Wie eine Märchenwelt präsentiert Laufey ihre aktuelle Tour. Es passt perfekt zu ihrer Heimat Island, aus der ihr Vater stammt. Ihre chinesische Mutter hat ebenfalls als klassische Geigerin großes musikalisches Talent.
Kein Wunder, dass die inzwischen 26-jährige Sängerin ein solch großartige Karriere hinlegt. Neben dem Gesangsstudium spielt sie Gitarre, Klavier und Cello. Außerdem erkennt man ihre persönliche Note in ihren Songs. Die Nähe, die Verletzlichkeit macht ihre Songs so einfühlsam und spürbar.
Showtime
Die große Show in fünf Akten beginnt Laufey mit "Clockwork". Wie bei einer großen Revue-Show betritt sie, umringt von ihren vier Tänzerinnen, die Bühne. Zuckersüß wie ein Showgirl aus den legendären Zeiten von Hollywood singt sie mit einer beschwingten Leichtigkeit, die sofort ansteckt.
Dieser Modern Jazz, wie sie ihre Musik selbst beschreibt, verbindet den Stil der alten Zeit mit modernem Sound. Unterstützt von ihren acht Musikern und Musikerinnen an vier Streichinstrumenten, einer Gitarre (und Querflöte) sowie an Bass, Piano und Schlagzeug sorgen für die musikalische Umrahmung.
Ganz leicht und samtig
Leicht wie eine Feder singt und tanzt sie zu "Lover Girl" mit ihren Tänzerinnnen über die Bühne, dabei immer perfekt jeden Ton treffend. Samtig weich umschmeichelt sie mit ihrem Gesang bei "Dreamer" ihr Publikum, während sie oben auf der Showtreppe auf einer Schaukel sitzt.
Zu "Falling Behind" greift Laufey zur Gitarre. Das Publikum geht den Rhythmus der Musik enthusiastisch mit. Der Retrosound von "Silver Lining" ist eine wunderschöne Ballade, die so emotional direkt ins Herz geht. Das Publikum singt mit Laufey, wiegt dabei zur Musik hin und her.
Bei "Bored" steigt Laufey plötzlich hinab zum Publikum und nimmt ihre Fans an die Hand. Wieder auf die Bühne setzt sie sich ans Piano und spielt zu "Too Little, Too Late". Unterstützt von den Streichern singt sie die nächste wunderschöne Ballade.
Welcome To My Jazz Club
Mit dem zweiten Akt wechselt das Set komplett. Vorne an der Bühne sitzen der Pianist und der Schlagzeuger. Daneben steht der Bassist, nun mit dem Kontrabass. An der Rückwand erscheint die Frage: "Ready for some Jazz?"
Im Retro-Look Kleid betritt Laufey die Bühne und singt "Seems Like Old Times". Der einzige Cover-Song des Abends stammt von Carmen Lombardo, einem kanadischen Sänger und Songwriter, der ab den 1920er Jahren über fünf Jahrzehnte mit zahlreichen Künstlern arbeitete. Im Gegensatz zum Original mit den dominanten Bläsern ist die Version von Laufey viel ruhiger und spielerischer.
Swing-Style
Leicht verrucht kommt "Valentine" daher. Passt aber perfekt zur Stimmung. Mit viel Swing ist "Fragile" deutlich rhythmischer und lebendiger. Hier wie auch bei "While You Were Sleeping" nimmt Laufey ihr Publikum mit, die auf den Rhythmus klatschend einsteigen.
Zum Abschluss des Jazz-Clubs sitzt Laufey wieder selbst am Piano und singt die verträumte Ballade "Let You Break My Heart Again". Die Zuschauer schwenken ihre Handylichter im sanften Rhythmus.
Wie im Zirkus
Der dritte Akt startet mit "Carousel". Hinter Laufey, die wieder mit Gitarre oben auf der Empore zwischen den Treppen steht, dreht sich ein Rad mit Pferden darauf. Der leicht französische Touch der Musik verleiht dem Song wieder diese schwebende Leichtigkeit.
