Mit ihrer "Anomalie Part 1"-Tour spielte Madeline Juno in der Alten Feuerwache am Mittwochabend ein durchweg überzeugendes Konzert, bei dem sie mit emotionaler Tiefe, klaren Ansagen und musikalischer Klasse punktet.

"Wenn ihr möchtet, schließt die Augen und legt eure Hand aufs Herz", sagt sie zu Beginn. Nach einem kurzen Instrumental taucht sie plötzlich im hinteren Teil des Publikums auf und singt "Mediocre". Singend bahnt sie sich ihren Weg durch die Menge zur Bühne.

Nach "Hab ich dir je gesagt" und "Obsolet" begrüßt sie das Publikum offiziell und erzählt, dass Mannheim einmal ihre Heimat war. Sie habe hier in der Kirchenstraße 13 gewohnt, in der Nähe des Jungbuschs. Mit einem Lächeln erinnert sie sich daran, wie sie sich nachts an der Aral-Tankstelle Pizzastangen gekauft hat. Das Publikum reagiert begeistert.

Offenheit als Markenzeichen 

In "Reservetank" spricht Madeline über ihre Karriere und über Phasen, in denen sie an sich gezweifelt hat. Sie bezeichnet sich selbst als "Herzschmerzmaus", betont aber, dass sie heute zufrieden mit ihrem Leben ist. Diese Offenheit zieht sich durch den gesamten Abend.

Bei "Lovesong" ändert sie spontan eine Zeile in "Er ist zufällig in Monnem", was für Lachen sorgt. Madeline erkundigt sich regelmäßig, wie es allen geht, und erwähnt, dass für Notfälle vorgesorgt sei. 

Zwischen Selbstreflexion und Clubstimmung

Mit "Vorsicht zerbrechlich" wird es ruhiger. Madeline spricht darüber, dass sie gut darin sei, schlecht zu sich selbst zu sein. Das Publikum hört aufmerksam zu. In "Schlimmster Mensch der Welt" thematisiert sie Selbstzweifel, Beziehungen und den Versuch, sich selbst treu zu bleiben.

Nach dem Titelsong "Anomalie" verlässt sie die Bühne. Kurz darauf folgen Lichter, Nebel und ein lauter Beat. Ohne Vorankündigung läuft "Fuck Mary Kill" in einer Techno-Version. Madeline ist zunächst nicht zu sehen. Dann kommt sie zurück, in neuem Outfit und erklärt lachend: "Dachte es wäre lustig, wenn alle eine Singer-Songwriterin erwarten und es dann wie im Berghain ist."

Überraschungen und starke Zugabe

Für Mannheim hat Madeline zwei Überraschungssongs vorbereitet: "Automatisch" und "Waldbrand". Den zweiten Song widmet sie ihrer Familie, die im Publikum sitzt. Danach folgen weitere Gesangseinlagen. Besonders bei "Grund genug" singt der ganze Saal mit. Zwischen den Songs erzählt sie von einer Kindheitsfreundin, die heute ihren Merchstand betreut und der sie den Song "Center Shock" widmet.

Mit "Wärst du mir nie passiert" beendet sie das Hauptset. Danach bleibt zunächst nur die Band auf der Bühne. Nach einem tosenden Applaus und den typischen "Zugabe"-Rufen, kehrt Madeline schließlich zurück und kündigt den Song "Butterfly Effect"als "Hymne ans Leben" an. Sie fordert das Publikum auf, dankbar fürs Leben zu sein, bevor sie mit "Lass mich los" und "Era" den Abend abschließt.

Madeline Juno zeigt in Mannheim, wie nah Popmusik an ihrem Publikum sein kann, wenn sie ehrlich und ohne große Inszenierung präsentiert wird. Das Konzert vereint emotionale Tiefe, klare Ansagen und musikalische Stärke.

Setlist

Mediocre / Hab ich dir je gesagt / Obsolet / Reservetank / Vor dir / Lovesong / Homescreen / Vorsicht zerbrechlich / Gib doch nach / Pakt / Schlimmste Mensch der Welt / Anomalie / Automatisch / Waldbrand / Grund genug / November / Lass alles liegen / Center Shock / Abgrund / 99 Probleme / Wärst du mir nie passiert / Butterfly Effect / Lass mich los / Era