Bunt, schrill und explosiv, aber auch verletzlich zeigt sich Cyndi Lauper auf ihrer letzten Tour. Sie zeigt alle ihre Facetten als Künstlerin und liefert eine großartige Show, an der es nur einen kleinen Kritikpunkt gibt.

Mit etwas Verspätung ertönt im PSD Bank Dome in Düsseldorf zur Einstimmung der Song "One Way Or Another" von Blondie. Hinten laufen derweil diverse Songtexte von Cyndi Lauper auf der Videowand. Die angeheizte Energie im Saal ist spürbar. Die Fans sind bereit.

Knalleffekt

Der Saal wird dunkel, die sieben Musiker und Musikerinnen der Band kommen auf die Bühne. Die Videowand zeigt im Schnellverlauf hunderte Bilder aus dem Leben und der Karriere von Cyndi Lauper. Schrill und farbenfroh auf der Bühne, aber auch stets meinungsstark und politisch engagiert, so war und ist sie bis heute. Man spürt schon jetzt, dass sich mit dieser Abschiedstour ein Kreis schließt.

Plötzlich explodiert ein Farbnebel vor der Bühne, die Videowand in der Mitte fäht hoch und Cyndi Lauper ist da. Sofort legt sie los mit "She Bop" zu den treibenden Klängen der gerade für die 1980er Jahre so typischen Synthesizer. Das markante Flötensolo in der Mitte spielt Cyndi Lauper selbst, während um sie herum Gitarren und Schlagzeug mächtig Energie ins Publikum feuern. 

Gekommen, um Goodbye zu sagen

Viel deutsch kann sie nicht. Nur "Ja", "Nein" und "Danke". Trotzdem verstehen alle den Satz: "I'm here to say goodbye." Die Stimmung ist aber nicht gedrückt, sondern Cyndi Lauper will ihren Abschied erkennbar mit ihren Fans feiern. Mit viel Energie rennt sie über die Bühne und tanzt auch mit inzwischen 71 Jahren zum Prince-Cover "When You Were Mine" mit wilden, ausgeflippten Bewegungen.

Nach kurzem Outfitwechsel erscheint sie wieder mit nun blauen Haaren und einem langen, weißen Kleid. Das energetisch treibende "I Drove All Night" ist wie ein Wirbelsturm aus Farben der Videowand im Strudel der Energien und rockiger Gitarrenmusik.

Flankiert von Gitarrist und Bassist drückt sie ihre Stimme in immer noch beachtliche Höhen, während die beiden Musiker mit zwei doppelten Soloeinlagen die Energie im Saal weiter anheizen. Am Ende zelebriert Cyndi Lauper mit erhobenen Armen, die Stimmung im Saal explodiert in Standing Ovations. 

Balladenpower

Das zunächst etwas düstere, aber auch ausdrucksstarke "Who Let In The Rain" wird zum abwechslungsreichen Triogesang, als der Sänger und die Sängerin aus dem Background zu Cyndi nach vorne treten. Als Cyndi abtritt, wandelt sich das Bild zum nun rhythmischen Klangfeuerwerk. 

Eine Musikerin sitzt auf einer Cajon und trommelt wild. Drum herum stehen die Gitarristen und eine Musikerin mit Rasseln. Die Energie wird jäh gebrochen, als Cyndi neben der Bühne aus dem Boden klettert.

Mit nun gelber Perücke und roter Jacke wirkt es mehr wie eine Comedy-Einlage, wie sie hochklettert und ein schepperndes Blechoberteil mitbringt. Das später umgeschnallte Oberteil ist eine Ratsche, auf der sie mit ihren Musikern das fröhliche Cover von "Iko Iko" abfeiert.

Country-Rock

Rockig und voller Energie ist das Wanda Jackson-Cover "Funnel Of Love". Auch hier beeindruckt Cyndi Lauper mit ihrer Stimme, während die energetisch treibende Melodie durchzogen ist von kraftvollen Gitarrenriffs.

Es ist eine faszinierende Zeitreise durch die musikalische Welt von Cyndi Lauper, die so viele Stilarten beherrscht und so vielseitig agieren kann. Ihre Fähigkeiten, in unterschiedlichen Rollen zu agieren, zeigt ihre Größe als Künstlerin.

Verletzlich

Als sie auf der Bühne dann ihr komplettes Outfit wechselt, wirkt sie nochmal imposanter. Die rote Jacke weicht einem langen, schwarzen Kleid. Als sie die blonde Perücke abzieht, sieht man sie mit Haarnetz und ihren echten Haaren ganz pur und unmaskiert. So ausdrucksstark singt sie die emotional tiefgängige Akustik-Ballade "Sally's Pigeons". 

Diese Emotionalität steigert sie nochmal mit der puren Ballade "Fearless". Ohne Musik steht sie allein im Scheinwerferlicht und singt mit einer Verletzlichkeit, die wirklich ans Herz geht.

Pure Energie

Nach so viel Emotionen wird es jetzt richtig wild. Das von energetischem Gitarrenrock getriebene "Sisters Of Avalon" ist pure Kraft und das Publikum klatscht auf die Melodie. Cyndi selbst rockt den Saal an der Gitarre. Als sie dann um Handylichter im Saal bittet, wird es wieder emotional. Der erste ihrer Superhits "Time After Time" wird frenetisch mitgesungen und abgefeiert.

Der Song, der aber wie kein anderer die wilde und schrill, extrovertierte Cyndi Lauper zeigt, ist "Money Changes Everything". Zunächst rockt sie mit ihrer Band, um am Ende singend auf dem Boden zu liegen und über die Bühne zu rollen. Das Publikum rastet vor Begeisterung völlig aus.

Im Publikum

Für die Zugabe kommt sie auf die Zweitbühne mitten ins Publikum. Die kraftvolle Ballade "Shine" ist schön gesungen. Aber der Song ist nicht so außergewöhnlich wie etwa ihr Hit "All Through The Night", den sie auf ihrer Abschiedstour nicht spielt. Das ist der einzige Minuspunkt des Konzerts, denn dieser Songs hätte unbedingt gespielt werden müssen.

Trotzdem ist es ein starkes Finale. Zu "True Colors" setzt sie ihre Botschaft einer bunten Welt mit einem farbigen Tuch, welches von Ventilatoren getrieben in ihrer Hand durch die Luft weht. Natürlich singt das Publikum auch hier enthusiastisch mit.

Das Finale auf der Hauptbühne in weißen Klamotten mit roten Punkten aller Musiker ist ihr größter Hit "Girls Just Want To Have Fun". Mit großem Knall und fliegenden Bändern verabschiedet sich Cyndi Lauper von dem ausgelassen feiernden Publikum.

Setlist:

One Way Or Another (Intro vom Band) / She Bop / When You Were Mine / I Drove All Night / Who Let In The Rain / Iko Iko / Funnel Of Love / Sally's Pigeons / Fearless / Sisters Of Avalon / Time After Time / Money Changes Everything // Shine / True Colors / Girls Just Want To Have Fun