Sonne, Zelt, Schweiß, Bier und dazwischen rund 3000 Menschen, die offensichtlich keinen entspannten Dienstagabend wollten. Landmvrks haben ihr bandeigenes Mvrksfest zum ersten Mal aus Marseille nach Deutschland gebracht.

Landmvrks und die Vorbands haben mit einzigartigem Metalcore und fettem Hardcore nicht nur für eine schweißtreibende Atmosphäre, sondern vermutlich auch für die größten Moshpits aller Zeiten beim Zeltfestival Rhein-Neckar gesorgt.

Vor dem Zelt auf dem Mannheimer Maimarktgelände sammeln sich schwarze Shirts, weite Hosen, Tattoos. Es fühlt sich so an, als wäre die ganze Szene dabei. Das Wetter spielt mit, die Sonne wärmt den Platz und spätestens im Zelt wird aus angenehm warm, ziemlich schnell heiß.

Vorbands machen ordentlich Stimmung  

Bis Landmvrks selbst die Bühne betreten, liegt allerdings noch ein langer und vor allem lauter Konzertabend vor dem Publikum. Aurore eröffnen den Abend, danach übernehmen Dying Wish und Guilt Trip.

Die drei Bands sorgen zuverlässig dafür, dass das Zelt immer voller und die Bewegung vor der Bühne immer heftiger wird. Es wird gemosht, gesprungen und natürlich ausgiebig getwostept. Schon am frühen Abend ist klar, dass hier kaum jemand gekommen ist, um das Geschehen mit verschränkten Armen zu verfolgen.

Hardcore aus der Schweiz

Die Temperatur steigt mit jeder Band. Das Publikum ist aufgewärmt, die ersten Shirts kleben am Körper und die eigentliche Belastungsprobe für Zeltplane und Kreislauf steht noch bevor. Als Paleface Swiss die Bühne betreten, ist Schluss mit Aufwärmen. 

Frontmann Zelli und seine Jungs liefern genau die brachiale Show, für die sie bekannt sind. Der Sound drückt und die Menge eskaliert komplett. 

Erster Ton und gleich Abriss

Die Pause bleibt kurz. Im abgedunkelten Zelt setzen die ersten Klänge ein, die Zuschauer drängen nach vorne und Landmvrks betreten die Bühne.

Schon der erste Ton von ihrem Hit "Creature" reicht aus, um das Zelt erneut zum Beben zu bringen. Der Bass, die Gitarren und das Schlagzeug sind nicht nur zu hören, sondern auch körperlich zu spüren.

Vor der Bühne gibt es kein langsames Herantasten. Die Menschen springen, schreien, moshen und tanzen. Überall wird getwostept, während sich im nächsten Moment schon wieder ein neuer Pit öffnet. Wer nach Paleface Swiss kurz an seiner Kondition gezweifelt hat, scheint diese Zweifel erfolgreich verdrängt zu haben.

Landmvrks spielen an diesem Abend nicht einfach ein gewöhnliches Festivalset. Es ist ihre Veranstaltung, ihre erste deutsche Ausgabe und ihre große Bühne. Das merkt man sofort.

Altes und Neues

Ein großer Teil des Sets stammt vom aktuellen Album "The Darkest Place I’ve Ever Been". Die Franzosen verbinden massive Breakdowns mit melodischen Refrains, elektronischen Elementen, Rap-Elementen und ruhigem Gesang. 

Live funktioniert diese Mischung besonders gut. In einem Moment brüllt Flo über tiefe Gitarren, im nächsten singt das ganze Zelt mit ihm den Refrain.

Auch ältere Songs fehlen nicht und zeigen, wie textsicher viele Besucher sind. Landmvrks müssen das Publikum kaum noch antreiben. Die Band gibt die Richtung vor, der Rest passiert fast von allein.

Ein Heimspiel fern der Heimat

Das Mvrksfest wirkt dabei nicht wie eine lose Zusammenstellung einiger Bands. Aurore, Dying Wish und Guilt Trip heizen den Nachmittag an, Paleface Swiss treiben ihn an die Grenze und Landmvrks liefern am Ende die große Hauptshow.

Als der letzte Ton verklungen ist, bleiben erschöpfte Gesichter, nasse Shirts und ein Boden zurück, dem man die vergangenen Stunden deutlich ansieht: Marseille hat sein Festival exportiert. Mannheim hat es auseinandergenommen.