Tom Jones steht mit jetzt 86 Jahren auf der Bühne und zeigt, dass er nichts von seiner eindrucksvollen Präsenz verloren hat. Am Ende sind sich die Zuschauer sehr einig, wie sehr sie von seiner Show beeindruckt sind.

Manchmal kann es sinnvoll sein, das Fazit an den Anfang eines Textes zu stellen. Wie hier im Fall von Tom Jones. Denn beim Publikum herrscht nach dem Konzert in Frankfurt mehrheitlich die übereinstimmende Meinung: "Wahnsinn, was der mit 86 Jahren stimmlich noch drauf hat."

Kokett gespielt 

Seine Bewegungen sind langsam, teilweise auch leicht unsicher geworden. Aber ab dem Moment, als Tom Jones sich vor das Mikrofon setzt, ist er stimmlich voll da. Voll Inbrunst beginnt er mit "I'm Growing Old", sitzt allein im Spotlight, nur begleitet vom Keyboard. Die hypnotische Kraft der Inszenierung lässt das Publikum schon jetzt begeistert ausflippen.

Sehr gekonnt spielt er nicht nur beim ersten Song mit seinem fortschreitenden Alter. Auch bei "Tower Of Song", einer Cover-Version von Leonard Cohen, passen viele Songzeilen perfekt auch auf Tom Jones. Der alte Mann, inzwischen mit grauen Haaren, "was born with the gift of a golden voice". Begleitet von der Gitarre ist auch dieser Song noch sehr ruhig und nach innen gekehrt.

Groovige Explosion

Die Atmosphäre im Saal ändert sich schlagartig mit dem nächsten Song. Tom Jones steht und klatscht das Publikum an, die mit dem groovenden Rhythmus von "Not Dark Yet" voll mitgehen. Auch das vom Akkordeon und den Percussions begleitete, in einer ganz neuen Version dargebotene  "It's Not Unusual" wird wie immer leidenschaftlich mitgesungen.

In das schwungvolle "What's New Pussycat?" stimmt das Publikum ebenfalls lautstark ein, bevor der große Ansturm zur Bühne erfolgt. Denn spätestens mit "Sexbomb" und den heulenden Gitarrenriffs des sehr verlangsamten Intros explodiert die Stimmung in der Festhalle. Es wird getanzt auf den Rängen und laut mitgeklatscht.

Tom Jones kokettiert nach dem Song wieder augenzwinkernd, dass er nur deshalb hier so entspannt stehen kann, weil er altersgerecht bequeme Birkenstock Schuhe trägt. Das sorgt für viel Gelächter und Schmunzeln.

Gitarrenpower

Das von der Energie der Gitarren und der kraftvollen Stimme von Tom Jones aufgeladene "You Can Leave Your Hat On" hält den ausgelassenen Stimmungspegel ebenso weiter hoch wie das von den Akustik-Gitarren getriebene Cat Stevens Cover "Pop Star".

Vom großen Geschichtenerzähler Bob Dylan interpretiert er dann "One More Cup Of Coffee (Valley Below)". Packend und dramatisch erhebt sich seine Stimme über diese wunderbare Melodie.

Einsam erklingen die Gitarren hinter dem Gesang von Tom Jones zur Powerballade "Across The Borderline" mit seinen deutlich erkennbaren Country-Elementen. Etwas hypnotischer ist "I Won't Crumple With You If You Fall". Das Balladentrio schließt "This Is The Sea" mit seiner von den Akustik-Gitarren getragenen Gefühlsdramatik perfekt ab. 

Eine Reise durch die Medien

Inhaltlich nachdenklich präsentiert Tom Jones "Talking Reality Television Blues". Mehr gesprochen als gesungen beginnt er bei den Anfängen des Fernsehens mit großen Ereignissen wie der Mondlandung. Verpackt als Songzeile reist er samt "Video Killed The Radio Star" bei der Einführung von Musikvideos über die Game Shows schließlich in die heutige Zeit des Reality-TV.

Die kleinen, feinen Seitenhiebe an Gesellschafts- und Medienkritik gehen in dieser Präsentation der bunten Bilder und griffigen Gitarrenriffs fast unter. Thematisch passt er dennoch zu einem alten Haudegen, der einen Blick zurück auf seine eigene Zeit in dieser Medienwelt wirft. 

Spanische Klänge

Seinem großen Hit "Delilah" verpasst Tom Jones bei dieser Tour ein neues Gewand. Mit spanischen Flamencoklängen und dem später einsteigenden Akkordeon klingt der Song anders als gewohnt, aber durch seine prägnante Stimme doch wieder ganz vertraut.

Der packendste, eindringlichste Song des Abends ist das fesselnde "Lazarus Man". Die hypnotischen Gitarren mit den heulenden Ausbrüchen untermalen Tom Jones, der seine Stimme mit voller Stimmwucht öffnet.  

Funk Time

Der groovende Funk von "If I Only Knew" wird lautstark abgefeiert und mitgeklatscht. Von Prince, den Tom Jones als "Great Genius" bezeichnet, singt er vor der Zugabe noch "Kiss". Auch jetzt singen und tanzen viele Zuschauer mit, während Tom Jones mit seinen fünf Musikern den Funk lebendig werden lässt. Mit Riesenapplaus geht Tom Jones von der Bühne.

Wieder zurück reitet er mit seinen Fans in die Prärie durch das "Green, Green Grass Of Home". Die wieder deutlich hörbaren Country-Elemente umschmeicheln diese wunderschöne Melodie. Perfekt zu seinem Leben passt die sanfte Ballade "One Hell Of A Life". Denn Tom Jones sagt von sich selbst: "I'm still having a hell of a life".

Der König des Rock 'n' Roll

Der rockige Klassiker "Strange Things Happen Every Day" leitet das große Finale ein. Mit seinem treibendem Pianosound entsteht wieder viel Energie. Dem letzten Song stellt Tom Jones eine Geschichte voraus. Er war einst in Las Vegas mit Elvis Presley unterwegs. Elvis wollte an diesem Abend den "King of Rock 'n' Roll" sehen, nämlich Chuck Berry.

Daher endet der Abend mit dessen größtem Hit "Johnny B. Goode". Mit krachender Rockpower und elektrisierendem Gitarrensound endet ein großes Konzert, an dessen Ende eine vielversprechende Aussage steht. Denn Tom Jones möchte in Zukunft wohl weitere Shows spielen, ähnlich wie sein Freund Willie Nelson, der mit 93 Jahren auch noch auf der Bühne steht.

Setlist:

I'm Growing Old / Tower Of Song / Not Dark Yet / It's Not Unusual / What's New Pussycat? / Sexbomb / You Can Leave Your Hat On / Pop Star / One More Cup Of Coffee (Valley Below) / Across The Borderline / I Won't Crumble With You If You Fall / This Is The Sea / Talking Reality Television Blues / Delilah / Lazarus Man / If I Only Knew / Kiss // Green, Green Grass Of Home / One Hell Of A Life / Strange Things Happening Every Day / Johnny B. Goode