Linkin Park bieten im ausverkauften Deutsche Bank Park in Frankfurt eine energiegeladene und nostalgische Show, die die insgesamt 45.000 Zuschauenden nicht nur sehnsüchtig erwartet haben, sondern die ihnen auch für immer in Erinnerung bleiben wird.

Für viele Anwesende dürfte ein Linkin Park Konzert lange Zeit nur ein Traum gewesen sein, der leider nicht mehr in Erfüllung gehen kann. Doch wie das Konzert in Frankfurt zeigt: manchmal werden Träume doch wahr.

Unbeschreibliche Stimmung

Nachdem die Architects die Stimmung in der Arena ordentlich angeheizt haben und die Spannung nach "Inception Intro C" mit Elementen aus "Burn it Down" auf ein Maximum getrieben wurde, betreten Linkin Park unter tosendem Applaus die Bühne. Der erste Song ist "Somewhere I Belong", ein Fan-Liebling, der mit seiner Mischung aus Nostalgie und purer Freude viele Fans komplett von den Sitzen reißt.

Die Stimmung ist ab diesem Zeitpunkt kaum zu beschreiben. Die Fans schreien, singen und rappen sich textsicher die Seele aus dem Leib. Und das nicht nur zu Klassikern wie "Lying From You", sondern auch bei neuen Songs wie "Cut The Bridge".

Eine zweite Chance

Man spürt die Dankbarkeit, die die Fans verspüren, eine zweite Chance bekommen zu haben, Linkin Park live erleben zu dürfen. Doch die Dankbarkeit beruht auf Gegenseitigkeit.

Nach den ersten drei Liedern richtet sich Mike Shinoda mit einem selbst geschriebenen Zettel an die Fans, und liest auf deutsch vor, wie dankbar er ist, dass die Fans Emily mit offenen Armen willkommen geheißen haben. Das Publikum jubelt in Zustimmung, bevor Mike Shinoda das nächste Lied "The Emptiness Machine" den Fans widmet.

Eine würdige Nachfolgerin 

Sängerin Emily Armstrong, die erst 2024 zu Linkin Park gestoßen ist, muss ohne Frage große Fußstapfen füllen. Vergleiche mit dem 2017 verstorbenen Sänger Chester Bennington erscheinen unausweichlich, dabei sind sie eigentlich nicht nötig. Emily versucht nicht, Chester zu übertrumpfen, sie singt die Songs auf ihre Art. Und das funktioniert, denn sie ist nicht nur gesanglich schlichtweg extrem gut, die Energie, die sie an den Tag legt, überzeugt einfach.

Egal, ob ruhige und emotionale Lieder wie "Waiting for the End" oder aggressive Stücke wie "Two Faced", Emily vermittelt nicht nur ihre eigenen Emotionen, sondern fängt die des Publikums ein und tankt neue Energie daraus. Und die Fans lieben sie. Das merkt man nicht nur an den Jubelrufen, jedes Mal, wenn sie auf einer der Leinwände zu sehen ist, ein Fan hält sogar ein Schild hoch, auf dem steht: "Emily our scream queen".

Auch Mike Shinoda zeigt sich den Fans sehr nah und wird mit Jubeln und Applaus empfangen. Er spricht nicht nur immer wieder zum Publikum, er verteilt auch High-Fives und Plektrons und schenkt sogar einem Fan eine von der Band unterschriebene Kappe.

Stets präsent

Im zweiten Akt wird es nach Songs wie "The Catalyst", "Burn it Down" und "Up From the Bottom", die Mitgröl-Garantie bieten, mit Songs wie "Where'd You Go", ein Fort Minor Cover, und "Waiting for the End" ruhiger und emotionaler.

Chester Bennington wird zwar an keiner Stelle explizit erwähnt, doch in Momenten wie diesen, wenn die Arme zum Schwenken erhoben und die Handylichter eingeschaltet werden, dürfte jeder gedanklich bei ihm sein. 

Gute Stimmen und guter Sound

Doch es bleibt nicht lange ruhig. Mit "Keys to the Kingdom" und "One Step Closer", mit einem Gastauftritt des Architects-Sängers Sam Carter, zeigt Emily, welche stimmliche Kraft sie besitzt.

Sie schreit und rennt über die Bühne, ohne jemals aus der Puste zu sein. Und auch Mike Shinoda glänzt gesanglich und bei den Rap-Parts, ohne eine Silbe zu verpassen. Hinzu kommt ein unglaublich guter Sound, mit einem Bass, der in den Ohren wummert und unter die Haut geht.

Momente, die keiner vergisst

Der dritte Akt bietet ein weiteres Highlight mit "Lost", einem Song, der zwar zu "Meteora"-Zeiten aufgenommen wurde, aber erst 2023 veröffentlicht wurde. Der Song beginnt mit einem Piano-Intro von Mike und Emily, bevor die komplette Band einstimmt und das Publikum aus vollem Hals mitsingt.

Abschließend sorgen auch "Stained" und "What I've Done", die, wie alle Songs mit Lasershows, Nebel und bunten, zum Song passenden, Effekten auf den Leinwänden, unterstrichen werden für erinnerungswürdige Momente.

Ein Höhepunkt jagt den nächsten

Im vierten und letzten Akt zeigt sich, dass immer wenn man denkt, das Publikum könnte nicht noch mehr ausrasten, man eines besseren belehrt wird. "Numb" und vor allem "In the End" sind ewige Fan-Lieblinge und das merkt man. Bei "Numb" lässt Mike Shinoda sogar einen Fan entscheiden, welche Version des Songs gespielt werden soll, wobei die Wahl auf die "Numb/Encore"-Intro Version fällt – eine Premiere.

Mike fordert die Haupttribüne bei "In the End" auf, zusammen mit Emily zu singen, doch bald stimmt das gesamte Publikum mit ein, singt so laut wie nie zuvor am Abend und bringt das Stadion damit zum Beben.

Ein Happy End

"Faint" bietet einen gelungenen Abschluss, bei dem jeder nochmal aufgefordert wird zu klatschen und zu springen, bevor Linkin Park kurz die Bühne verlässt, nur um für die Zugabe mit Karacho und mit "Papercut" im Gepäck zurückzukommen.

Es folgt der ebenfalls heiß erwartete Fan-Favourite "Heavy is the Crown", bevor Linkin Park mit "Bleed it Out" und unter den tobenden Jubelschreien der Fans das Konzert endgültig beenden und die Fans glücklich nach Hause gehen.

Setlist

Act I: Inception Intro C / Somewhere I Belong / Lying From You / Cut the Bridge / Points of Authority / The Emptiness Machine

Act II: Creation Intro C / The Catalyst / Burn It Down / Up From the Bottom / Where'd You Go / Waiting for the End / Castle of Glass / Two Faced / Empty Spaces / When They Come for Me / Remember the Name / Keys to the Kingdom / One Step Closer

Act III: Break/Collapse / Lost / Stained / What I've Done

Act IV: Kintsugi / Overflow / Numb / Let You Fade / In the End / Faint

Encore: Resolution Intro C / Papercut / Heavy Is the Crown / Bleed It Out