade "Saturn" und dem rhythmischen "Ebony Eyes", für das sich Stevie Wonder noch einmal an ein extra für diesen Song aufgebautes Piano setzt, geht es mit groovender Energie des Saxophons in die Pause.
Die ganze Familie
Nach der Pause stellt Stevie Wonder dem Publikum seine komplette Familie auf der Videowand vor. Mit Kinderbildern benennt er seine fünf Söhne und vier Töchter, von denen drei mit auf der Bühne stehen an diesem Abend. Es ist das Intro zu "Isn't She Lovely", dem musikalischen Bekenntnis zu Liebe und Familie.
Aus "Joy Inside My Tears" wird anschließend eine gewaltige Improvisation, bei der Stevie Wonder am Ende mehrere Songs in einem Medley in den Song einwebt. Neben "You Are The Sunshine Of My Life" sind das "Creepin'", sein Welthit "I Just Called To Say I Love You" und "Do I Do". Die spielerische Leichtigkeit, wie er die Songs miteinander verbindet, zeugt von absoluter musikalischer Weltklasse.
Melodienfeuerwerk
Weiter geht die Weltklasseshow mit dem Funk-Feuerwerk "Black Man", bei dem erst die beiden Gitarristen und die fünf Bläser voll aufdrehen. bevor der Percussionist und die beiden Schlagzeuger ihre Energie in die Halle feuern. Bei "All Day Sucker" sind es wieder die beiden Gitarristen, die sich völlig in ihrem Spiel verlieren, während Stevie mit seinen vier Sängerinnen und zwei Sängern den Soul erklingen lassen.
Nach "Easy Goin' Evening (My Mama's Call) und "Ngiculela - Es Una Historia - I Am Singing" kommt die extra aufgebaute Harfe zum Einsatz. Zu den zarten Klängen der Harfe singt Stevie Wonder "If It's Magic" mit solch emotionaler Intensität, dass scheinbar jeder Zuschauer im Saal still lauscht und genießt, bevor am Ende der große Applaus ertönt.
Ohrwürmer und Superhits
Aus dem Jubiläumsalbum fehlen noch zwei Ohrwürmer, die Begeisterungsstürme auslösen. Zuerst das mitreißende "As" mit seiner funkigen Energie, bei dem einer der Backgroundsänger mit seiner durchdringenden Stimme beim Solo das Publikum pusht. Das groovende "Another Star" ist purer Funk-Soul. Die Bläser geben Vollgas, die Streicher untermalen die Melodie und die Sänger und Sängerinnen lassen die Musik explodieren. Das ist Live-Musik auf höchstem Niveau.
Emotional wie kaum ein anderer Song spielt Stevie Wonder in diesen aufwühlenden Zeiten den Friedenssong "Imagine" von John Lennon. Den Gesang übernimmt für diesen Song seine 13jährige Tochter Zaiah Morris. Das groovende Finale und das letzte Highlight dieses außergewöhnlichen Weltklassekonzerts ist sein Welthit "Superstition".
Während die Band sich die Seele aus dem Leib spielt, nimmt seine Tochter ihren Vater Stevie Wonder an die Hand. Gemeinsam gehen sie mit den anderen Sängern und Sängerinnen zu jeder Bühnenseite und wippen auf den Groove der Musik. Unter rasend, frenetischem Applaus geht Stevie Wonder von der Bühne. Es ist der würdige Abschluss eines hochklassig, begeisternden Konzerts.
Setlist:
Set 1: Love's In Need Of Love Today / Have A Talk With God / Village Ghetto Land / Contusion / Sir Duke / I Wish / Knocks Me Off My Feet / Muss I Denn, muss I denn, zum Städele hinaus / Oh Happy Day / Jam-Session / Pastime Paradise / Summer Soft / Ordinary Pain / Saturn / Ebony Eyes
Set 2: Isn't She Lovely / Joy Inside My Tears + eingebettetes Medley (You Are The Sunshine Of My Life/ Creepin' / I Just Called To Say I Love You / Do I Do / Black Man / All Day Sucker / Easy Goin' Evening (My Mama's Call) / Ngiculela - Es Una Historia - I Am Singing / If It's Magic / As / Another Star / Imagine / Superstition

