Es gibt wohl wenig passende Orte, an denen die Smashing Pumpkins ihren zwischen bittersüßer Schönheit, brachialer Weltuntergangsromantik und opulenter Schwere changierenden Sound besser in Szene setzen könnten, als ein Barockschloss.
Vielleicht war der Auftritt in Ludwigsburg deshalb auch ein besonderer für die Band, denn Billy Corgan & Co. lieferten unter wolkenlosem Sommerhimmel im Schlosshof knapp zwei Stunden verzerrte Melancholie, hymnische Wucht und psychedelisches Flirren. Routiniert, aber mit jeder Menge Spielfreude und mit allen großen Hits im Gepäck – und von überraschender Frische geprägt.
Frischer Wind
Für die ist sicherlich auch Gitarristin Kiki Wong zuständig, die Altmeister James Iha an den Saiten unter die Arme greift, und für ziemlich Power auf der Bühne sorgt.
Die Frischzellenkur tut der Band gut, und getragen von den schweren Gitarrenwänden zwischen Grunge-Druck, Gothic-Ästhetik und Shoegaze-Nebel schwebt Corgans Charakterstimme wie ein Echo aus einem anderen Jahrzehnt.
Von "Today" bis "Tonight"
Wer nach dem Auftakt mit "Glass Theme2 und dem brachialen "Heavy Metal Machine" dachte, der Fokus läge auf der mittleren Schaffensphase, wurde mit dem weiteren Set positiv überrascht: Früh im Set sorgte "Today" für erste kollektive Glücksmomente im Publikum.
Anschließend donnern mit "Bullet with Butterfly Wings" und "1979" zwei der bekanntesten Pumpkins-Songs über die Köpfe hinweg – passend zum 30. Jubiläum des Opus Magnum „Mellon Collie and the Infinite Sadness“. Klar durfte da auch "Tonight, Tonight" nicht fehlen, auch wenn die opulenten Streicherarrangements vom Band kamen.
Neben den erwarteten Klassikern gab es Songs vom aktuellen Album "Aghori Mhori Mei", die live ebenfalls hervorragend funktionierten und zeigten, dass die Band weiterhin musikalisch neue Wege geht. "Porcelina of the Vast Oceans" wurde zum psychedelisch-verträumten Highlight, inklusive minutenlangem verschrobenem Gniedel-Solo von Corgan, der daran sichtbar Freude hatte.
Bunte Mischung
Das Publikum – eine bunte Mischung aus langjährigen Fans und jüngeren Alternative-Rock-Liebhabern – zeigte sich durchweg begeistert. Die Stimmung schwankte zwischen andächtiger Stille und Euphorie, besonders bei Songs wie "Disarm", "Cherub Rock", "Zero" und dem brachial-wütenden "Jellybelly", einem weiteren Highlight des Sets.
Billy Corgan präsentierte sich wortkarg, aber durchweg präsent und gut gelaunt, legte zwischendurch die Gitarre ganz beiseite und griff nur zum Mikro. Zum Beispiel beim Berlin-Klassiker "Take my Breath away" - hier kam gar die humorige Seite durch: "Come on, you know this song, we're in Germany!"
Kurz wurde gegen Ende auch noch dem verstorbenen Ozzy Osbourne gehuldigt, bevor mit "The Everlasting Gaze" ein letzter Kracher ins Publikum geschleudert wurde, das sich nach knapp zwei Stunden zufrieden und beseelt auf den Heimweg machte. Die Zuschauer hatten einen stimmungsvollen, musikalisch facettenreichen Abends erlebt, der deutlich machte, warum die Pumpkins auch 30 Jahre nach ihren größten Erfolgen nichts von ihrer Relevanz eingebüßt haben.
Setlist
Glass Theme / Heavy Metal Machine / Where Boys Fear to Tread / Pentagrams / Today / Bullet Muzzle / 1979 / Edin / Porcelina / Sighommi / Mayonaise / Take My Breath Away / 999 / Disarm / Tonight / Cherub Rock / Jellybelly / If There Is a God / Bodies / Ava Adore / Stand Inside Your Love / Zero / The Everlasting Gaze





