Der Abend beginnt mit Michèl von Wussov und seiner Band, die sich ganz ähnlich wie Fury in the Slaughterhouse in Hannover gegründet hat. Während der Corona-Pandemie begann von Wussov damit erste Songs zu veröffentlichen.
Obwohl die Band also noch relativ neu ist am Newcomer-Firmament, sorgt sie im Palastzelt für gute Stimmng und eine hohe Beteiligung seitens des Publikums. Das nämlich klatscht, springt und singt fleißig mit, zückt beim nachdenklichen "Atmen" die Taschenlampen und reagiert entzückt als von Wussov seiner Mutter das Lied "Narbenherz" widmet.
Alte Bekannte und neue Gesichter
Vielleicht, weil sich im Publikum selbst einige Eltern befinden. An diesem Abend scheint das Palastzelt von auffällig vielen Familiengruppierungen angesteuert worden zu sein. Kein Wunder, schließlich gibt es Fury in the Slaughterhouse inzwischen schon fast vierzig Jahre und damit lange genug, um von den Fans früher Stunde an die nächste Generation herangetragen zu werden.
Der Maimarkt ist für die sechsköpfige Gruppe bereits ein alter Bekannter. Schon 2017 statteten Fury in the Slaughterhouse hier dem Zeltfestival im Rahmen ihres 30-jährigen Jubiläums einen Besuch ab. Damals bei 37 Grad, wie sich Kai Wingenfelder erinnert.
Nachdem die Gruppe mit "Protection" und "Letter To Myself" die Bühne übernommen hat, erzählt er davon, wie er bei diesem Auftritt vor allem Eines getan hätte: Eimer voller Wasser geschleppt. Ein Moment, der es sogar bis heute auf die Wikipedia-Seite der Band geschafft hat.
Auf Nachfrage, wer aus dem Publikum denn damals auch vor Ort gewesen sei, gehen einige Hände nach oben und auch die vielen Bandshirts in der Menge verdeutlichen, dass es für viele Besucher*innen nicht das erste Fury-Konzert ist.
Auch die Band selbst freut sich zurück zu sein. Sie bedankt sich für den (glücklicherweise nicht 37 Grad) warmen Empfang auch gegenüber Michèl von Wussov. Dass eine Vorband so gut aufgenommen wird sei leider nicht selbstverständlich. Das habe die Gruppe am Anfang ihrer Karriere am eigenen Leib feststellen müssen – unter anderem auch auf dem Maimarktgelände als Supportact von Bon Jovi. Dort nun nach knapp 40 Jahren wieder spielen zu dürfen, sei aber ein beruhigendes Gefühl.
Auf einer Wellenlänge
Dieses Gefühl merkt man der Gruppe auch deutlich an. Auf der Bühne fühlt sie sich sichtlich wohl. Kein Wunder verfügt sie dort über ihre eigene "Küche" (Ein Lautsprecher mit eingebautem Kühlfach) und einem "Wohnzimmer" (einer mittig platzierten Couch) auf die nach Bedarf nach einem Kaltgetränk (stehts begleitet von einem "Stößchen" in Richtung Publikum) oder bei einem ruhigeren Song zurückgekommen wird.
Auch zu den Besucher*innen besteht ein beinahe vertrautes Verhältnis. Die Bandmitglieder erzählen kleine Anekdoten, Sänger Kai Wingenfelder taucht bei "Radio Orchid" kurzerhand im Publikum unter und Gitarrist Christof Stein-Schneider lässt eine Person in der ersten Reihe einen Ton zu seinem Gitarrensolo beisteuern.
Aktivistischer Einsatz
Der Fokus des Abends liegt zwar auf "Hope" dem neuesten Album von Fury in the Slaughterhouse, doch die Gruppe hat auch noch ein paar von ihren Klassikern im Gepäck. So folgt auf "Radio Orchid" direkt "Every Generation Got It's Own Disease". Passend dazu flackern Videoaufnahmen von Trump, Musk und Weidel über die Videoleinwand.
Dass Fury in the Slaughterhouse nicht vor politischen Statements zurückschrecken zeigt auch Stein-Schneiders Überleitung in den Song "Kick It Out". Wenn er Kanzler wäre, so der Gitarrist, dann würde er zuerst "den blaulackierten braunen Hausarrest erteilen".
Auch der neue Song "Everyday Heroes" enthält eine Message, die der Band wichtig ist. Mit dem Song möchten Fury in the Slaughterhouse all denjenigen Respekt zollen, die im Alltag häufig übersehen werden, ohne die dieser aber nicht laufen würde. Während des Lieds werden auf der Leinwand verschiedene gemeinnützige Initiativen eingeblendet.
Eine davon – Little Home – ist am Konzertabend auch mit vor Ort und kann durch Pfandspenden unterstützt werden. Die Organisation setzt sich für die Obdachlosen-Community ein, indem sie mobile Wohnboxen für diese bereitstellt.
Doppelte Zugabe
Den Abschluss macht dann mit "Won't Forget These Days" der wohl bekannteste Fury in the Slaughterhouse-Song. Ursprünglich für gewonnene Spiele von Hannover 96 geschrieben, ist der Song wie Kai Wingenfelder erklärt, nicht nur ein Fußball-Song, sondern für alle Menschen da, die gerade einen Tag verbringen, den sie nicht vergessen wollen.
Als der Song endet verabschiedet sich die Band und verlässt die Bühne. Das Publikum hingegen singt einfach weiter und klatscht dazu zugabefordernd im Takt. Bei diesem Einsatz lässt die Band nicht lange auf sich warten, kehrt auf die Bühne zurück und stimmt wieder mit ein.
Auf Zugabe eins folgt schließlich sogar noch Zugabe zwei ("Wollt ihr noch einen oder zwei oder habt ihrs eilig? – Habt ihr Glück wir haben grade nichts anderes vor"). Nach insgesamt vier Bonus-Songs muss das Konzert jedoch zuende gehen. "Kommt gut nachhause!" ruft Kai Wingenfelder ins Mikro während Christof Stein-Schneider noch ein letztes "Stößchen" Richtung Publikum sendet.
Setlist
Protection / Letter To Myself / Better Times Will Come / Hang The DJ / Milk And Honey / Why Worry? / Are You Real / Sorrowland / When I'm Dead And Gone / Good Day To Remember / Radio Orchid / Every Generation Got It's Own Disease / Riding On A Dead Horse / Nine Lives / Trapped Today, Trapped Tomorrow / Everyday Heroes / Kick It Out / Won't forget these days // Won't Forget These days Reprise / Goodbye So Long / Time To Wonder // Hello And Goodbye / Seconds To Fall