Mein persönliches Highlight des Abends ist "Forget-Me-Not". Im dunkelblauen Licht steht Laufey immer noch auf der Empore und singt mit so viel Gefühl, dass die Gänsehaut am ganzen Körper vibriert. Getragen von der opulenten Kraft der Streicher ist dieser Song eine emotionale Explosion.
Beim kurzen Zwischenspiel "Cuckoo-Ballet" singt Laufey ausnahmsweise nicht, sondern sitzt zwischen ihren Tänzerinnen und spielt das Cello.
Tief bewegt
Dem wieder sehr schwungvollen "Mr. Eclectic" als Opener des vierten Akts folgt ein ganz besonderer Moment. Laufey spricht über ihren Song "Promise" und wie tief bewegt sie war, als sie die Olympischen Spiele verfolgt hat. Dort tanzte kurz zuvor Alysa Liu, die neue Olympiasiegerin im Eiskunstlauf, auf ihren Song "Promise" ihr Kurzprogramm. Liu hatte laut eigener Aussage die Geschichte des Songs mit ihrer eigenen Lebensgeschichte verknüpft.
Laufey singt die kraftvolle Ballade "Promise" und spielt dazu Piano, während um sie herum wieder die Lichter des Publikums tanzen. Auch die opulente Ballade "Goddess" zieht das Publikum derart in den Bann, dass man kaum eine Regung hört, um am Ende enthusiastisch zu explodieren. Fast wild wirkt dann "Tough Luck". Laufey springt herum, während der Rhythmus der Musik das Publikum anfeuert.
Verletzlichkeit
Besonders emotional wird Laufey vor dem Song "Snow White" Sie teilt mit dem Publikum ihre Gefühle, spricht über Verletzlichkeit und wie das Songwriting ihr geholfen hat, all diese Gefühle zu verarbeiten. Sicher ein Grund, warum ihre Fans ihr emotional so nah sind.
Die Darbietung des Songs passt wieder perfekt. Ihre Tänzerinnen bewegen große Standspiegel um Laufey herum, während Laufey sich in dieser Gefühlsballade förmlich zerreißt und komplett emotional und stimmlich öffnet.
Bekannte Songs
Der rhythmische "From The Start" wird wieder enthusiastisch mitgesungen, bevor der fünfte und letzte Akt mit nur einem Song beginnt. Bei "Sabotage" dreht Laufey stimmlich nochmal richtig auf und zeigt ihr ganzes Potential. Der kraftvolle, vom Schlagzeug getriebene Song ist das fulminante Ende des Hauptblocks.
Mit den Worten "I'm Back" setzt sie sich wieder ans Piano für die Zugabe. Die Streicher tragen die Melodie der Power-Ballade "How I Get". Ihr letzter Song "Letter To My 13 Year Old Self" ist das gefeierte Finale eines großartigen Konzerts. Das Publikum spendet Laufey den verdienten Applaus.
Schier endloses Potential
Laufey hat an diesem Abend ihr ganzes Potential gezeigt und auf höchstem Niveau geliefert. Ihre gesangliche Ausbildung und ihr spielerisches Können an den Instrumenten bildet die Basis. Durch ihr emotionales und sehr persönliches Songwriting ist sie ganz nah bei ihrem Publikum.
Der steile Karriereweg nach ganz oben zu den Weltstars der Musik ist sehr gut möglich bei so viel Talent und Können.
Setlist:
Clockwork / Lover Girl / Dreamer / Falling Behind / Silver Lining / Bored / Too Little, Too Late / Seems Like Old Times / Valentine / Fragile / While You Were Sleeping / Let You Break My Heart Again / Carousel / Forget-Me-Not / Cuckoo-Ballet / Mr. Eclectic / Promise / Goddess / Tough Luck / Snow White / From The Start / Sabotage // How I Get / Letter To My 13 Year Old Self

