Über das zweite Juliwochenende verwandelt sich Berlin in eine Pilgerstädte für Gothic-Rock- und Dark-Wave-Fans. Gleich drei Tage hintereinander bespielen The Cure hier die Parkbühne der Wuhlheide. Auch wenn der Auftakt am Freitag unter keinem besonders guten Stern steht, sorgt die Kultband für einen ganz besonderen Abend.

Nachdem sich The Cure zuletzt 2022 in Deutschlands Hauptstadt haben blicken lassen, kehren sie nun zurück. Statt in eine Arena, geht es dieses Mal raus ins Grüne – quasi.

Gleich mehrfach lädt die Gruppe in die Wuhlheide ein – ihre einzigen Deutschlandkonzerte in diesem Jahr. Aufgrund der hohen Nachfrage, wurden aus den ursprünglich zwei geplanten Terminen schließlich einer mehr. An drei Abenden lockt die britische Band rund um Frontmann Robert Smith insgesamt 51.000 Gäste an. Ein paar Musikfans sind sogar extra aus dem Ausland angereist.

Schon früh ist der Ansturm groß. Der etwa zehnminütige Weg von der nahegelegenen S-Bahnstation bis zur Parkbühne verwandelt sich in einen kollektiven Spaziergang. Trotz einer großen Vorliebe für die Farbe Schwarz läuft die mehrere Generationen übergreifende Reisegruppe dabei jedoch keinerlei Gefahr mit einem Trauerzug verwechselt zu werden. Die Laune ist gut und wird noch besser, als ihr auf dem Weg eine kleine Lok mit dem Namen Gunther begegnet.

Vorprogramm im Doppelpack

Obwohl bereits auffällig viele Besucher*innen in Bandshirts auftauchen, bildet sich vor dem Merchstand schnell eine mehrere hundert Meter umfassende Schlange. Grund dafür ist unter anderem ein extra für die Wuhlheide-Termine designtes Charity-T-Shirt, das an diesem Tag binnen kürzester Zeit vergriffen (inzwischen aber online vorbestellbar) ist.

Auch die Ränge füllen sich schnell. Schließlich haben The Cure mit Just Mustard and The Twilight Sad gleich zwei vielversprechende Bands als Supportacts engagiert. 

Während The Twilight Sad aus Schottland bereits seit mehreren Jahren von The Cure geschätzt werden und die Band nicht zum ersten Mal auf Tour begleiten, gewinnen auch Just Mustard aus dem irischen Dundalk das Berliner Publikum schnell für sich.

Beide Gruppen haben eine Vorliebe für Shoegaze-Gitarrenwände. The Twilight Sad lehnt sich dabei in Richtung Prog-Rock, Just Mustard wiederum mischt mit Noise Rock und erinnert damit bei Zeiten an die britische Rockband Cranes – die sich übrigens zu den Fans der Gruppe zählt.

Erschwerte Bedingungen

The Cure selbst betreten die Bühne dann etwa um viertel vor neun. Die Besetzung fällt dabei etwas anders aus als gewohnt. Der langjährige Bassist Simon Gallup ist kurz vor dem Auftritt erkrankt, an seiner Stelle übernimmt ausnahmsweise dessen Sohn Eden. 

Vielleicht auch deshalb zeigt sich die Gruppe an diesem Abend etwas bedrückt. Robert Smith betont gleich mehrfach, dass es ein schwieriger Tag für die Band sei, führt das Ganze aber nicht weiter aus und bedankt sich stattdessen im selben Zug beim Publikum für dessen Unterstützung.

Die Gruppe gibt dennoch ihr Bestes. Vor Konzertbeginn, tritt Robert Smith an den vordersten Bühnenrand, läuft diesen ab und nimmt sich dabei Zeit um auch den äußersten Rängen des Publikums zur Begrüßung einen Blick zuzuwerfen. Auch das Set selbst fällt ziemlich großzügig aus. Es umfasst ganze 26 Lieder und dauert zwei Stunden.

