Im Rahmen ihrer "Futique"-Tour machen Biffy Clyro Station in der Stadthalle Offenbach und überzeugen mit der emotionalen Wucht ihrer Songs.

Wer kennt es nicht, das unsichere Gefühl, nicht zu wissen, ob man etwas zum allerletzten Mal in seinem Leben tut? Diese Zerissenheit zwischen Positivismus und tiefer Traugkeit ist nach Aussage von Sänger Simon Neil ein zentrales Stimmungselement von "Futique", dem mittlerweile zehnten Studioalbum von Biffy Clyro.

Das aktuelle Werk durchschreitet somit einen zugleich von Liebe und düsteren Erfahrungen geprägten Transfer von "Memento Mori" in die heutige digitale Ära, die von schnelllebigen Trends getrieben wird.

Auf Katharsis folgt schweißtreibende Eskapade

Diese vielfältige emotionale Bandbreite wird beim ausverkauften Konzert in der Offenbacher Stadthalle offenbar. 

Mit einem gelungenen Spannungsbogen weben die Schotten die Stücke des neuen Albums in den bereits beachtlichen Vorrat an Hits vergangener Alben ein: Sei es das hymnische "A Little Love" zu Beginn, das von innerer Reue geprägte "A Thousand And One" oder das versöhnliche "People in Love". Auf traurige, dunkle Momente folgen Katharsis. Auf Katharis folgt pure Rock-Eskapade.

Intime Atmosphäre

Den Spagat aus harten Rocknummern und gefühlvollen Balladen haben Biffy Clyro schon immer beherrscht, beim Konzert in Offenbach zeigen sie sich als absolute Meister ihres Fachs. Das Publikum erlebt einen Simon Neil, der nahbar wirkt und der die Songs mit seinem ganzen Körper erzählt.

Hervorheben sollte man in diesem Zusammenhang auch die großartige Location der Stadthalle Offenbach, die selbst aus der hintersten Reihe im Innenraum eine nahezu intime Atmosphäre schafft.

Sehenswertes Lichtspektakel

Insgesamt wirkt das Bühnensetup recht minimalistisch und schnörkellos im positiven Sinne. Eine Ausnahme bildet die sehenswerte Lichtinstallation, die im Vorfeld des Songs "Different People" eine nahezu spirituelle Stimmung heraufbeschwört.

Ansonsten liegt der Fokus komplett auf dem (natürlich oberkörperfreien) Sänger Simon Neil mitsamt Schlagzeuger und der restlichen Band. Diese besteht auf der aktuellen Tour nicht nur aus zwei Violinistinnen sowie Pianist und Gitarrist, sondern auch aus der Bassistin Naomi Macleod, die als Ersatz für den erkrankten James Johnston einen hervorragenden Job macht. 

Starke Zugabe

Dass Biffy Clyro die Songs aus dem Album "Only Revolutions" weit nach hinten in die Setlist gepackt haben, ist kein Zufall. Schließlich stammen die größten Hits der Band, mit der sie ihren internationalen Durchbruch hatte, von dieser Platte. Entsprechend feiert das Publikum den sich komplett verausgabenden Simon Neil frenetisch, während er aus voller Kehle die Refrains von "The Captain" oder "Bubbles" schmettert. 

Vor allem beim wundervoll von der Violine untermalten "Machines" und beim letzten Song "Many Of Horror" zeigen Biffy Clyro einmal mehr: Kaum eine Rock-Band besitzt live eine solche emotionale Gewalt, die unter die Haut geht.

Dem aktuellen Albumtitel "Futique" (ein zusammengesetzter Neologismus aus "Future" und "Antique) werden die Schotten mit ihrer aktuellen Tour mehr als gerecht: Sie sind und werden auch in der Zukunft eine zuverlässige Rock-Bastion bleiben.

Setlist

A Little Love / Hunting Season / That Golden Rule / Who's Got a Match? / Shot One / Space / Wolves of Winter / Tiny Indoor Fireworks / Goodbye / Friendshipping / Biblical / A Thousand and One / Different People / A Hunger in Your Haunt / Black Chandelier / Instant History / Two People in Love / Mountains // Machines / The Captain / Living Is a Problem Because Everything Dies / Bubbles / Many of Horror