Wenn eine Künstlerin wie Erykah Badu ein so stilprägendes Album wie einst "Mama's Gun" im Jahr 2000 veröffentlicht hat, ist es geradezu zwingend, dieses Jubiläum zu feiern. Auf ihrer Tour spielt sie daher alle Songs des Albums und zeigt dabei, dass sie immer noch eine grandiose Soulstimme besitzt.

Eine Diva nimmt sich Zeit. Manchmal auch sehr viel Zeit. Im Fall von Erykah Badu gleich mal 75 Minuten. Mit dieser Verzögerung startet um 22 Uhr endlich das Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Aber auch beim Auftritt lässt sie sich erst mal Zeit. Die ersten Minuten ist ein reines Jam-Intro der Band. Das Publikum bleibt dabei bewundernswert geduldig.

Na endlich

Mit den groovenden Klängen von "Penitentiary Philosophy" steht Erykah Badu plötzlich im roten Licht und endlich schmettert sie mit voller Kraft ihre ganze Stimmwucht in die Halle. Der tiefgehende Soul ihrer Stimme zerreißt förmlich die Luft. Die funkige Energie des Songs reißt die Zuschauer mit. Vergessen ist die lange Wartezeit.  

Samtweich und emotional ist die Ballade "Didn't Cha Know". Die Fans singen den Song mit, während die Stimme von Erykah Badu wieder mit voller Kraft explodiert. Ebenso gemeinsam mit dem Publikum zelebriert sie "My Life". Alles fühlt sich so inspirierend und spirituell an. Ohne Pause geht sie samt Band über in "... & On". Dieser Song ist der pure Groove. Rhythmisch und energetisch bewegen sich die Zuschauer.

Durch die Lichtwand

Das rhythmische "Cleva" wird fast zu einer Art Messe. Die Zuschauer singen und klatschen mit, ähnlich wie bei einem Gospelchor in einer amerikanischen Kirche. Dem kurzen Interlude "Hey Sugah" folgt das visuelle Spektakel des Abends. Eine Art Lichtwand baut sich vor Erykah Badu auf.

Bei jeder Berührung des blauen Lichts verfärbt sich die Stelle und die Band untermalt es mit perfektem Timing. Ein elektrischer Schlag, ein Klopfen, fast klingt es wie die Lichtschwerter aus Krieg der Sterne. Am Ende durchbricht sie unter dem Jubel der Zuschauer die Wand. Mit dem Gesang von "Kiss Me On My Neck" explodiert ihre Soulstimme wieder mit kaum zu bändigender Kraft. Die Energie im Saal ist überall greifbar.

Neuer Song

Der erste Song, der nicht vom Album "Mama's Gun" stammt, ist "Black Box". Produziert mit dem kalifornischen Rapper und DJ The Alchemist stammt der Song aus dem gemeinsamen Album "Abi & Alan", welches im August 2025 auf einer kleinen US-Tour der beiden Künstler seine Live-Premiere feierte. Mystisch angehaucht thematisiert und kritisiert der Song vor allem den übermäßigen Konsum sozialer Medien und die Handynutzung.

Etwas gekürzt gesungen wird "Booty", bevor sie direkt zu "Annie (Don't Wear No Panties)" übergeht. Wieder ein Rhythmussong, bei dem die Zuschauer auf jeden Schlag klatschen und der funkige Groove die Zuschauer zum Schreien und Tanzen bringt.

Ganz akustisch

Nach einem kurzen Remix-Snippet von erneut "Cleva" greift Erykah Badu zur Akustik-Gitarre und singt die ruhige, intensive Ballade "A.D. 2000". Auch das von Gitarrenklängen und Keyboardakzenten durchzogene "In Love With You" wird wieder eifrig mitgesungen.

Optisch und gesanglich beeindruckend ist "Orange Moon". Im orangefarbenen Licht steht Erykah Badu, hinter ihr der Mond auf der Videowand. Die weiche Soulballade steckt voller Kraft und sie beeindruckt erneut, als sie ihre ganze Stimmkraft in den Raum entlädt. Die Zuschauer rasten am Ende aus und klatschen Standing Ovations.

Das große Finale

Bei "Bag Lady" macht Erykah Badu das Publikum zum Chor. Sie singt mit den Zuschauern, setzt selbst Akzente mit explosiven Gesangsmomenten. Die große Souldiva zeigt sie dem Publikum mit "Time's A Wastin". Eine große Stimme, eine tolle Erscheinung.

Der letzte Song "Green Eyes" wird zum überlangen Höhepunkt des Abends. In über 11 Minuten präsentiert sie einen krassen Mix aus Jazz- und Soulmomenten, bei sie ihre Stimme nochmals mit all ihrer Kraft entfaltet. Ein toller Abend. Das Warten hat sich gelohnt.

Setlist

Jam-Intro / Penitentiary Philosophy / Didn't Cha Know / My Life / ... & On / Cleva / Hey Sugah / Kiss Me On My Neck / Black Box / Booty / Annie (Don't Waer No Panties) / Cleva (Remix) / A.D. 2000 / In Love With You / Orange Moon / Bag Lady / Time's A Wastin / Green Eyes