Mit 10cc gastiert eine legendäre Band der 70er-Jahre im Wormser Kulturzentrum und zeigt, dass ihre großen Hits nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben.

Von der Originalbesetzung von 10cc ist heute nur noch Bassist Graham Gouldman dabei. Lol Creme und Kevin Godley stiegen bereits 1976 aus, Eric Stewart verließ die Band 1995. Mit dabei ist aber Gitarrist Rick Fenn, der auch schon seit rund 40 Jahren zur Besetzung. gehört

Graham Gouldman sieht mit 80 aus wie ein englischer Gentleman – und obwohl er sicher der Kopf der Band ist, fühlt sich der Abend wie ein Konzert gleichberechtigter Musiker an.

Komplettiert wird die Band von den drei jüngeren Mitgliedern Iain Hornal (Gesang), Keith Hayman (Keyboards) und Ben Stone am Schlagzeug. Stone ersetzte vor einigen Monaten Paul Burgess, der nicht mehr auf Tour gehen will.

Vielseitiger Bandsound

Zunächst fällt auf, dass die Musik druckvoller und rockiger klingt als auf den Originalaufnahmen. Gleichzeitig gelingt es der Band, die eleganten Arrangements der Songs in die Gegenwart zu transportieren, ohne sie mit modernen Elementen zu überfrachten.

Die Band präsentiert sich zudem außerordentlich vielseitig. Neben Hornal übernimmt auch Gouldman wiederholt den Leadgesang, so bei "Dreadlock Holiday", während Gitarrist Rick Fenn bei "Clockwork Creep" das Kommando übernehmen darf. Auch instrumental ist viel Abwechslung geboten, denn so gut wie alle Bandmitglieder spielen im Verlauf des Abends auch andere Instrumente.

Progressive Popmusik

Die wechselnden Rollen und die spielerische Inszenierung erinnern stellenweise an die Tradition der englischen Music Hall. Eine Variety-Show veranstalten 10cc zwar nicht, doch Songs wie "Silly Love" werden beinahe theatralisch inszeniert. Dabei zeigt sich, dass sich der Humor der Band keineswegs auf ihre Texte beschränkt.

Der Abend führt aber auch noch einmal klar vor Augen, wie viele großartige Songs die Band geschrieben hat. In ihrer Frühphase bis 1976 verfügten 10cc über vier herausragende Songwriter, die kongenial zusammenarbeiteten und die Experimentierfreude der damaligen Rockmusik in kurze, griffige und dennoch erstaunlich komplexe Popsongs überführten.

Auch 2026 treten diese progressiven Elemente deutlich hervor, etwa in den teilweise ausgedehnten, aber spannungsreichen Instrumentalpassagen des epischen "Feel The Benefit" oder des abschließenden "Rubber Bullets". Zu den Höhepunkten zählen "I'm Not In Love", der wohl bekannteste Song der Band, der Reggae-Pop-Klassiker "Dreadlock Holiday" und der wunderschöne Popsong "I'm Mandy Fly Me".

Wachsende Begeisterung

Die mitreißende Live-Performance der Band sorgt im Verlauf des Abends für immer größere Begeisterung im Publikum. Spätestens mit "The Things We Do For Love" gibt es kein Halten mehr.

Bei der Zugabe steht schließlich der gesamte Saal. "Donna", die erste Single der Band, präsentieren 10cc in einer grandiosen A-cappella-Version, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt: Drummer Ben Stone sorgt am Ende noch für einen effektvollen Auftritt.

Mit "Rubber Bullets" endet der Abend schließlich mit einem vermeintlich leichtfüßigen Popsong über eine "Gefängnisparty", die von der Polizei mit Gummigeschossen beendet wird. Typisch 10cc: Hinter der eingängigen Oberfläche verbergen sich komplexere Ebenen – musikalisch ebenso wie textlich.

Setlist 

Son of Man / The Worst Band in the World / Art for Art's Sake / Life Is a Minestrone / Good Morning Judge / The Dean and I / Old Wild Men / Clockwork Creep / Feel the Benefit / The Wall Street Shuffle / The Things We Do for Love / Say the Word / Silly Love / I'm Mandy Fly Me / I'm Not in Love / Dreadlock Holiday // Donna / Rubber Bullets