Eine Ode an "Disintegration"

Interessant dabei ist, dass The Cure an diesem Abend keinen einzigen Song aus ihrem jüngsten Album "Songs Of A Lost World" aus dem Jahr 2024 spielen. Stattdessen liegt der Fokus stark auf Disintegration (1989). Das bildet sich bereits zu Beginn des Konzerts ab, denn "Plainsong" und "Pictures of You" sind nicht nur die ersten beiden Songs des Albums, sondern auch des Abends.

Aber auch anderen Alben statten The Cure einen Besuch ab. Insgesamt fällt der erste Teil des Sets dabei eher etwas düsterer aus. Als Highlights beim Publikum entpuppen sich unter anderem "Lovesong" und "A Forest". Bei letzterem beginnt die gesamte Wuhlheide selbstständig mit dem Schlagzeugrhythmus zu klatschen.

Hin und wieder werden bei ruhigeren Liedern vereinzelt die Handytaschenlampen gezückt. Das Publikum scheint sich darüber zu freuen, an diesem Abend auch ein paar ältere, darunter auch weniger bekannte Songs aus der inzwischen 50-jährigen Bandgeschichte von The Cure zu erleben.

Die Hits dominieren die Zugabe

Während der vorherige Konzertablauf eine eher melancholisch anmutende Klanglandschaft aufbaut, steht die ganze acht Songs umfassende Zugabe im Zeichen der Hits und einer deutlich leichteren Stimmung.

Den Start macht "Lullaby" und damit erneut ein Song von "Disintegration". Mit "Friday I'm In Love", "In Between Days", "Just Like Heaven" und "Close to Me" folgen wenig später gleich vier der bekanntesten Songs der Gruppe direkt aufeinander.

Aber auch "Boys Don't Cry" darf natürlich nicht fehlen, wird zum letzten Lied des Abends und sorgt für ordentlich Bewegung in den dichten Rängen. Dann bedankt sich die Band noch einmal ausführlich beim Publikum und verabschiedet sich – vorerst. Keine 24 Stunden später wird sie schließlich erneut hier stehen. 

Ein gelungener Auftakt

Auch wenn Robert Smith am Schluss seufzt "Jetzt dasselbe noch zweimal", tut er das mit einem Augenzwinkern. Wer The Cure kennt weiß, dass die Gruppe nicht nur gerne live spielt, sondern sich auch stets die Mühe macht, ihre Setlist bei jedem Tourstopp etwas abzuändern.

Bei einem so großen Songrepertoire, wie es sich die Band in ihrer fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere ansammeln konnte, bietet sich das geradezu an. Aber auch der Umstand, dass The Cure drei Tage hintereinander dieselbe Venue bespielen, lädt dazu ein. 

Ein paar Fans scheinen besonders zuversichtlich und haben vor, noch weitere Wuhlheide-Konzerte zu besuchen. Bevor es jedoch soweit ist, heißt es noch einmal per Reisegruppe zurück durch den Wald. Dieses Mal wird der Spaziergang sogar von Livemusik begleitet, denn gleich mehrere Musiker haben sich einen Platz am Wegesrand gesucht, um die Besucher zu unterhalten (und die ein oder andere Spende zu erhalten).

Auch wenn der Abend für The Cure kein leichter gewesen ist, ist es der Band dennoch gelungen den Besucher*innen einen unvergesslichen Abend zu schenken. Unter erschwerter Bedingungen stellt sie damit umso eindrücklicher unter Beweis, dass sie auch 50 Jahre nach ihrem Entstehen nichts von ihrer Magie eingebüßt hat.

Setlist

Plainsong / Pictures of You / High / A Night Like This / Lovesong / Burn / Fascination Street / Never Enough / alt.end / Push / Play for Today / A Forest / Primary / Shake Dog Shake / From the Edge of the Deep Green Sea / Prayers for Rain / One Hundred Years / Disintegration // Zugabe: Lullaby / The Walk / Friday I'm in Love / In Between Days / Just Like Heaven / Close to Me / Why Can't I Be You? / Boys don't Cry